Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Mit seinen glatten, teilweise hübsch gefärbten Halmen und grazilen Blattwerk hat sich Bambus im Laufschritt die Herzen - und Gärten! - der Pflanzenfreunde erobert. Doch das muss nicht sein, denn nicht alle Bambusarten breiten sich zwangsläufig anhand von Ausläufern aus. Die horstbildenden Fargesia-Arten sind kompakt, äußerst winterhart und finden im Garten vielerlei Einsatz - so Bambuswald Inhaber Egon Karl Egenolf, der sich in den Höhenlagen über dem Bodensee den Feinheiten der Bambuskultur widmet.

(Foto: Gärtnerei Hofstetter Mühle)

"Die meisten Gartenbesitzer wissen leider nicht, dass es zwei grundverschiedene Bambusgruppen gibt", erklärt Egenolf die Situation. "Sie kennen nur die stark wuchernden Arten, die sich extrem im Garten verbreiten können - bis hinüber zu den Nachbarn." Ohne den Einbau einer sogenannten Rhizomsperre können diese Bambusarten mit Hilfe ihrer unterirdischen Wurzelausläufer oder Rhizome in einer Vegetationsperiode leicht bis zu 10 Metern weit kriechen.

Dabei ist die Lösung so einfach: eine Fülle von Fargesia-Arten bietet alle Vorzüge des üppigen, pflegeleichten Riesengrases ohne die Nachteile des starken Wucherns, denn die neuen Sprosse wachsen direkt aus dem Wurzelballen empor. Dank ihrer Heimat in den Bergregionen Chinas und Vietnams sind Fargesien sehr winterhart und daher auch für unsere Breitengrade gut geeignet. Als immergrüne Pflanzen setzen sie daher auch in der kahlen Jahreszeit mit ihren kleinen und sehr zahlreichen Blättern dekorative Akzente.

Vom Solitär bis zur Hecke vielfältig einsetzbar

Egal ob als Einzelpflanze, Gruppe oder Hecke, ob sonnig oder schattig - es gibt für (fast) jede Gartensituation eine geeignete Fargesia, weiß Egenolf. Sein Favorit ist derzeit die Sorte "Wolong", eine Unterart von Fargesia robusta. Sie wird bis zu fünf Meter hoch und hat ein sehr großes Blatt. "Wolong ist sehr gut als Solitär geeignet und bildet daumendicke Halme - vom Einsatzbereich ist sie daher ähnlich wie die Phyllostachys-Arten, nur eben ohne die Rhizombildung", sagt Egenolf.

Hecken für Ungeduldige

Auch für Hecken und als grüner Sichtschutz wird der Einsatz von Bambus immer beliebter. Denn kaum eine Pflanze kann so schnell und wirksam unerwünschte Ausblicke verdecken - immerhin zählt Bambus zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Erde! Als Heckenpflanze eignen sich Fargesien wegen ihrer kompakten Wuchsform und Schnittverträglichkeit besonders gut. Fargesia rufa wird ca. 2,5 Meter hoch, braucht jedoch aufgrund ihrer stark überhängenden Wuchsform mehr Platz. Für schmalere Stellen ist die schlankere Fargesia robusta ’Cambell’ ideal, da sie selbst mit unter einem Meter Breite auskommt. Die ebenfalls platzsparende Fargesia jiuzhaigou besticht mit ihren rötlichen Halmen, die vor allem im Frühjahr mit zunehmender Sonneneinstrahlung auftreten.

Natürlich ist die zu den Gräsern gehörende Pflanze bei der Gestaltung von Gärten mit asiatischen Elementen sehr beliebt. Mit seinem zarten Blattwerk und den biegsamen Stielen raschelt Bambus noch beim leisesten Windhauch und eignet sich gut für stille, besinnliche Gartenecken. Sein lockerer Wuchs mutet leicht und heiter an und er verbreitet selbst an trüben Tagen noch gute Laune. Auch als Uferbepflanzung an Teichen oder Wasserläufen macht er ein gutes Bild - vor allem , wenn er sich im Wasser spiegeln kann.

Fargesia auch als Kübelpflanze

Doch selbst Bambusfans ohne Garten können mit Kübelpflanzen den Charme dieser einzigartigen Pflanze genießen. Auch hier ist die horstbildende Wuchsform der Fargesien von Vorteil. Wichtig ist dabei, einen genügend großen Pflanztopf zu wählen, um das Durchfrieren des Ballens im Winter zu verhindern. Für die Containerpflanzung empfiehlt Bambusspezialist Egon Karl Egenolf vor allem die Sorten F. rufa und F. robusta, da sie sonnige und trockene Standorte (typisch für Terrassen und Balkone) besser tolerieren. "Andere Arten rollen bei diesen Bedingungen nämlich leicht ihre Blätter ein - viele glauben bei diesen Anzeichen, dass die Pflanzen zu trocken sind und gießen dann zu viel", erklärt Egenolf. Und "nasse Füsse" sind für Bambus, wie für viele andere Pflanzen auch, schlicht der Tod.

Das 1x1 der Bambuspflege: Robust und pflegeleich

Bambus ist nicht nur robust, sondern auch recht anspruchslos. Er bevorzugt einen humusreichen, gut durchlässigen Boden. Für jeden Lichtbedarf gibt es entsprechende Arten - egal ob Sonne, Schatten oder Halbschatten. Schädlinge und Krankheiten sind bei uns so gut wie nicht bekannt. Als Containerware kann man Bambus praktisch das ganze Jahr über pflanzen, solange der Boden frostfrei ist. Bei einer späten Pflanzung ist ein guter Winterschutz jedoch unerlässlich. Im Sommer dagegen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die neue Pflanze genügend Wasser erhält und der Ballen nicht austrocknet. Für eine Düngergabe bei der Pflanzung sowie auch während der Wachstumsperiode ist der Bambus dankbar, denn als vitaler Wachser bracht Bambus viele Nährstoffe.

Besonders beim Wachstum zeichnet sich die Einzigartigkeit von Bambus ab. Im Gegensatz zu Bäumen gibt es kein Dickenwachstum, d.h. wenn die Halme von April bis Juli wie Spargel aus dem Boden sprießen, haben sie bereits ihre fertige Dicke erreicht. Erst nach beendetem Höhenwachstum entfalten sich dann die Blätter. Danach wächst der Halm nicht mehr weiter, statt dessen bildet die Pflanze im Folgejahr wieder neue Halme aus. Die Kraft für dieses ungewöhnlich schnelle Wachstum stammt aus den unterirdischen Rhizomen, in denen die Nährstoffe gespeichert werden. Alte, dünne und abgestorbene Halme sollten regelmäßig entfernt werden, dies fördert das Wachstum und bringt Licht für die Unterbepflanzung. Ein einzelner Halm stirbt nach etwa sieben bis neun Jahren - doch die gesamte Bambuspflanze lebt im Grunde ewig, da sie stets aus ihrem Rhizomgeflecht immer wieder nachwächst. "In China gibt es Bambushaine die über 1000 Jahre alt sind", berichtet Egenolf von seinen vielen Reisen ins Ursprungsland des Bambus.

Eigentlich doch ein schöner Gedanke, dass man im eigenen Garten "etwas für die Ewigkeit" pflanzen kann.

 

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