Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Aerobic, Bootcamp, Lishi-Thai Chi, Pilates, Qi Gong, … Walken, Yoga, Zumba: das Angebot an Outdoor-Sportarten reicht von A bis Z und wird immer vielfältiger. Anbieter sind oft die Städte selbst bzw. durch sie beauftragte Trainer. Auch Bewegungsangebote speziell für ältere Menschen finden sich immer häufiger auf den Websites von Kommunen bzw. in den amtlichen Mitteilungsblättern.

Verschiedene demographische und gesellschaftliche Prozesse verändern die Anforderungen von Bürgerinnen und Bürgern an den öffentlichen Raum. (Foto: BdB)

Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. begrüßt diese Entwicklung sehr: „Je mehr die Parks genutzt werden und je mehr Menschen dort aktiv sind, umso besser ist es für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft – Parks sind eben nicht nur Orte für Erholung und Entspannung, sondern auch für Aktivität und Naturerfahrung, sozialen Austausch und Integration. Allerdings hat dies Konsequenzen für die jeweilige Kommune, denn die intensive Nutzung des öffentlichen Grüns führt zu höheren Anforderungen an Gestaltung und Pflege.“

Draußen ist besser

Bessere Luft, mehr Licht, abwechslungsreichere Kulisse: Unter freiem Himmel ist der Sport oft schöner und außerdem gesünder als drinnen. Wer sich draußen bewegt, kennt das belebende Gefühl der frischen Luft, den Geruch von gemähtem Gras oder den Duft des feuchten Waldbodens. Auch die Wirkung des Lichts hat Vorteile für die Sportler, denn es wirkt sich positiv auf Körper und Psyche aus: Die UV-Strahlen auf der Haut bewirken die Bildung von Vitamin D, das den Kalziumhaushalt im Blut reguliert und für die Knochenbildung unverzichtbar ist. Sonnenlicht fördert außerdem die Bildung des Hormons Serotonin, das den Körper aktiviert und die Stimmung hebt. Das Magazin „Fit for Fun“ stellt im Vergleich von Drinnen- und Draußen-Sport fest: „Wer im Freien joggt, verbrennt mehr Energie als bei einem vergleichbaren Workout in geschlossenen Räumen. Der Luftwiderstand allein macht das Laufen um zwei bis zehn Prozent anstrengender.

Hinzu kommen die Herausforderungen durch das Terrain, zum Beispiel Steigungen und Gefälle sowie unterschiedliche Untergründe.“ Auf Gartenschauen werden deshalb immer auch Sportanlagen eingeplant. So wurde beispielsweise im Rahmen der Internationalen Gartenschau igs 2013 in Hamburg in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund die stadtweite Kampagne „ParkSport - besser draußen“ initiiert. Dahinter stand der Anspruch, Sport und Bewegung in der Stadt und ihren Grünräumen neu zu erfinden und neben dem Individualsport auch die Angebote von Sportvereinen zu integrieren. Seit dem Ende der Gartenschau werden die Spiel- und Sportflächen weiter genutzt unter Koordination durch die ParkSportInsel Wilhelmsburg. Auch für die kommende Internationale Gartenausstellung in Berlin 2017 ist „Draußen Bewegen“ fester Bestandteil der Planung (siehe Link).

Vielfältige Nutzergruppen

Verschiedene demographische und gesellschaftliche Prozesse verändern die Anforderungen von Bürgerinnen und Bürgern an den öffentlichen Raum. Dazu gehören zum Beispiel eine älter und bunter werdende Gesellschaft, entsprechend veränderte Freizeitgewohnheiten, eine zunehmend ortsunabhängige Arbeitswelt. „Moderne Parks sind Freiräume für alle Bevölkerungsgruppen: Spielplätze bieten Bewegung für Kinder, Grillplätze für junge Leute und Familien. Auch Senioren finden ihre schattige Sitzbank nach kurzweiligem Spaziergang unter Bäumen. Und neue Nutzergruppen, wie Slackliner und Park-Gymnasten erobern wie selbstverständlich die Parkanlagen“, fasst Markus Guhl, Vorstandsmitglied der Stiftung DIE GRÜNE STADT, zusammen. „Nicht ungewöhnlich, dass in Parks nebeneinander ein Fitnesskurs für Senioren und eine Krabbelgruppe mit jungen Müttern aktiv sind.“

Beunruhigend ist allerdings die mangelnde Bewegungsfreude bei Kindern und Jugendlichen. Die Kommission für Kinder- und Jugendsport der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) beklagt, dass die körperliche Leistungsfähigkeit der jungen Generation stetig nachlässt, während der Schulstress steigt und außerdem Übergewicht und Rückenprobleme zunehmen. Als Grund wird angegeben, dass sie immer mehr Zeit vor dem PC oder Fernseher verbringen. Computerspiele ersetzen das Spiel draußen in der Natur. Dies ist umso problematischer, da Ausdauer und Koordinationskraft die Basis für die Bewältigung des Alltags und letztlich für Autonomie und Mobilität im Alter sind. BdB-Präsident Selders: „Wir empfehlen Städten und Gemeinden, ihre Freiräume und Grünflächen kreativ zu gestalten und dabei Angebote für verschiedenste Nutzungen vorzusehen. Dazu gehören auch Ruhezonen und Naturerfahrungsräume.“

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