Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Wahl für den Ort der Mitgliederversammlung war diesmal auf Cottbus gefallen. Für einige Berliner Unternehmer vielleicht schon etwas exotisch, so waren es denn auch etwas weniger Teilnehmer als in den Vorjahren. Trotzdem ein guter Ort vor allen Dingen mit Blick auf das Thema der Fachtagung am Nachmittag Perspektive GaLaBau mit öffentlichen Mitteln.

FGL-Vorsitzender Carsten Henselek bedankt sich bei Marietta Tschoppe, Beigeordnete für Bauwesen der Stadt Cottbus, für die Begrüßung. (Foto: FGL)

Die Begrüßung hatte in Vertretung für den Bürgermeister die Beigeordnete für Bauwesen der Stadt Cottbus, Marietta Tschoppe, übernommen. Sie sprach von der BUGA 1995 als Glücksfall für ihre Stadt, aber auch von sinkenden Einwohnerzahlen, finanziellen Problemen und der Schwierigkeit die freiwillige Leistung "Grün” mit den vorhandenen Mitteln zu stemmen. Zum Schluss lobt sie die Einladungskarte - endlich mal was anderes! Hier kommt die Image- und PR-Kampagne also gut an.

Sowohl Stefan Müller als Vertreter des BGL-Präsidiums als auch der Vorsitzende Carsten Henselek warben offensiv für mehr Engagement im Ehrenamt. Ein Verband lebt von seinen Mitgliedern und je mehr mitmachen, desto mehr kann man erreichen! Oft ist es durchaus möglich, sich über kleine Erfolge zu freuen.

Im Tagungsteil nach dem Essen stellte Peter Menke die Aktionen der Stiftung "Die Grüne Stadt” vor. Ziel ist es, die öffentliche Wahrnehmung der Grünanlagen zu verbessern und deren Nutzen für Einwohner und politisch Verantwortliche deutlicher zu machen. Besonders hob er den Firmengärtenwettbewerb hervor, der in einigen Städten wie etwa in Hannover bereits erfolgreich gelaufen ist. Eine gute Möglichkeit, branchenfremde Unternehmen mit ins Boot zu holen.

Die Situation auf dem Markt um öffentliche Aufträge skizzierte Prof. Gerd Helget aus der Sicht des unabhängigen Hochschullehrers - dennoch machte er es den Landschaftsgärtnern nicht schwer, sich in seiner Analyse wieder zu finden. Minister a.D. Reinhold Dellmann, als Landtagsabgeordneter einer der Väter des kommenden Vergabegesetzes, erläuterte vor allem die begrenzten Möglichkeiten staatlicher Rahmensetzung für den Wettbewerb. Sein Plädoyer für einfache, klare Rahmenvorgaben und einen konsequenten Vollzug fand allgemeine Zustimmung.

Zur Einstimmung auf die Podiumsdiskussion mit dem Thema "Gut aufgestellt für den Wettbewerb um öffentliche Aufträge der Zukunft” hatten die späteren Diskussionsteilnehmer die Möglichkeit, in Kurzstatements ihre Sicht darzustellen.

Zunächst schilderte Ingrid Letsch vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen der Stadt die Situation in Cottbus. Sie rief die Betriebe auf, sich verstärkt der Ausbildung zu widmen und bedauerte die fehlenden gesetzlichen Vorgaben für die Gründung eines GaLaBau-Betriebes. Ganz konkrete Erwartungen hatte sie an den Fachverband: Die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Grün müsse auf eine breite Basis gestellt werden, das Logo solle Qualitätssiegel sein! Auch der politische Einfluss des Berufsstandes ist ihr noch zu gering.

Jens Henningsen, Landschaftsarchitekt BDLA und ehemaliger Vorsitzenden der BDLA-Landesgruppe Berlin/Brandenburg hatte danach Gelegenheit, die Probleme aus der Sicht der Landschaftsarchitekten als Vertreter der Auftraggeber darzustellen. Auch für ihn ist der Fachkräftemangel bereits erkennbar, außerdem wären die Organisation und die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer verbesserungswürdig. Nur so könnten eine Kostenexplosion sowie viel Ärger auf beiden Seiten vermieden werden!

Als Auftraggeber "mit besonderen Ansprüchen” konnte Holger Schulz von der Brandenburgischen Schlösser GmbH die Aussagen seiner Vorredner nur unterstützen. Er beklagte die geringe Facharbeiterquote im GaLaBau. Wenn er einen Elektriker bestellt, käme in der Regel auch ein Elektriker, im GaLaBau weiß er nie, wem er schließlich gegenübersteht. Aber er braucht Gärtner vom ersten Tag an auf der Baustelle. Allerdings ist nach seiner Erfahrung nicht immer der Billigste auch der Schlechteste. Hohe Preise sind für ihn leider oft auch ein Ergebnis von schlechter Logistik.

Zur Eröffnung der Podiumsdiskussion unter Moderation von Oliver Hoch, an der neben den bereits Genannten auch Prof. Helget von der Hochschule RheinMain, Minister a.D. Dellmann und Georg Firsching für die Landschaftsgärtner teilnahmen, gab es also genug Stoff. Schnell wurde aber deutlich, dass eigentlich alle Beteiligten die gleichen Interessen haben. Eine starke gut qualifizierte Verwaltung wird in der Lage sein, fachgerecht auszuschreiben und zu prüfen. Landschaftsplaner haben kein eigenes Interesse an zu niedrigen Kostenschätzungen oder der Beauftragung fachlich schlechter Landschaftsbaubetriebe. Der Denkmalschutz braucht sowieso hoch qualifizierte Arbeit, hat aber auch einen Pool von ausführenden Betrieben und schreibt in der Regel beschränkt aus. Das Thema "Teilnahmewettbewerb und beschränkte Ausschreibung” sorgte dann aber doch für etwas Kontroverse in der Diskussion. Nachdem Prof. Helget deutlich machte, dass mit dem richtigen Vermerk eigentlich alles beschränkt ausgeschrieben werden kann, wurden Befürchtungen der öffentlichen Auftraggeber deutlich, ins Kreuzfeuer der Kritik durch nicht bedachte Bewerber zu geraten. Dellmann unterstützte diese Befürchtungen mit Nachdruck, aber aus dem Publikum kam lauter Widerspruch. Schon bei kleinen Aufträgen aus Angst vor Begründungen öffentlich auszuschreiben, sei ja vergeudete Zeit.

Zum Thema Kommunalverfassung in Brandenburg befragt, versuchte Reinhold Dellmann abzuwiegeln. Der Staat müsste seine Aufgaben erfüllen und nur darum ginge es. Das nahmen ihm die Unternehmer nicht ab. Starke Bauhöfe in den Kommunen würden nur darauf warten, bei lukrativen Aufträgen mit bieten zu können. Er versprach schließlich, die Argumente der FGL-Mitglieder mitzunehmen und in die abschließenden Diskussionen zum Gesetz einzubringen. In der Schlussrunde wurde deutlich, dass die Fachleute für die Grünanlagen nur gemeinsam die Situation verbessern können und deshalb verstärkt ins Gespräch kommen müssen.

Die Mitgliederversammlung endete am folgenden Samstag mit einer Exkursion zum Gelände der BUGA 1995, dem Spreeauenpark. Bei der Führung durch Karola Komolka, die den Park seit der BUGA betreut, wurde das große Engagement der Parkleitung deutlich. Nur so kann man den überraschend guten Zustand des Parkes trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Mittel erklären.

 

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