Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Zehn Stunden hat die Jury im Deutschen Gartenbaumuseum getagt, um 19 Uhr war es gestern Abend soweit: Der Juryvorsitzende Dr. Claus Worschech öffnete den Umschlag mit dem Name des Siegers beim Wettbewerb um die ‚Danakil Klimazonenwelt‘.

Siegerentwurf für die „Danakil Klimazonenwelt“

Henchion Reuter Architekten aus Berlin (Fotos: BUGA)

Dieses mehrteilige Gebäudeensemble soll zur BUGA Erfurt 2021 der neue Mittelpunkt des egaparks sein, und Thüringens größter Garten ist wiederum einer von drei Standorten für die Bundesgartenschau 2021. BUGA-Chefin Kathrin Weiß: „Das Danakil Klimazonenhaus soll aber nicht nur für den Zeitraum der BUGA errichtet werden, es bleibt allen Erfurtern und unseren Gästen im egapark auch nach dem Großereignis in gleicher Form erhalten.“ Der Gebäudekomplex entsteht im Mittelpunkt des egaparks, am Standpunkt der ehemaligen Zentralgaststätte. Auf einer Fläche von 5300 m² sollen ein 3300 m² großes Wüsten- und ein Urwaldhaus sowie ein 2000 m² umfassender Wintergarten entstehen. „Für die Besucher wird so das Erlebnis zweier Klimazonen unter einem Dach ganz nah erlebbar“, beschreibt Kathrin Weiß das Vorhaben.

Ab voraussichtlich 2017 sollen die Bauarbeiten beginnen. „Wir rechnen mit der Fertigstellung pünktlich zum BUGA Start“, sagt die BUGA-Chefin. Was das Ensemble letztendlich kosten wird, ist abhängig von der genauen Umsetzung des ‚Danakil Klimazonenhauses‘, die Planungen dafür beginnen nach den Verhandlungen mit dem Preisträger. Kathrin Weiß: „Nach ersten Schätzungen gehen wir von 16 Millionen Euro aus, die genaue Summe kann sowohl leicht darunter, als auch leicht darüber liegen. Wichtig für uns ist, dass wir mehrere Vorkehrungen getroffen haben, damit die Summe nicht überschritten wird.“

Sechs Bewerber/Bewerbergemeinschaften, bestehend aus Planungsteams von Architekten, Land-schaftsplanern, Szenographen, u.a. waren am Start. Die Teilnehmer des Wettbewerbes kamen aus Berlin, Stuttgart, Zürich, London, Madrid, München und begannen im September 2015 mit den Arbeiten an ihren Entwürfen. Im Gartenbaumuseum tagte am Donnerstag die Jury mit Vertretern verschiedener Bereiche: Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Szenographen technischen Sachverständigen, Stadträten und egapark-Freunde. Die Aufgabe der elfköpfigen Jury: „Aus den eingereichten Arbeiten mussten die drei Projekte gefunden werden, die sich am besten in die Gesamtanlage einordnen unter besonderer Berücksichtigung des historischen Geländes und den modernen Besucheransprüchen an Information und Unterhaltung gerecht werden“, sagt Kathrin Weiß.

Kathrin Weiß: „Die Auswahl fiel uns sichtlich schwer. Jedes Projekt hatte seine Stärken, sein eigenes Gesicht. Am Ende gewann der Entwurf von Henchion Reuter Architekten aus Berlin. Baudezernent Alexander Hilge, Mitglied der Jury: „Der Siegerentwurf wirkt sehr ästhetisch und belebt das verlorene Herz des egaparks wieder.“

Peter Zaiß, Chef der Stadtwerke Erfurt Gruppe: „Wir freuen uns, dass uns die Stadt das Vertrauen geschenkt hat, die Bundesgartenschau auszurichten. Wir investieren viel, um dadurch Erfurt noch lebens- und liebenswerter zu machen. Das Danakil-Projekt auf dem Gelände unserer Stadtwerke-Tochter egapark ist ein Meilenstein für die BUGA 2021. Ich bin mir sicher, dass die Erfurter und ihre Gäste das Klimazonenhaus begeistert nutzen werden. Danakil macht Thüringens schönsten Garten noch attraktiver als er jetzt schon ist.“

Vorsitzender Dr. Claus Worschech begründete die Entscheidung der Jury: „Insgesamt handelt es sich um einen realisierbaren, der Situation und Bedeutung des Ortes angemessenen entwurflichen Beitrag, der sich harmonisch und verträglich in die historisch gewachsene Gesamtanlage als neues Kapitel der Baugeschichte dieses Ortes einfügen wird. Insbesondere das Ausstellungskonzept weist hervorragende Konzepte auf und verspricht, die geforderte Attraktivitätssteigerung des egaparks erreichen zu können.“

Hintergrund:

Mit nahezu 500.000 Besuchern jährlich ist der egapark eine der beliebtesten Freizeiteinrichtungen in Thüringen. Zur Bundesgartenschau 2021 ist der 36 Hektar große Gartenpark das Kernstück der Ausstellungsflächen. Im Zentrum der Stadtwerke-Tochter egapark, am Standort der ehemaligen Zentralgaststätte und der heutigen Pflanzenschauhäuser, soll ein zusammenhängendes, neues Gebäudeensemble aus den Teilen Wüstenhaus, Urwaldhaus und Wintergarten entstehen. Damit erhält der egapark wieder einen funktionellen Mittelpunkt, der die Erlebnisbereiche im oberen Geländeareal mit den Schaugärten im unteren Teil verbindet. In den Pflanzenschauhäusern werden bereits jetzt exotische Pflanzen und Tiere aus verschiedenen Vegetationszonen präsentiert. Dieses Angebot soll nun weiter ausgebaut werden. Mit dem Zusammenspiel von innovativer Architektur sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsangeboten kann der Bekanntheitsgrad des egapark über die Landesgrenzen hinaus gesteigert werden. Dies macht es möglich, neue Besuchergruppen für den egapark zu interessieren.

Die Idee der Danakil Klimazonenwelt im egapark wurde bereits 2013 erstmals als mögliches Vorhaben für die Bundesgartenschau 2021 vorgestellt. In der anschließenden öffentlichen Diskussion wünschten sich die egapark-Besucher, dass bei der Neugestaltung die bekannte ehemalige Rendezvous-Brücke als Gestaltungselement aufgegriffen und zeitgemäß für den Neubau interpretiert wird.

Wettbewerb

Die Bekanntmachung des nichtoffenen interdisziplinären Wettbewerbs zum Vorhaben Danakil wurde am 25. Juli 2015 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Ziel war es, zur Projektidee Danakil innovative Entwürfe zu erhalten und einen Generalplaner für die Planungsleistungen in den Fachbereichen Objektplanung Gebäude und Innenräume, Freianlagen, Szenografie, Tragwerksplanung sowie Technische Ausrüstung zu ermitteln. Neun Bürogemeinschaften/ Bietergemeinschaften beteiligten sich. Betreut wurde der Wettbewerb vom Büro Schubert + Horst. Im Ergebnis der formalen und inhaltlichen Prüfung wurden durch ein Gremium am 04.09.2015 sechs Bürogemeinschaften/ Bietergemeinschaften ausgewählt, die alle Wettbewerbsanforderungen erfüllen.

Für alle Bewerber wurde am 14.10.2015 im egapark ein Rückfragekolloquium durchgeführt. Ein Rundgang durch den egapark und zum vorgesehenen Standort der Danakil Klimazonenwelt bildete eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung der Entwürfe und Wettbewerbsmodelle.

Finanzierung

Für die notwendige Investition sollen Fördermittel beantragt werden. Eine formlose Fördervoranfrage wurde am 30.08.2013 auf der Grundlage der Konzeptidee bei der Thüringer Aufbaubank gestellt, dort wurde das Antragsverfahren 2014 eröffnet. Mit der Auslobung des interdisziplinären Wettbewerbs nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe wurde eine Voraussetzung für die Beantragung von Zuwendungen aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)“ geschaffen.

Den Abschluss des Wettbewerbsverfahrens bildet das Verhandlungsgespräch mit den Wettbewerbssiegern Anfang März 2016. Anschließend kann nach vertiefender Planung der Fördermittelantrag für die „DANAKIL-Klimazonenwelt“, voraussichtlich nach dem ersten Halbjahr 2016, gestellt werden.

 

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