Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Im November diesen Jahres werden Branchenvertreter aus den Bereichen Freiraum, Sport- und Bäderanlagen wieder nach Köln kommen, um an der alle zwei Jahre von der Koelnmesse veranstalteten internationalen Fachmesse FSB und der parallel stattfindenden aquanale, der Internationalen Fachmesse für Sauna, Pool, Ambiente sowie dem IAKS Kongress teilzunehmen und die Verleihung der IOC/IAKS Awards mitzuerleben.

FSB 2017

Nach der Veranstaltung des Jahres 2015 hat in jedem der von der FSB abgebildeten Schwerpunktbereiche – Freiraum, Freizeit, Markt für Sport- und Bäderanlagen – eine äußerst dynamische Entwicklung stattgefunden, sowohl im Bereich Produktentwicklung als auch was den dahinter stehenden technologischen Fortschritt betrifft.

Im Sportanlagenbereich gab es eine Reihe maßgeblicher Trends und Entwicklungen, die sich im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre endgültig durchgesetzt haben, darunter der zunehmende Einsatz von Methoden der Bauwerksdatenmodellierung (BIM / Building Information Modelling), die nicht nur das Standardtool in der Entwurfs-, Planungs- und Bauphase eines Projekts, sondern auch für die Unterstützung im laufenden Betrieb der Anlage geworden sind.

So wird das neue Stadion von Perth eines der ersten Projekte in Australien sein, das mit einem Fertigstellungsgrad (Level of Development) von LOD 500 ausgeliefert werden wird, d.h. dem Facility Management Team wird am Ende der Bauphase Ende 2017 ein komplettes As-built BIM-Modell des Stadions übergeben.

Mit seinen innerhalb der Modellierung ausführbaren Funktionalitäten wie Clash Detection, Entwurfskontrollen und Shop Drawing Reviews bietet BIM große Vorteile in der Entwurfs-, Planungs- und Bauphase. Der Prozess ermöglicht es dem Projektteam, Probleme in 3D zu erkennen und zu lösen, bevor der Bau beginnt.

Mit Blick auf eine frühzeitige Einbindung künftiger beteiligter Akteure wie der Medien bietet BIM dem Projekt-Team die Möglichkeit, die vorgesehenen Kamerapositionierungen mit allen relevanten Mediennutzergruppen zu teilen, um so frühzeitig vor Eröffnung eines Veranstaltungsorts mögliche Probleme im Zusammenhang mit eventuell nicht freien Blickachsen erkennen zu können.

Insbesondere können auch Sportfan-Nutzergruppen eine virtuelle Reise von den Verkehrsknotenpunkten und Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs im Umfeld des Veranstaltungsorts, durch die Eingänge und zu bestimmten Bereichen innerhalb der Anlage unternehmen, wodurch potentielle Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert werden können.

Die hochmoderne BIM-Technologie ermöglicht es dem gesamten Projektteam, über einen einzigen Informationspunkt zu kommunizieren und so mit maximaler Effizienz sowohl in der Bau- als auch der Betriebsphase zusammenzuarbeiten.

Wegweisend

Das Gebot der Nachhaltigkeit tritt branchenübergreifend immer mehr in den Vordergrund, sei es in Bezug auf ein umweltgerechtes Recycling, über das eine Verringerung der Abfalltonnage erreicht wird, sei es die Nutzung von Regenwasser zur Wiederverwendung für die Spülung in Toiletten und – bei Stadien mit Naturrasen – für das Wässern der Spielflächen.

Der Einsatz einzelner „grüner“ Spitzenprodukte nimmt ebenfalls zu, angefangen bei energiesparender LED-Beleuchtung mit den Vorreitern Musco Osram/Siteco, BLV und Philips Lighting, über Photovoltaikmodule, (KWK) Kraft-Wärme-Kopplung und BMS (Building Management Systems).

Das neue Stadion von Perth wird nur einer von vielen Veranstaltungsorten sein, die LED-Beleuchtungstechnik nutzen, um ihren Energieverbrauch zu minimieren –  wenn auch nicht überall 15.000 LED-Leuchten zum Einsatz kommen werden, so wie in Perth der Fall.

Auch ist das neue Stadion an der Westküste Australiens ist für eine Zertifizierung nach dem „Green Star – Design & As-Built“, dem Rating-System des Green Building Council of Australia (GBCA) registriert, für das sich ein Projekt aufgrund seiner reduzierten Umweltbelastung bewerben kann. Mit Blick auf die Zertifizierung – angestrebt wird hier ein 4-Sterne-Rating – sind eine Reihe von Umweltaspekten in die Entwurfsplanung für das Stadion eingeflossen.

Mit der Verwendung von leichtem Gewebe für Veranstaltungsdächer ist ein weiterer Trend auf dem Vormarsch, denn diese bedeuten nicht nur natürliche Be- und Entlüftung, sondern auch einen reduzierten Energieverbrauch. Ein cleveres Dachdesign und innovative Gewebeanwendungen werden genutzt, um den Fans erhöhten Komfort und eine höhere Aufenthaltsqualität in Outdoor-Veranstaltungsorten zu bieten – ein besonders relevanter Aspekt, denn heute sind die modernen Stadien sind nicht mehr einfach nur Sportstätten, sondern ganz vielseitige Anlaufpunkte, die von den Menschen für den Besuch verschiedenster Veranstaltungen aufgesucht werden.

Konstruktionen unter Einsatz von ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen), wie sie beispielsweise die von der Vector Foiltec Gruppe verwendete Technologie nutzt, bieten eine Vielzahl von Vorteilen für die Planer von Dächern und Fassaden in Stadien und Arenen. Das U.S. Bank Stadium, die neue Heimat der Minnesota Vikings, war das erste fertiggestellte Stadion für den Profisport in den Vereinigten Staaten, für das ETFE verwendet wurde und markierte so den Beginn einer neuen Ära im Stadionbau. Mit über 22.000 m2 wurde hier das größte ETFE-Dach in Nordamerika errichtet. 60 Prozent der Dachfläche bestehen aus dem Material, unterteilt in 75 Folienkissen, die zusammengenommen etwa zwei Prozent des Gewichts eines vergleichbaren Glasdachs entsprechen.

Mittels ETFE lässt sich die Lichtdurchlässigkeit regulieren, gleichzeitig bietet das Material Transparenz, so dass sich Fans so fühlen, als seien sie in einem Open-Air-Stadion. Aus den verschiedenen zur Verfügung stehenden Beschattungstechniken, Isolierungsmethoden und Beleuchtungsdesigns können gezielt diejenigen ausgewählt werden, die einem bestimmten Stadionprojekt am Besten entsprechen. Jede dieser Komponenten hat einen Einfluss auf die verschiedenen technischen Parameter, die dann zusammengenommen das Gesamtergebnis hinsichtlich der vom Besucher eines Stadions wahrgenommenen Aufenthaltsqualität bestimmen. Dabei ist beispielsweise die Lichtdurchlässigkeit nicht nur ein wichtiger Faktor für den Komfort des Einzelnen am Veranstaltungsort, sondern auch ein wesentliches Element bei der Bepflanzung mit Naturrasen in einem vollständig umschlossenen Stadion.

Grüne Ambitionen

Green Building-Organisationen wie der GBCA finden sich weltweit, und zwar mit ähnlichen Zertifizierungsverfahren wie die in Australien eingesetzten – so auch in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wo die entsprechenden Organisationen für nachhaltiges Bauen USGBC (US Green Building Council) bzw. Green Building Council heißen.

Ein englischer Club, der in Sachen Ökologie einen Schritt weiter geht, ist Forest Green Rovers (FGR). Der erste vegane Fußballclub der Welt wird zu Beginn der Saison 2017/18 sein historisches Debut in der Englischen Fußball-Liga (EFL) geben, nachdem er in der letzten Saison den Aufstieg erreicht hat.

Das neue FGR-Stadion wird den Titel des „weltweit ersten Stadions aus Holz“ tragen und zusammen mit dem nebenan erbauten Öko-Park eine Klimabilanz von CO2-neutral oder gar negativ anstreben.

Bei dem hochmodernen Projekt wird unter die Gewinnung erneuerbarer Energie vor Ort zum Einsatz kommen. Auch die Gebäude auf dem Gelände und deren graue Energiebilanz werden entscheidend dazu beitragen, das ambitionierte Ziel zu erreichen und zu zeigen, dass nachhaltige Architektur dynamisch und ästhetisch zugleich sein kann.

Das von Zaha Hadid Architecture (ZHA) entworfene Stadion wird das Kernstück des Eco Park sein, dessen Entwicklung und Bau auf 100 Millionen Britische Pfund veranschlagt wird. Das Projekt des ca. 40 Hektar großen Sport- und Gewerbeparks für grüne Technologien geht auf einen Vorschlag des „grünen“ Stromversorgers Ecotricity zurück. Der Park wird zur einen Hälfte aus modernsten Sportanlagen bestehen, darunter das neue Stadion, sowie Rasen- und Ganzjahresspielfelder, öffentlich zugängliche Mehrzweckanlagen und ein Sportwissenschafts-Zentrum beherbergen. Die andere Hälfte wird aus einem Gewerbepark für grüne Technologien mit nachhaltig errichteten Bürogebäuden und Anlagen für die Leichtindustrie bestehen.

Im übrigen wurde das grüne Staffelholz bereits an die Kandidatur Paris 2024 weitergegeben, die verspricht, die „nachhaltigsten olympischen Spiele der Geschichte“ zu veranstalten. Das Komitee stellt einen im Vergleich zu London und Rio um die Hälfte verringerten CO2-Ausstoß in Aussicht.

Eine weitere große Veränderung lässt sich auf den Spielfeldern selbst beobachten: Kunstrasensysteme werden nicht mehr, wie bislang, fast ausschließlich in Trainingsanlagen für Fußball- und Rugby eingesetzt, sondern auch in etlichen Stadien sowie in Tennis- und Hockey-Anlagen. Ein Paradebeispiel für den Einsatz von Kunstrasensystemen in einem großen Turnier war die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 in Kanada. Eine treibende Kraft hinter den jüngsten Innovationen und Trends in diesem Bereich ist der Europäische Kunstrasenverband ESTO, langjähriger Partner der FSB. 

Zwei in eins - das „One Turf-Konzept“

Vor kurzem kündigte die ESTO in Form des „One Turf-Konzepts“ eine bahnbrechende Entwicklung an, bei dessen Entwicklung World Rugby, FIFA und die Internationale Hockey-Vereinigung (FIH) zusammengearbeitet haben und das die Art, in der zukünftig Mehrzweckanlagen genutzt werden, weltweit revolutionieren könnte. 

Nach vielen Jahren intensiver Zusammenarbeit gelang es den drei Verbänden, die Kombination sportphysiologischer und leistungsbezogener Parameter mit optimaler Bespielbarkeit zu erreichen. Das Konzept ist zwar für Mehrzweckplätze entwickelt worden, lässt sich aber genauso auf jede Kunstrasensportstätte übertragen, die keine bestimmten, sportartspezifischen Bedürfnisse erfüllen muss.

Die Verbände werden weiterhin gemeinsam mit Herstellern und Testlabors an der Präzisierung von Standards arbeiten, um Leistungsparameter und Lebensdauer der Spielstätten zu verbessern. Dies sind Kriterien, die im Rugby, Fußball und Hockey von großer Bedeutung sind, insbesondere auf kommunaler Ebene, wo die Ressourcen in Form verfügbarer Flächen sowie von Geldmitteln eher begrenzt sind.

Zwar ist ein stets optimal gepflegter Naturrasen nach wie vor die erste Wahl für Fußballspieler. Doch ein Hybridrasen, der als mit Kunstfasern verstärkter natürlicher Rasen das Beste aus beiden Welten vereint – die hervorragende Bespielbarkeit eines Naturrasens und die wesentlich höhere Strapazierfähigkeit - ist eine Nische, die in den letzten Jahren an großer Bedeutung gewonnen hat. Derartige Systeme sind mittlerweile  nicht nur in Fußballstadien weltweit zu finden, sondern kommen auch in der AFL (American Football Leaque), NFL (National Football Leaque) oder im Rugby zum Einsatz, ebenso in Mehrzweckstadien.

Technologie im Mittelpunkt

Ein weiterer technologischer Fortschritt ist die Verbindung von Augmented Reality (AR) mit LED-Technologie im Bereich der Bandenwerbung in den Stadien. Dies war erst jüngst zu beobachten, als die Deutsche Bundesliga erstmals virtuelle Werbung mittels Virtual Hybrid digiBOARD vorstellte. Dieses innovative System verbindet traditionelle LEDs, die für die Fans im Stadion sichtbar sind, mit einem virtuellen Content-Austauschverfahren, das es erlaubt, die Inhalte der Bandenwerbung, die von verschiedenen internationalen Zielgruppen beim Verfolgen ein und derselben Veranstaltung gesehen werden, entsprechend anzupassen.

Das System ist das Ergebnis einer mehr als zweijährigen Entwicklung, bei dem die LED-Technologie von ADI mit der branchenführenden AR-Lösung von Supponor verbunden wurde Das Virtual Hybrid digiBOARD kombiniert beide Technologien optimal: Einerseits bleibt der dynamische LED-Content im Stadion sichtbar, gleichzeitig lassen sich regionalisierte Inhalte für verschiedene Zielgruppen weltweit in TV-Qualität virtuell austauschen. 

Ein anderer technologischer Durchbruch fand in Form von SmarTracks von Polytan statt, das anspruchsvollen und professionellen Sportlern und Trainern ein ausgeklügeltes System bietet, mit dem sich Trainingsleistungen mittels digitaler Technologie aufnehmen und auswerten lassen. Das System besteht aus magnetischen Zeitschranken, die unsichtbar in die Laufstrecke integriert sind, einem nur 24 Gramm leichten Sensor, der am Körper getragen wird und einer umfassend erprobten Analyse-Software des Polytan-Partners Humotion – des Spezialisten für Aufnahme, Analyse und Verarbeitung von Daten zu menschlichen Bewegungen mittels am Körper getragene Sensoren. 

Im Vergleich zu anderen Zeitmess-Systemen wie Messungen, die auf dem Einsatz von Lichtschranken, GPS und Video basieren, bietet SmarTracks von Polytan niedrige Messtoleranzen, 100 Prozent Sicherheit gegen Vandalismus, absolute Wetterfestigkeit und äußerst einfache Bedienbarkeit. Einmal installiert, ist das System immer verfügbar und kann auch von mehreren Sportlern zugleich benutzt werden.

Auf der Hut 

Gleichzeitig scheint es nach der Gräueltat, die am 22. Mai an den Besuchern des Konzerts von Ariane Grande in der Manchester Arena begangen wurde, als die Bombe eines Selbstmordattentäters 22 Personen tötete und mindestens 59 verletzte, unvermeidlich, auf die wachsende Bedrohung zu reagieren und die Sicherheitsvorkehrungen in allen Bereichen zu verstärken. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Tat schon eine Reihe anderer Terroranschläge in Sporteinrichtungen vorangingen, wie im Außenbereich des Stade de France als eines der Ziele einer ganzen Anschlagsserie in Paris.

Zweifellos wird man künftig Fortschritte bei Produkten, Technologien, Lösungen und Dienstleistungen rund um das Thema Sicherheit sehen, und zwar nicht nur bei Zugangskontroll- und Videoüberwachungssystemen, die in öffentlichen Freizeit-, Sport- und Badeanlagen ja bereits gang und gäbe sind. Sie sind auch bei der Umstrukturierung der Vorkehrungen in Bereichen mit höchster Sicherheitsrelevanz wie etwa Flughäfen von Bedeutung.

Und schließlich werden WLAN- und App-basierte Technologien eine zunehmend wichtige Rolle für die Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen spielen.

Nur wer diesen November zur FSB nach Köln kommt, kann sicher sein, alles über die neuesten Entwicklungen und die Best Practices in allen Bereichen der Branche zu erfahren. Sollten Sie sich also noch nicht für die FSB 2017 angemeldet haben: siehe Link.

 

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