Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Stadt ist im postindustriellen Zeitalter der bevorzugte Lebensraum der Menschen – dieser Trend zur Urbanisierung zeigt sich weltweit. Schon heute leben in Europa etwa 70 Prozent, in Deutschland sogar rund 80 Prozent der Menschen in Städten.

Grünflächen sind längst wesentliche Elemente der Städteplanung und gelten als maßgebend für die Lebensqualität der Bürger.

Eine ausreichende Versorgung mit Grünflächen bietet Naherholungsmöglichkeiten und erfüllt zugleich wichtige ökologische Funktionen etwa für das Stadtklima. (Fotos: BdB)

Interessant ist dabei, dass sich der historische Gegensatz von Stadt und Land mehr und mehr auflöst. Grünflächen sind längst wesentliche Elemente der Städteplanung und gelten als maßgebend für die Lebensqualität der Bürger. Eine ausreichende Versorgung mit Grünflächen bietet Naherholungsmöglichkeiten und erfüllt zugleich wichtige ökologische Funktionen etwa für das Stadtklima.

Stadt ist extrem

Das bestimmende Element von Städten ist die Dichte der Bebauung und des Verkehrs, die hohe Anzahl von Aktivitäten auf knapper Fläche und dementsprechend ein hoher Verbrauch von Ressourcen. Eine Folge ist, dass Städte, was Temperaturen, Wind und Trockenheit betrifft, von klimatischen Extremen geprägt sind. Dazu kommen weitere Belastungsfaktoren wie Feinstaub und Lärm. Eine Grüne Infrastruktur der Städte kann wesentlich zu Abpufferung dieser Belastungen und somit zu aktivem Gesundheitsschutz beitragen.

Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und Vorstandsmitglied der Stiftung DIE GRÜNE STADT, betont: „Die ökologischen und gesundheitlichen Leistungen von Grünflächen werden in der Zukunft von noch größerer Bedeutung sein, wenn sich unter den Vorzeichen des Klimawandels diese Extrembedingungen weiter verstärken. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Städte für Bäume und Pflanzen alles andere als natürliche Standorte sind. Erfolgsentscheidend ist deshalb eine optimale Auswahl und Pflege des Stadtgrüns und eine entsprechende Ausstattung der Kommunen.“

Zehn Jahre Biodiversitätsstrategie

Schon 2007 hatte die Bundesregierung in der Nationalen Biodiversitätsstrategie die Vision formuliert, dass Urbane Landschaften nicht nur Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bieten, sondern durch vielfältiges Grün auch umfassende Möglichkeiten für Erholung, Spiel und Naturerleben. Schon damals wurden ambitionierte Ziele vorgegeben: Zum Beispiel sollte bis zum Jahr 2020 die Durchgrünung der Siedlungen einschließlich des Wohnumfelds deutlich erhöht sein und öffentlich zugängliches Grün in der Regel fußläufig zur Verfügung stehen.

Helmut Selders, Präsident des BdB, sieht hier noch erheblichen Nachholbedarf: „Mit der Zusammenlegung der Ressorts Städtebau und Umwelt im Bundesumweltministerium ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Bedeutungssprung für das Stadtgrün sichtbar. Insbesondere mit der Herausgabe des Grünbuchs Stadtgrün 2015 und der nun bevorstehenden Konkretisierung im Weißbuch hat die Bundespolitik klare Akzente gesetzt, die wir als Berufsstand sehr begrüßen. Aber vor Ort in den Kommunen bleibt viel zu tun, denn die Situation der Grünverwaltungen wird seit Jahren immer schwieriger.“

Vielfältiges Grün gefordert

Stadtverwaltungen nehmen öffentliche Gartenanlagen und Parks ernster denn je. Bürger beteiligen sich aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfelds. Dächer, Balkone und Terrassen werden zu Gärten, Schrebergärten erleben einen neuen Boom; Stadtteilgruppen schließen sich zusammen und legen Gemeinschaftsgärten an, für die sie kollektive Verantwortung übernehmen. So verändert sich das Gesicht unserer Städte. Die aktuell veröffentlichte Umweltbewusstseinsstudie, eine repräsentative Umfrage des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes, stellt fest, dass die Idee der Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Umweltschutz wird dabei nicht als isoliertes Politikfeld wahrgenommen, sondern als Teil einer Lösung für große ökonomische und soziale Herausforderungen.

Helmut Selders betont: „Der moralische Appell an die ökologische Verantwortung, der in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufkam, ist inzwischen zum verbindlichen Lebensstil selbstverantwortlicher Bürger geworden. Das Stadtgrün ist als begehrter Teil des öffentlichen Raums der Ort, an dem Teilhabe gelingt. Hier treffen unterschiedliche soziale Hintergründe, Alterskategorien und Interessen aufeinander. In Zukunft wird es noch mehr als bisher darauf ankommen, die Grüne Infrastruktur der Städte für die unterschiedlichen Nutzungen zu qualifizieren. Ob für Spiel und Sport, Naturerfahrung oder das Bedürfnis nach Ruhe – die Grünflächen sind unersetzliche Freiräume für die Stadtgesellschaften der Zukunft.“

 

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