Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Am 28. September begrüßte FLL-Präsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens als Leiter des Bildungszentrums Gartenbau Essen ca. 60 Teilnehmer zur Fachtagung „Innenraumbegrünung“. Mit dieser Fachtagung wurde eine breite Informations- und Diskussionsplattform zu aktuellen Trends, Anwendungsmöglichkeiten, gesellschaftlichem Nutzen und aktuellen Forschungsprojekten bei Vertikalbegrünungen sowie Vegetations- und Lichttechnik in der Innenraumbegrünung angeboten.

Begrüßung der Teilnehmer durch FLL-Präsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens (Foto: FLL)

Trends zu Raumbegrünung, Gestaltung, Gefäßen, Pflanzen, Systemen, Finanzierung sowie zur Auftragsvergabe beschrieb zunächst Lutz-Peter Kremkau, Fachverband Raumbegrünung Hydrokultur (FVRH), Holle. Insbesondere ging er in seinem Vortrag auf „vertikales Grün“ ein, das auch eine gärtnerische Antwort auf eine häufige Raumknappheit in Gebäuden darstellt und daher ‚potenziell spannend‘ für Architekten sein sollte. Die Verwendung bewährter Pflanzen in neuer Form, die positiven Auswirkungen auf das Raumklima durch Erhöhung der Luftbefeuchtung sowie die für Unternehmen identitätsstiftende und das Prestige fördernde Wirkung machen diese Bauweise aktuell zu DEM Trend in der Innenraumbegrünung.

Grundlage für eine funktionsfähige Raumbegrünung ist u. a. eine standortgerechte Vegetationstechnik. Hierzu veranschaulichte Dr. Martin Upmeier, Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen (ggs), Dattenberg, die Wahl des richtigen Substrates in Verbindung mit dem richtigen Wassermanagement, z. B. bei Gefäß-und Vertikalbegrünungen. Diese und weitere Regelungen bilden sich auch alle in der FLL-Innenraumbegrünungsrichtlinie, Ausgabe 2011, ab.

Das Lebewesen „Pflanze“ benötigt als lebensnotwendiges Medium u. a. ausreichendes Licht und hier eine Lichtqualität, welche ein ausreichendes Angebot der photosynthetisch wirksamen Spektralbereiche sicherstellt. Wie aber gehen neue Lichttechnologien, wie z. B. LED, auf dieses elementare Bedürfnis der Pflanzen ein? Die Antwort auf diese Frage gab Holger Dinter, Fa. DH Licht, Wüfrath, indem er wichtige Merkmale und Unterschiede zwischen alter und vor allem neuer Lichttechnologie aufzeigte. Konkrete Planungsbeispiele zu einer „Grünen Wand“ und in einem Gartencenter veranlassten ihn u. a. zu dem Resümee, dass die LED zwar noch nicht in ausreichendem Maße die photosynthetischen Anforderungen bei der Pflanzenproduktion und in der Raumbegrünung erfüllt, aber die technische Entwicklung in dieser Richtung stark voranschreitet.

Hinsichtlich der Lichtqualität ging Prof. Dr. Karl-Heinz Strauch, Beuth Hochschule, Berlin, intensiv auf das Thema „Tageslicht“ ein. Die Begrünung von Räumen bedeutet immer, dass man Pflanzen das Tageslicht bzw. das Sonnenlicht entzieht. Das Licht der Sonne ist aber für die Photosynthese optimal. Daher muss es quasi als planerische Notwendigkeit und Pflicht begriffen werden, sich Gedanken über das vorhandene Tageslichtangebot in einem Gebäude zu machen, damit durch den Einsatz der richtigen Lichttechnik eine entsprechende Kompensation erfolgen kann. „Auf eine absehbar geringere Dauerhaftigkeit des Tageslichts (art- und standortbedingt) - auch für Teilbereiche – muss hingewiesen werden“, so eine Kernbotschaft von Prof. Strauch. Konkret gab er Entscheidungshilfen zur Kompensation und ging auf die Themen Datenerfassung, Datenanalyse, Standortvergleiche, Simulationen, Instrumente bei Lichtmessungen ein. Dabei ist es ein häufiges Problem, dass zwar gute Messtechnik auf dem Markt vorhanden ist, diese aber oftmals fehlerhaft bedient bzw. Messergebnisse nicht korrekt interpretiert werden bzw. interpretiert werden können.

Einen besonderen Anwendungsbereich von Innenraumbegrünung in einer forensischen Klinik stellte Rüdiger Eckardt, LWL-Maßregelvollzugsklinik, Herne, vor. Er informierte zunächst über die besonderen Standort- und Rahmenbedingungen in einer forensischen Klinik. Hier kann sich ein gartentherapeutisches Angebot im Innen- und Außenraum positiv auswirken. Das Thema soll in einem geplanten FLL-Fachbericht „Gartentherapie in der Psychiatrie und Forensik“ aufgegriffen werden.

Zum gesellschaftlichen Wert von Begrünungen im Allgemeinen und Raumbegrünungen im Speziellen präsentierte Martin G. Viehöfer, Sustainability Services, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf, einen aktuellen betriebswirtschaftlichen Ansatz, der von den Teilnehmern intensiv diskutiert wurde. Die Studie der KPMG aus den Niederlanden bestätigt das Potenzial für erste vorsichtige politisch relevante Schlussfolgerungen. Investitionen in Grün – innen wie außen – scheinen sich positiv auf die Gesundheit auszuwirken. Die Studie rät aber dazu, sich bei Investitionen in Grünflächen nicht nur von den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit leiten zu lassen bzw. Investitionen in die Gesundheit nicht nur von Grünflächen abhängig zu machen.

Dr. Annette Bucher, Institut für Gartenbau, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising, vermittelte den Teilnehmern der Fachtagung abschließend einen Einblick in ein Forschungsvorhaben, das im Rahmen der „Forschungsinitiative Zukunft Bau“ des Bundesministeriums für Umwelt, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) realisiert wurde. Neben dem Versuchsdesign und der Durchführung stellte sie die maßgebenden Ergebnisse des Forschungsvorhabens vor. Indem Frau Dr. Bucher den Einsatz von vertikalen Begrünungen im Büroraum als Maßnahme zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bzw. als Maßnahme zur Verbesserung des Raumklimas unterstrich, bestätigte sie aus Sicht aktueller Forschung das eingangs von Herrn Kremkau getroffene Statement zu vertikalen Begrünungen. Das Forschungsvorhaben wird demnächst in einem FLL-Forschungsbericht veröffentlicht.

In den Diskussionen nach den Vorträgen und auch in der Schlussdiskussion spiegelte sich die fachliche Bedeutung der Fachtagung und die hohe Zufriedenheit bei allen Teilnehmern – sowohl über das Programm als auch über die Gelegenheit zum fachlichen Austausch sowie über die Organisation seitens des Bildungszentrums Gartenbau Essen.

Die FLL wird die in der Fachtagung vermittelten Hinweise und Anregungen bei der derzeitigen Überarbeitung der FLL-Innenraumbegrünungsrichtlinie berücksichtigen.

 

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