Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Was kann die Landwirtschaft tun, um die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erhalten und zu fördern? Antworten auf diese Frage soll ein neues Forschungsprojekt liefern, das die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und der Deutsche Bauernverband gemeinsam durchführen.

Der Name des Projekts "F.R.A.N.Z." steht: Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft. Das Projekt geht aus einer Initiative der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz, des Deutschen Bauernverbandes, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowie des Bundesumweltministeriums hervor. (Fotos: BMUB/Thomas Trutschel)

An der Vorstellung nahmen Joachim Ruckwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Michael Otto, Vorsitzender des Kuratoriums der Michael-Otto-Stiftung für Umweltschutz, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sowie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (V. l. n. r.) teil.

Unter dem Projektnamen F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) werden in zehn landwirtschaftlichen Demonstrationsbetrieben in Deutschland effiziente Naturschutzmaßnahmen umgesetzt. Die Maßnahmen sollen die Artenvielfalt auch auf intensiv bewirtschafteten Feldern, Wiesen und Weiden erhalten und verbessern. Das Projekt wird sowohl vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als auch vom Bundesumweltministerium gefördert und begleitet.

Die weltweit wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten auf der einen und die Bewahrung der Artenvielfalt auf der anderen Seite führen häufig zu Zielkonflikten. Um die Biodiversität zu erhalten und zu fördern, braucht es daher effiziente Naturschutzmaßnahmen, die auch in intensiv bewirtschafteten Agrarräumen realisierbar sind. Das Projekt F.R.A.N.Z. setzt hier an und entwickelt und erprobt praxistaugliche sowie wirtschaftlich tragfähige Maßnahmen. Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz ist hierbei essentiell. "Die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz hat F.R.A.N.Z. initiiert, um den Dialog und die enge Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz zu fördern und einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Agrarbiodiversitätsziele in Deutschland und Europa zu leisten", betonte der Stifter und Unternehmer Dr. Michael Otto bei der Vorstellung des Projektes in Berlin.

Im Mittelpunkt des Projektes stehen zehn bundesweit verteilte Demonstrationsbetriebe, die zielgerichtete Maßnahmen zum Erhalt und zur Steigerung der Biodiversität umsetzen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, sieht die Stärke des Projektes in der engen Einbindung der Landwirtschaft: "Die Förderung der biologischen Vielfalt kann nur gelingen, wenn die Landwirte als Partner eingebunden werden. Durch das bundesweite Netzwerk der Demonstrationsbetriebe können die erarbeiteten praxistauglichen und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen auf Betriebe in ganz Deutschland übertragen werden. Ich erwarte auch, dass die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Naturschutz intensiviert wird."

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und Bundesumweltministerin Dr. Hendricks haben die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: "Wir fördern mit diesem Projekt die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz sowie von Wissenschaft und Praxis, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: Den Erhalt der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft durch eine moderne, wettbewerbsfähige und nachhaltige Landwirtschaft. Ich danke der Landwirtschaftlichen Rentenbank für die Übernahme des Löwenanteils der Kosten an F.R.A.N.Z."

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks: "Ohne grundlegende Änderungen in der Landwirtschaft werden wir die biologische Vielfalt unserer Heimat nicht erhalten können. Der Handlungsbedarf ist da am größten, wo die Landwirtschaft am intensivsten ist. Darum ist es gut, wenn Naturschützer und Landwirte jetzt gemeinsam nach Lösungen suchen."

Bereits vorhandenes, theoretisches Wissen soll im Rahmen des Verbundprojektes in einem partizipativen Ansatz zusammen mit den Landwirten und Betriebsbetreuern erprobt und den Betriebsstrukturen angepasst werden. Das Thünen-Institut für Biodiversität, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU als Vertreter der ökologischen Begleitforschung untersuchen die Populationsentwicklung verschiedener Tier- und Pflanzenarten (Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Amphibien, Feldhasen und Pflanzen), ebenso wie die Auswirkungen auf die Bestäubung und die bodenbiologische Aktivität. Die Thünen-Institute für Ländliche Räume und Betriebswirtschaft begleiten das Projekt aus sozioökonomischer Sicht. Hierzu zählt neben der Entwicklung wirtschaftlich überzeugender Konzepte auch die Identifizierung von Hemmnissen im Agrar- und Umweltrecht, welche die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben bisher verhindern. Die Ergebnisse aus der Maßnahmenumsetzung sollen auch dazu dienen, die bestehenden ordnungs- und förderrechtlichen Instrumente weiterzuentwickeln und Impulse für die künftige Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) und der Agrarumweltprogramme der Bundesländer zu liefern.

Als Demonstrationsprojekt, das Wirtschaftlichkeit, Praxistauglichkeit und Naturschutz vereint und somit bundesweite Signal- und Vorbildfunktion hat, stehen dem Projekt F.R.A.N.Z. knapp 3,7 Millionen Euro für die erste Projektphase bis Ende 2019 zur Verfügung. F.R.A.N.Z. ist in mehreren Phasen auf insgesamt zehn Jahre angelegt. Die Förderung des Projekts erfolgt mit Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank, mit besonderer Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Ziel ist es, belastbare wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen und die Übertragung auf andere landwirtschaftliche Betriebe und die hierfür erforderlichen Änderungen agrar- und umweltpolitischer Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

 

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