Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Vor Gebäuden - Banken, Büros und anderen Geschäftshäusern ebenso wie vor Eigenheimen - sieht man immer öfter eine Gartenform, die sich dadurch auszeichnet, dass sie das ganze Jahr über gleich aussieht. Statt Vegetation und abwechslungsreicher Gestaltung zeigen sich vor allem Steine - als Kies- oder Schotterbelag - gelegentlich „aufgelockert“ mit Findlingen als „Blickfänge“. Hin und wieder finden sich in solchen Vorgärten auch vereinzelt Pflanzen – Gräser oder Koniferen – die in der steinigen Umgebung vielfach verloren aussehen.

Die Aufenthalts- und Lebensqualität in einer Straße hängt direkt mit der Gestaltung der Vorgärten zusammen. (Foto: BGL)

Insbesondere in Neubaugebieten scheint sich die Versteinerung vor den Häusern weiter auszubreiten. Im Herbst 2016 hat es einen überzeugenden TV-Beitrag des WDR gegeben, der deutlich machte, dass die Aufenthalts- und Lebensqualität in einer Straße direkt mit der Gestaltung der Vorgärten zusammenhängt. Der Beitrag steht auf der Mediathek des WDR noch zum Anschauen: siehe Link

Überzeugungsarbeit für grüne Vorgärten leisten

Der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau e.V. (BGL) hat im Januar 2017 eine Initiative gestartet mit dem Titel „Rettet den Vorgarten“. Erstes Ziel ist es, die Motive der Gartenbesitzer von kargen Kiesgärten zu verstehen und Argumente für eine gärtnerisch lebendige Flächennutzung zu sammeln. Der Verband will mit guten Argumenten punkten und Gartenbesitzern überzeugende Argumente für lebendige Gärten mit Pflanzen an die Hand geben.

BGL-Präsident August Forster: „Kiesgärten sind weit verbreitet und doch gab es dazu bislang keine systematische Informationspolitik, geschweige denn daraus eine mit zuverlässigen Daten abgeleitete Strategie für den grünen Vorgarten. Wir haben deshalb aktuell eine repräsentative Marktforschung bei der GfK beauftragt und sind gespannt auf die Ergebnisse, die wir voraussichtlich im März 2017 auf dem Tisch haben werden.“

Ebenfalls wichtig ist dem BGL die Wirkung der Initiative innerhalb des Berufsstands. Die Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus sollen in Zukunft Kundenwünschen nach Kies- und Schottergärten mit guten Gründen entgegentreten können.

Gute Gründe

Der Vorgarten ist noch vor der Fassade der Teil des Hauses, der nach außen wirkt und Nachbarn, Freunden und Passanten einen Eindruck von den Bewohnern gibt. Er ist im besten Falle einladend, abwechslungsreich, freundlich… all das nannte man früher die „Visitenkarte des Hauses“. Der Vorgarten hat heute in Zeiten des Klimawandels aber noch weitaus mehr Aufgaben: Er ist Teil des öffentlichen Grünraums in der Straße und damit Spiel- und Naturerfahrungsraum für Kinder, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und – technisch betrachtet – Versickerungsfläche für Regenwasser. An heißen Tagen ist die Verdunstung auf den vielen kleinen Gartenflächen entscheidend für das Wohlbefinden im direkten Lebensumfeld der Menschen. Forster: „Ich möchte die Gartenbesitzer ermuntern, mit ihren Vorgärten so viel wie möglich lebendiges Grün in die Städte zu bringen und so einen Beitrag zum eigenen Wohlgefühl und zum guten Klima zu leisten.“

Vernetzte Kommunikation

Im Januar 2017 wurde die Facebook-Seite „Rettet den Vorgarten“ gestartet, die innerhalb weniger Tage schon viele „Freunde“ gesammelt hat. Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekten, aber auch Produktionsgärtner aus Staudenbetrieben und Baumschulen sowie Gartenbesitzer tauschen sich auf der Facebook-Seite aus. Zu sehen sind Fotos von gelungenen und weniger gelungenen Vorgärten, Statements zu den gezeigten Beispielen und allgemein zum Phänomen Vorgarten. BGL-Hauptgeschäftsführer Dr. Robert Kloos: „Wir freuen uns, dass die Seite so schnell Resonanz zeigt und hoffen, dass noch mehr Menschen sich damit verbinden. Die Kampagne ist außerdem offen für weitere Partner, die sich mit der Idee identifizieren und die mit uns daran arbeiten wollen, dem privaten Garten und vor allem der Bepflanzung im Garten einen größeren Stellenwert zu geben.“

Auch der in diesem Jahr zum siebten Mal vom BGL ausgerichtete Garten-Gipfel wird sich mit dem Vorgarten beschäftigen. Eine Philosophin und ein Raumpsychologe werden aus ihrer professionellen Sicht zum Thema referieren. „Ich hoffe auf viele gute Anregungen und eine spannende Diskussion“, freut sich August Forster.

Die Kampagne soll mittelfristig dazu führen, dass Gartenbesitzer den Wert der Fläche vor dem Haus für sie selbst, aber auch für die Nachbarschaft, das Straßenbild und schließlich die Atmosphäre im direkten Lebensumfeld wieder schätzen und mit lebendigen Pflanzen gestalten wollen.

 

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