Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Zu Guttenberg: Bundesregierung konterkariert Klimaschutzziele - stillgelegter Wald ist keine Kohlenstoffsenke / Bundesamt für Naturschutz greift nachhaltige Forstwirtschaft und Privateigentum an / Bundeskanzlerin hat Schutz des Privatwaldes zugesichert.

„Das Bundesumweltministerium konterkariert seine eigenen Klimaschutzziele“, sagte Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, heute anlässlich des 7. Nationalen Forum zur biologischen Vielfalt in Berlin. „Immer mehr Waldflächen in Deutschland stillzulegen bedeutet, dass die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenke abnimmt.“ Die Klimapolitik von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verliere an Glaubwürdigkeit, da sie mit ihrem Stilllegungskurs gleichzeitig die Produktion von Holz und damit des ökologischen Rohstoffs schlechthin behindere. „Der nachhaltig bewirtschaftete Wald nimmt nicht nur Treibhausgasemissionen auf, sondern sorgt für ausreichenden Holznachschub“, so der Präsident. Holz könne in Deutschland wesentlich stärker an die Stelle von Stahl, Beton oder Kohle rücken, „doch hier folgt die Bundesregierung ihrem traditionellen Stahl- und Kohle-Kurs“.

Zu Guttenberg kritisierte außerdem den Angriff auf die Privatwaldbesitzer. Ein aktuelles Papier des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) fordert indirekt, dass kommunale und private Waldbesitzer ihre Flächen aus der forstlichen Nutzung nehmen sollten. „Wir erleben hier einen Angriff auf die nachhaltige Forstwirtschaft und auf das Eigentum“, so der Präsident. „Die Bundeskanzlerin hat zugesichert, dass es keine Stilllegungen im Privatwald geben wird. Die Umweltseite der Regierung bohrt diesen Konsens auf.“

In einer Fachinformation des BfN zur „Naturschutz-Offensive 2020“ des Bundesumweltministeriums heißt es, dass die „kommunalen Waldbesitzer und Privatwaldbesitzer häufig nicht bereit seien, ihre Flächen aus der forstlichen Nutzung zu nehmen“. Der Anteil des öffentlichen Waldbesitzes sei in einigen Bundesländern zu gering, als dass 10 Prozent der Flächen aus der Nutzung heraus genommen werden könnten. Dies sei nicht nur ein Angriff auf den Privatwald, der in diesem Papier vorgenommen werde, sondern auch auf die nachhaltige Forstwirtschaft, die sich per se am ökologischen Gleichgewicht der Wälder orientiere. „In Asien oder Afrika orientieren sich Ökologen und Forstwirtschaftler an unserem Nachhaltigkeitsprinzip, im Inland werden wir von der Umweltseite der Regierung ignoriert und angegriffen, weil wir nicht ins ideologische Raster passen“, kritisierte zu Guttenberg.

Dazu passe der Widerspruch, dass die Umweltpolitik auf der internationalen Bühne verkündet, die Landbesitzer mitzunehmen, während sie die Flächeninhaber im Inland ausgrenzt. „Damit überlässt das Bundesumweltministerium die Umsetzung ihrer Politik denjenigen, die weder die ökologische Verantwortung noch das finanzielle Risiko tragen müssen“, so der AGDW-Präsident. Immerhin bilde die Forstwirtschaft die Basis für rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze in der Wertschöpfungskette des Cluster Forst und Holz. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die propagierte Wildnis zur unmittelbaren Vernichtung von tausenden Arbeitsplätzen führt.“

Der Präsident verwies außerdem darauf, dass es laut der 3. Bundeswaldinventur bereits auf 5 Prozent der Waldfläche rund 93 Millionen ökologisch bedeutsame Bäume, 224 Millionen Kubikmeter Totholz und eine Vielzahl besonders geschützter Biotope gibt. Diese Fakten spielen beim BfN keine Rolle, ebenso wenig wie das Nachhaltigkeitsprinzip im Cluster Forst und Holz. Die „Fachinformation“ spare nicht mit Oberflächlichkeiten und lasse die Erfahrungen der nachhaltigen Forstwirtschaft konsequent außen vor. Zu Guttenberg: „Wer einen Wald bewirtschaftet, denkt auf lange Sicht, da er den Wald in einem guten Zustand an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Ohne Nachhaltigkeit keine Forstwirtschaft - und ohne Forstwirtschaft keine Nachhaltigkeit.“

Erstaunlich sei die Verweigerungshaltung der Umweltseite, die ökologischen Leistungen der nachhaltigen Forstwirtschaft anzuerkennen. Damit schaffe es die Umweltseite, die ökologischen und sozialen Konsequenzen ihrer von Einzelinteressen gesteuerten Politik zu ignorieren.

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