Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Engagement zahlt sich auch in der betrieblichen Ausbildung aus. Das weiß man bei der Rolf Westphal Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.KG mit Sitz im Lübecker Stadtteil Kücknitz. Für die besondere Qualität und Vielseitigkeit seiner Ausbildung erhielt der Fachbetrieb nun die Auszeichnung als Ausbildungsbetrieb des Jahres im Gartenbau. Ihre Nachwuchskräfte suchen Inhaber Frank Westphal und Ausbilder André Strube am liebsten auf direktem Weg. Zum Beispiel als Aussteller auf Berufsmessen oder, indem sie an Schulen Mathematikunterricht geben und Jugendliche über den Facettenreichtum, aber auch die Anforderungen ihres Berufes aufklären.

Schule trifft Praxis: Adonis Andresen (links) und André Strube unterstützen die Schülerin Ilke Bashan beim Lösen der kniffligen Textaufgaben. Foto: Kottich

Die Köpfe der Neuntklässler in der Lübecker Trave-Gemeinschaftsschule rauchen. Das Thema des Tages: Wozu brauche ich mathematische Kenntnisse, wenn ich im Garten- und Landschaftsbau arbeiten möchte? Der Mathematiklehrer Frank Strüfing hat das Pult geräumt und sitzt nun inmitten seiner Schüler im Klassenraum. Seinen Job übernehmen heute André Strube, Ausbilder bei der Rolf Westphal Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.KG, und Adonis Andresen, Ausbilder und Referent für Nachwuchswerbung beim Fachverband für den Garten- und Landschaftsbau Schleswig-Holstein. Drei Stunden Fachunterricht stehen an diesem 7. Oktober für die Schülerinnen und Schüler auf dem Programm. Initiiert vom Institut für Talententwicklung (IfT) im Rahmen der nordjob 2015. Denn diese ist mehr als nur eine Messe: „Der Dialog zwischen den Schulen und den Unternehmen findet im Rahmen der nordjob das ganze Jahr über statt. Zum Beispiel beim praxisorientierten Schulunterricht“, sagt Andrea Bötz, Projekleiterin beim IfT, das die nordjob-Messen organisiert.

An der Trave Gemeinschaftsschule treffen an diesem Tag große Namen aus der Wirtschaft aufeinander: Mercedes Benz unterrichtet Deutsch und Physik, der Marzipanhersteller Niederegger Englisch, die Deutsche Bank WiPo und die EUROIMMUN AG Biologie. Wie auch die Firma Rolf Westphal möchten alle Unternehmen das Interesse der baldigen Schulabgänger wecken und sich als Ausbildungsbetrieb attraktiv machen. Sie möchten aber auch zeigen, dass die Jugendlichen schulische Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen müssen, wenn sie die Chance auf einen Ausbildungsplatz haben möchten.

Übung macht den Meister

André Strube stellt eine Textaufgabe: „Ein Kunde möchte einen Mähroboter kaufen. Wie viele Meter Steuerkabel muss ich in dem Garten auf der Planungsskizze verbauen? Wie lange dauert der Einbau, wenn wir pro Meter 90 Sekunden veranschlagen? Und wie hoch sind die Lohnkosten für den Einbau bei einem Stundenlohn von 40,- € brutto?“ „Was man alles beachten muss, wenn man einen automatischen Rasenmäher verkaufen möchte“, wundert sich der Kursteilnehmer Tom Bartsch und versucht sich an der Formel für die Berechnung eines Kreisumfanges. Sein Mitschüler Kai Roßmann findet lobende Worte: „Das hier ist besser als normaler Unterricht. Viel praktischer und über den Beruf erfährt man auch noch etwas. Schon interessant, was Landschaftsgärtner so alles machen!“ Am Ende des Tages bewerten viele Schülerinnen und Schüler die Bedeutung ihrer Mathestunden ein wenig anders als zuvor. Sie haben das erste Mal in ihrem Leben Kosten und Angebote kalkuliert, Flächen und Volumina von Gärten und Pools berechnet und nebenbei die Erkenntnis gewonnen, dass Rechenfehler ein Unternehmen schnell in den Bankrott treiben können. „Bei jeder Kalkulation sollte der Unternehmer außerdem darauf achten, faire Angebote im Sinne des Kunden zu schreiben. Denn ein guter Ruf ist Gold wert, muss aber auch lange und hart erarbeitet werden“, gibt André Strube den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg.

Eine gute Ausbildung ist die Summe ihrer Teile

Einen guten Ruf im Bereich der Ausbildung hat sich die Rolf Westphal Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.KG schon seit Langem erworben. 30 jungen Landschaftsgärtner/innen ebnete das Unternehmen bisher erfolgreich den Weg ins Berufsleben. Darauf ist André Strube, der seit dem Jahr 2010 für die Ausbildung im Betrieb verantwortlich zeichnet, stolz: Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Auszubildenden sehr ernst. Jeder lernt das große Ganze kennen, wird aber auch entsprechend seiner Stärken gefördert. Sehr wichtig sind uns hierbei auch Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Pflichtbewusstsein“, so Strube. Ein ganzheitlicher Ansatz, der belohnt wurde: Im September kürten die gärtnerischen Berufsverbände, die Gewerkschaft IG Bau, die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und die Junggärtner erstmals fachrichtungsübergreifend den Ausbildungsbetrieb des Jahres im Gartenbau. Die Auszeichnung ging an die Firma Rolf Westphal. „Von allen 320 Fachbetrieben, die in Schleswig-Holstein in den sechs gärtnerischen Disziplinen Nachwuchskräfte ausbilden, überzeugt die Rolf Westphal Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.KG mit einem ausgezeichneten Ausbildungsengagement, einem hohen Anteil an Fachkräften im Unternehmen und einer großen Vielseitigkeit und Qualität bei den landschaftsgärtnerischen Arbeiten“, heißt es in der Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer. André Strube führt dies weiter aus: „Wir decken viele Bereiche ab, für die wir jeweils unsere Expertenteams haben. Zum Beispiel Dachbegrünung, Poolbau, Gartenlicht, Zaun- und Holzarbeiten, Pflastern und natürlich Pflanzung. Unsere Auszubildenden durchlaufen alle Stationen und lernen so die einzelnen Bereiche von der Pieke auf“.

Ergänzt wird die praktische Ausbildung einmal pro Monat durch einen Übungstag auf dem Betriebsgelände. Hier intensivieren die Auszubildenden spezielle Themen, wie zum Beispiel Maschinenenkunde. Das Unternehmen achtet darauf, dass die Nachwuchskräfte von Vornherein an die Maschinen und Geräte herangeführt werden. Das motiviert die Auszubildenden und erleichtert die schweren Arbeiten. Dass darüber hinaus jeden Monat das Berichtsheft und einmal pro Jahr der Ausbildungsrahmenplan besprochen werden, ist für Ausbilder Strube selbstverständlich. „Dies alles und das gebündelte Wissen, das bei uns unter anderem ein Meister, zwei Ingenieure, 13 ausgebildete Landschaftsgärtner, zwei Maurer und ein Schlosser den Auszubildenden vermitteln können, machen für uns eine erfolgreiche Ausbildung aus“, resümiert André Strube. Eine erfolgreiche Ausbildung, die sich für das Unternehmen auszahlt. „Wir haben aktuell dankenswerterweise wenig Probleme mit dem Fachkräftemangel. Denn wir suchen aktiv nach Nachwuchskräften, bekommen aber auch jedes Jahr Initiativbewerbungen, weil uns der gute Ruf als Ausbildungsbetrieb vorauseilt“. Dennoch wird sich der Fachbetrieb nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und auch weiterhin Mathematikunterricht geben und als Aussteller auf den bekannten Messen präsent sein. „Das sind wir uns und unserem Re­nom­mee schuldig“, sagt André Strube.

 

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