Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Gestern startete das Projekt Wilde Mulde. Sein Ziel ist es, den Fluss an seinem Unterlauf bei Dessau-Rosslau (Sachsen-Anhalt) zu revitalisieren und diesen Prozess wissenschaftlich zu begleiten. Das fachübergreifende Verbundprojekt wird mit 4,6 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium und das Bundesforschungsministerium gefördert. Das Bundesamt für Naturschutz begleitet das Projekt fachlich.

Mulde Totholz und Biberspuren (Foto: Georg Rast WWF)

Natürliche Flusslandschaften spielen für die Artenvielfalt und die Vernetzung verschiedener Lebensräume eine bedeutende Rolle. Doch die meisten Flüsse in Deutschland sind in ihrer natürlichen Dynamik aufgrund von Verbauungen und Uferbefestigungen deutlich eingeschränkt. Fluss- und Auentypische Lebensräume wie offene Kiesbänke und Prallufer sowie Weich- und Hartholzauen nehmen dadurch vielerorts ab und sind bundesweit gefährdet.

Im Zentrum des Projekts "Wilde Mulde - Revitalisierung einer Wildflusslandschaft in Mitteldeutschland" steht die Förderung der natürlichen Dynamik im Flussbett. Durch den Einbau von Totholz und die Wiederherstellung von Naturufern werden Erosions- und Ablagerungsprozesse angeregt. Die Mulde kann sich an diesen Stellen wieder frei entwickeln. Es entsteht ein Mosaik naturnaher Strukturen, die vielen Arten einen neuen Lebensraum bieten. Die Hochwasserneutralität der Maßnahmen wird bereits im Planungsstadium durch umfangreiche Modellrechnungen nachgewiesen. Die Maßnahmen werden nur durchgeführt, wenn der Hochwasserschutz für die Anwohner gewährleistet bleibt. Das Projekt wird die Veränderungsprozesse in der Mulde und ihren Auen durch die Dokumentation der zeitlichen Entwicklung - wie durch Bild- und Filmaufnahmen - sichtbar und erlebbar machen. Über regelmäßige Exkursionen, Vorträge, jährlich stattfindende Muldeflusstage und weitere Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung vor Ort in das Projekt einbezogen.

Teil des Projekts ist eine umfassende ökosystembezogene und disziplinübergreifende Forschung zu Hydraulik, Hydromorphologie, Stoffhaushalt und Biodiversität. Das Forscherteam widmet sich unter anderem der Frage nach den Auswirkungen der Maßnahmen auf die Diversität und Zusammensetzung von Artengemeinschaften im aquatischen, semiterrestrischen und terrestrischen Bereich. Konkret untersucht wird beispielsweise, wie sich die Populationen der Laufkäfer und der beiden Fließgewässerlibellenarten Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) und Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes) entwickeln. Die Wissenschaftler befassen sich aber auch mit der übergreifenden Frage, wie die Revitalisierung in Bezug auf die Schutzziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und Wasserrahmenrichtlinie zu bewerten ist.

Das Projekt "Wilde Mulde" läuft bis Ende 2020. Es wird vom WWF Deutschland getragen und koordiniert, Forschungspartner sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die Technische Universität Braunschweig, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, die Universität Leipzig und die Leibniz-Universität Hannover.

Hintergrund zum Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Information und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

Die Förderinitiative F&U-NBS

Möglich wird das Projekt "Wilde Mulde - Revitalisierung einer Wildflusslandschaft in Mitteldeutschland" durch die gemeinsame Förderinitiative "Forschung zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (F&U-NBS)" von Bundesforschungsministerium (BMBF) und Bundesumweltministerium (BMUB). Im Rahmen der Förderinitiative werden Projekte finanziert, die anwendungsorientierte Strategien und beispielhafte Maßnahmenkonzepte zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln.

Strategisches Ziel der beiden Bundesministerien ist es, Forschung und Umsetzung in lösungsorientierten Verbundprojekten eng miteinander zu verzahnen. Das BMBF finanziert aus Mitteln des Forschungsrahmenprogramms "Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA)" hierbei Teilprojekte, in denen die Forschungsfragen des Projektes bearbeitet werden, und das Bundesamt für Naturschutz fördert mit Mitteln des BMUB aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt Teilprojekte, die sich den Umsetzungsmaßnahmen widmen. Neben dem Wilde-Mulde-Projekt werden über die F&U-NBS-Förderinitiative weitere Verbundprojekte zum Schutz der biologischen Vielfalt gefördert. Die Themen der Projekte sind so vielfältig wie die Ziele der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt.

Das Gesamtfinanzvolumen des Projektes "Wilde Mulde" liegt bei rund 5,1 Millionen Euro. Die Bundesmittelfördersumme von BMUB und BMBF beträgt 4,6 Millionen Euro.

 

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