Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Beet-und Balkonpflanzentag 2016 stand unter dem Motto: Die Pflanzenflüsterer - Pflanzen ein Gesicht geben. Ca. 400 Fachbesucher folgten der Einladung zu den Vorträgen und der Firmenausstellung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).

Beet-und Balkonpflanzentag 2016 (Foto: LWG Bayern)

Querbeet-Moderatorin Sabrina Nitsche

Durch die Veranstaltung führte Sabrina Nitsche, Moderatorin der Gartensendung 'Querbeet' im Bayerischen Fernsehen. Dr. Hermann Kolesch, Präsident der LWG, eröffnete den Tag mit dem Hinweis, dass der Gartenbau die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen sei, noch vor dem Fußball. Gartenbau sei ein absoluter Sympathieträger, schaffe Lebenswelten und Räume, die begeistern, ja ein Garten könne sogar heilen. „Geben Sie Ihren Pflanzen und Betrieben ein persönliches Gesicht um sich von Mitbewerbern abzusetzen“, ermunterte er das Fach-Publikum.

Erster Schritt: Pflanzsubstrate mit reduziertem Torfanteil

"Jede Pflanze hat einen Wert an sich! Unsere Produkte dürfen nicht wie Wegwerfartikel behandelt werden", betonte Roland Albert, Präsident des Bayerischen Gärtnereiverbandes. Zur aktuellen Diskussion über torffreie Substrate erläuterte er, dass eine gänzlich torffreie Produktion derzeit bei vielen Kulturen noch nicht funktioniere. Als ersten Schritt empfahl er Substrate mit einem reduzierten Torfanteil.

Züchtung: Vielfalt schaffen, Einzigartigkeit finden

Dr. Martin Geibel, Leiter der Züchtungsabteilung der Firma Elsner pac in Dresden erläuterte wie moderne Pflanzenzüchtung funktioniert, nach dem Motto: "Züchtung ist ganz einfach: Vielfalt schaffen, Einzigartigkeit finden". So benötigt eine neue Pelargonien-Sorte fünf Jahre von der Auswahl der Elternsorten bis zum Verkauf. Die Anzahl der Kreuzungsprodukte wird dabei in mehreren Selektionsschritten immer weiter reduziert. Um schließlich die einzigartige neue Sorte zu finden, braucht es viel Erfahrung und vor allem ein gutes Auge, aber auch Marktkenntnis, so Geibel.

Große Vielfalt an Neuzüchtungen

Eva-Maria Geiger, Leiterin des Sachgebietes Zierpflanzenbau an der LWG, stellte die Ergebnisse der Kulturversuche bei Beet- und Balkonpflanzen an der LWG vor. 2016 stand die Anzucht mit unterschiedlichen Temperaturstrategien und die Produktion in torffreiem Substrat im Fokus der Untersuchungen. Auf das torffreie Substrat reagierten die einzelnen Arten und Sorten durchaus unterschiedlich. Während schwach wachsende Sorten kaum Zuwachs hatten, erbrachten die stark wachsenden Sorten bessere Qualitäten. Außerdem benötigten sie weniger Hemmstoffe als bei einer Anzucht in torfhaltigem Substrat. Die große Vielfalt der Neuzüchtungen wurde deutlich, als das Team vom Zierpflanzenbau die Lieblingssorten präsentierte, die jeder Mitarbeiter aus über 800 Neuheiten ausgewählt hatte.

Beet- und Balkonpflanzen bieten Bienen Nahrung und Schutz

Über die Bedeutung, die Beet-und Balkonpflanzen für Bienen und Wildbienen haben können, informierte Dr. Ingrid Illies vom Fachzentrum Bienen an der LWG. Je nach Art und Sorte liefern die Blüten mehr oder weniger Nektar und Pollen oder dienen als Übernachtungsquartier für Wildbienen. 2015 untersuchte die LWG den Blütenbesuch von Bienen und Wildbienen an 200 Beet- und Balkonpflanzen. Besonders gut beflogen wurden Sorten von Lobelia erinus, Bidens, Salvia-Arten und Coreopsis. Dabei zeigten sich oft große Sortenunterschiede innerhalb der Arten. 2016 wird bei 70 verschiedenen Bidens-Sorten die Attraktivität für Bienen und Wildbienen untersucht.

Gartenbau-Unternehmen optimieren

Thomas Viehweg, Geschäftsleiter der Gärtnerei Viehweg, schilderte eindrucksvoll den Weg seines Gartenbauunternehmens. Nach Jahren der Expansion folgte eine existenzbedrohende Krise, ausgelöst unter anderem durch Marktveränderungen und neuen Anforderungen an die Produzenten, zum Beispiel Zertifizierung oder den Mindestlohn. In dieser Situation hatte Thomas Viehweg den Mut sich Hilfe von außen zu suchen. Externe Berater unterstützten ihn dabei das ganze Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen und Schritt für Schritt zu optimieren, von den Kulturverfahren bis hin zur innerbetrieblichen Organisation. Das Ergebnis erläuterte Herr Viehweg mit vielen Beispielen.

Bio-Zierpflanzen – Düngung mit Schafwollpellets und Traubentrester

Erwin Seidemann, Inhaber einer Bio-Gärtnerei in Tirol, gab viele praktische Anregungen wie man Bio-Zierpflanzen in sehr guter Qualität produzieren kann. Besonderen Wert legt Seidemann auf die Ernährung der Kulturen. Er verwendet zum Beispiel Schafwollpellets und Traubentrester als Dünger und setzt effektive Mikroorganismen und Pflanzenextrakte ein. Den Schädlingen rückt er mit Pflanzentees unter anderem aus Schachtelhalm, Knoblauch, Wermut oder Farnkraut zu Leibe. Auch für die Zukunft hat er sich noch viel vorgenommen: zum Beispiel den Ausbau der "Arbeitsgemeinschaft Nachhaltiger Gartenbau in Österreich" und Versuche über die Wirkung von Komposttee.

Der Mainstar 2016 geht an Dahlia-Hybride 'Dahlegria Red-Pink Bicolour'
Am Nachmittag präsentierten 51 Jungpflanzenfirmen und andere Firmen der Grünen Branche ihre Neuheiten. Zum Favoriten des Fachpublikums wurde die Dahlia-Hybride 'Dahlegria Red-Pink Bicolour' der Firma Florensis gekürt und mit dem "Mainstar" ausgezeichnet.

 

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