Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und der Verein Förderer der königlichen Hofgärtnerei Park Babelsberg e.V. haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Der Verein wird beim „Wiederaufbau und dem sich anschließenden Betrieb der Hofgärtnerei für die Öffentlichkeit unterstützend tätig sein“, heißt es in der Vereinbarung.

Potsdam, Park Babelsberg, Blick über den Kindermannsee zum Flatowturm. Foto: SPSG / Wolfgang Pfauder

Das gemeinsame Ziel ist, die Hofgärtnerei im Park Babelsberg zu sanieren und über eine noch zu findende Betreiberform der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die SPSG hat dafür ein entsprechendes Denkmalkonzept erarbeitet. Erste positive Effekte sind nach den über den Verein vermittelten und von Mitarbeitern der Potsdamer Urania Schulhaus GmbH durchgeführten Pflegemaßnahmen sichtbar. Sowohl 2013 als auch 2014 wurden jeweils 5 Monate lang aufgewachsener Wildwuchs beseitigt und historische Pflasterflächen freigelegt.

Engagement für den Park von Lenné und Pückler

Der Verein Förderer der königlichen Hofgärtnerei Park Babelsberg e. V. wurde 2012 gegründet und hat heute 15 aktive Mitglieder. Ziel der bürgerschaftlichen Initiative ist die Rettung des einst vom Hofgärtner Christoph Ferdinand Kindermann (1805-1865) bewohnten Anwesens im Park Babelsberg. Über das Engagement für die Hofgärtnerei hinaus will der Verein ein größeres Interesse an dem im 19. Jahrhundert von Peter Joseph Lenné (1789-1866) und Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) angelegten Landschaftspark wecken. Als erstes Projekt wird sich der Förderverein für die Wiederherstellung des Eingangstores zu den Lepère'schen Mauern einsetzen. Weitere Informationen und Kontakt unter DR.scholz@snafu.de, die Homepage wird in Kürze freigeschaltet.

Gartenkultur des 19. Jahrhunderts

Die Hofgärtnerei im Südwesten des Parks Babelsberg ist mit den erhaltenen Gewächshäusern ein anschauliches und unbedingt erhaltenswertes Zeugnis für die Gartenkultur und Gewächshaustechnik des 19. Jahrhunderts. Derzeit ist die Bausubstanz allerdings in einem beklagenswerten Zustand. Während der vordere Bereich des Areals durch den Betriebshof der Gärtner genutzt wird, schreitet der Verfall der nicht genutzten Gewächshausanlagen, der Lepère'schen Obsttreibmauern und der verzierten Umfassungsmauer voran. Zudem haben die wenigen verbliebenen Obstbäume bald das Ende ihres Lebensalters erreicht.

Mit der Hofgärtnerei entstand eine zu ihrer Zeit fortschrittliche Nutzgärtnerei mit einem differenzierten Angebot an Warm- und Kalthäusern sowie mit den Lepère’schen Treibmauern als einer innovativen Anlage der Obsttreiberei. Diese wurden von 1862 bis 1864 von dem französischen Obstbau-Experten Alexis Lepère d. J. im Auftrag des preußischen Königs- und späteren Kaiserpaares Wilhelm I. (1797-1888) und Augusta (1811-1890) angelegt. Angesichts der Zerstörung und des teilweisen Verlustes vergleichbarer Lepère'scher Treibmauern hat die Potsdamer Anlage hohen Seltenheitswert.

Auch die ab 1855 errichteten Gewächshäuser mit ihren gusseisernen Dachkonstruktionen, Kanal- und Warmwasserheizanlagen zeugen von einem fortschrittlichen gärtnerischen Anspruch. Der bauliche Zustand der Gewächshäuser ist derzeit jedoch ebenfalls sehr schlecht. Eine Ausnahme sind die Lorbeerhäuser, welche für die Sicherung und Unterbringung künstlerischer Baufragmente 2009 instand gesetzt werden konnten.

Obst für den König

Die Babelsberger Hofgärtnerei repräsentiert mit den Treibmauern und Gewächshäusern, den unterschiedlichen Spalierobstformen und Obstsorten eine Phase der preußischen Pomologie, in der besonders auf Sortenvielfalt Wert gelegt wurde und ausländische Experten gezielt für die Innovation des Obstbaus konsultiert wurden. In diese Phase fiel auch die Gründung des Deutschen Pomologischen Vereins.

Das Ziel der obstbaulichen Anstrengungen war die Belieferung der königlichen Tafel mit besonders ansprechendem Tafelobst zu einer Zeit, bevor die Eisenbahn den Transport derartiger Früchte aus südeuropäischen Gegenden erleichterte und aufwendig produziertes Spalierobst obsolet wurde.

Die Vielfalt der Obstsorten und der Anbautechniken könnte bei einer Wiederherstellung einen Beitrag zum Sortenerhalt alter Obstsorten leisten.

 

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