Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Moderne Pflanzenschutztechnik nutzen

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Mit der heute verfügbaren modernen Pflanzenschutztechnik können die Landwirte die aktuellen Herausforderungen zum Schutz von Umwelt, Anwender und Produkt bestehen, so der Tenor der 15. Fachtagung „LAND.TECHNIK FÜR PROFIS“ der Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik im VDI (VDI-MEG) und der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) am 17. und 18. Februar 2016.

An der Podiumsdiskussion nahmen teil (v.l.n.r.): Jorgen Audenaert (John Deere), Stefan Kiefer (Amazonen-Werke), Philipp Kamps (Lemken), Theodor Leeb (Horsch), Dr. Heinz-Gerd Wegkamp (BASF), Steffen Graef (Agrotop), Dr. Bernd Göbel (Teejet) und Moderator Roland Hörner (DLG-Fachzentrum Landwirtschaft).

Mit rund 270 Teilnehmern war die Fachtagung ausgebucht. (Fotos: DLG)

Rund 270 Experten aus Wissenschaft, Industrie, Beratung und Praxis gingen im Hause des Landmaschinenherstellers LEMKEN in Alpen (Niederrhein) auf die aktuellen Anforderungen im Pflanzenschutz sowie auf neueste Entwicklungen bei der Geräte- und Applikationstechnik ein. Ein Themenspektrum, das derzeit im Fokus vieler Ackerbaubetriebe steht, wie der VDI-MEG-Vorsitzende Prof. Dr. Peter Pickel und DLG-Vorstandsmitglied Hubertus Paetow in ihren Eröffnungsansprachen betonten. Der Schutz von Umwelt, Anwender und Produkt bis hin zum Verbraucher habe im modernen Pflanzenschutz heute den gleichen Stellenwert wie die Wirksamkeit der Mittel.

Neueste Trends im Bereich der Pflanzenschutztechnik werden nicht mehr nur durch die Innovationskraft der Landmaschinenhersteller bestimmt, sondern in zunehmendem Maße von der Öffentlichkeit bzw. auch von den Zulassungsbehörden von Pflanzenschutzmitteln. Beim modernen Pflanzenschutz muss es daher darum gehen, die verwendeten Wirkstoffe in der richtigen Menge genau an den richtigen Ort zu bringen und so eine maximale Effizienz zu erreichen. Gleichzeitig gilt es, die Umwelt möglichst wenig zu belasten. Die Tagung hat deutlich gezeigt, dass dies mit der heute vorhandenen Technik machbar ist. Die mit immer ausgefeilteren Lösungen ausgestatteten Geräte sind in der Lage, Restmengen zu vermeiden, Verunreinigungen in den Behältern zu beseitigen, dem Anwenderschutz Rechnung zu tragen, Abdrift zu minimieren und einzelne Teilbreiten, oder sogar einzelne Düsen, an genau der richtigen Stelle automatisch an- und auszuschalten.

Elektronik: Auf Bedienerfreundlichkeit achten

Über alle Spritzsysteme hinweg sind heute die elektronischen Hilfsmittel ein wichtiger Faktor. Gleichwohl hat die Diskussion gezeigt, dass die Landwirte bei aller elektronischen Unterstützung und der Vielzahl an einzelnen Modulen neben der Bedienerfreundlichkeit auch eine zuverlässige und weitgehend ausfallsichere Technik einfordern. Gleichzeitig fordern sie Hersteller übergreifende, offene Lösungen, die ein intuitives Entscheidungsunterstützungssystem zur zielorientierten, termingerechten und präzisen Applikation von Pflanzenschutzmitteln umsetzen.

Moderne Verfahren müssen bei allen Landwirten ankommen

Moderne Pflanzenschutztechnik muss bei allen Landwirten ankommen, ansonsten treffen die positiven Effekte des technischen Fortschritts nur verzögert ein und helfen deshalb nicht unmittelbar in der öffentlichen Diskussion. Als Beispiel sind hier die punktförmigen Einträge von Pflanzenschutzmitteln in Gewässer bei der Gerätereinigung genannt. Diese sind bei entsprechender Ausstattung der Geräte und entsprechender Handhabung in der Praxis meist viel einfacher zu vermeiden als andere Eintragspfade. Und trotzdem gelangt ein Großteil der heute nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelrückstände auf eben diesem Weg, zum Beispiel über die Hofplatzentwässerung, in die Umwelt.

Wie auf der Tagung weiter gezeigt wurde, gibt es für flüssige Pflanzenschutzmittel geschlossene kontaminationssichere Befüllsysteme, die über entsprechende Adapter nahezu alle Pflanzenschutzmittel-Gebindegrößen bedienen. Die Bedienung kann dabei zum Beispiel über elektronische Durchflussmesser oder integrierte Messzylinder deutlich vereinfacht werden. Neben den positiven Umweltaspekten werden hierbei durch den Verzicht der Nutzung einer Einspülschleuse auch potenzielle Spritzschäden in Nachfolgekulturen minimiert bis ausgeschlossen, da die Reinigung deutlich vereinfacht ist.

Welche Düse passt zu welchem Produkt?

Eine möglichst gleichmäßige Anlagerung und Belagsbildung eines Pflanzenschutzmittels an der Zielfläche entscheidet über den Erfolg der Anwendung. Im Bereich Abdrift reduzierter Düsen bieten so gut wie alle Hersteller Düsentypen an, die sowohl im Bereich der kompakten Injektordüsen wie auch bei den langen Injektordüsen anzusiedeln sind. Aufpassen sollten die Landwirte jedoch auch auf die biologische Wirkung. Dies ist vor allem auch zu beachten, wenn man an die immer stärker reduzierten Wassermengen oder die steigenden Fahrgeschwindigkeiten denkt. Hauptziel sollte sein, die Anwendungsqualität durch eine ausreichende Benetzung und bei Bedarf mit einer ausreichenden Bestandsdurchdringung abzusichern. Ob es nun die „klassische“ Flachstrahl- oder Doppelflachstrahl-Injektordüse sein soll, bleibt dem Einsatzbereich und den äußeren Bedingungen geschuldet. Aus heutiger Sicht gibt es für den Landwirt eigentlich nur den Griff zur Injektordüse, die die biologische Wirksamkeit und damit einen guten Ertrag sichert, aber auch gleichzeitig die Lösung für die meisten umweltrelevanten Auflagen darstellt.

Auf der Fachtagung wurden weitere, wichtige Themen behandelt. So ging es unter anderem um gesetzliche Anforderungen im Pflanzenschutz, um die Gestängeführung und deren Wirkung auf die Verteilgenauigkeit, um die Frage Selbstfahrer versus gezogene Spritze, um die Zufuhrlogistik auf dem Betrieb sowie um betriebs- und arbeitswirtschaftliche Verfahrensvergleiche.

Interessenten können den Tagungsband zur 15. Fachtagung „LAND.TECHNIK FÜR PROFIS“ zum Preis von 15 € erwerben: Tel: 069/24788-310 oder E-Mail: c.braungardt(at)dlg.org.