Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Viele Sagen und Mythen ranken sich um die Stechpalme (Ilex aquifolium). Vor Weihnachten werden sie gerne angeboten und gelten als empfindliche Gehölze. Doch die Experten der Bayerischen Gartenakademie können Ilex in seiner Vielfalt nur empfehlen.

Stechpalme (Foto: LWG)

Geschichte und Wissenswertes

Bereits in vorchristlicher Zeit wurde die Stechpalme verehrt. Wie alle immergrünen Pflanzen symbolisiert auch die Stechpalme Unvergänglichkeit, Tod und Wiedergeburt. Ihre gezähnten teils stacheligen Blätter, so glaubte man, würden Schutz vor dem Bösen bieten und zur weisen Voraussicht verhelfen. Letztere Behauptung verdankt die Stechpalme der Eigenschaft, im oberen Bereich des Strauches stachellose Blätter zu bilden. In der Höhe benötigt die Pflanze nämlich keine Schutzmaßnahmen, weil dort hungrige Tiere nicht an die schmackhaften Blätter gelangen können.

Vor allem im nordeuropäischen Raum und in Nordamerika ist es Brauch, das Haus an Weihnachten mit den Zweigen der Stechpalme zu schmücken. Ilexzweige sind nicht nur dekorativ, sie haben auch den Vorzug in beheizten Räumen lange ansehnlich zu bleiben. Im englisch sprachigen Raum heißt die Stechpalme "holly wood", weil sie als Baum der Frau Holle gilt. Die Filmmetropole im Westen der USA wurde wegen der vormals dichten Stechpalmenbestände nach dieser Pflanze benannt. Fans von "Harry Potter" wissen auch, dass aus dem Holz der Stechpalme Zauberstäbe geschnitzt werden.

Aber Vorsicht, die Pflanze ist giftig! Allerdings scheinen die Giftstoffe den Vögeln nicht zu schaden. Nach mehrmaligem Frost werden die Beeren weich und sind über die gesamte kalte Jahreszeit ein willkommenes Winterfutter für unsere gefiederten Freunde.

Ilexpflanzen im Garten

Ilex ist ein immergrünes Gehölz, das je nach Sorte eine Höhe von einem bis 15 Meter erreichen kann. Die glänzenden stacheligen Blätter bleiben etwa 3 Jahre am Strauch haften. Die Sträucher sind zweihäusig, das heißt, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt. Nur die weiblichen Pflanzen tragen die schönen roten Früchte. Aber ohne einen männlichen Strauch in der Nähe reifen im Winter auch auf den weiblichen Pflanzen keine Früchte heran.

Standort

In luftfeuchten Gebieten fühlt sich Ilex besonders wohl. Ein kalkarmer, nährstoffreicher Boden kommt ihm sehr entgegen. Nicht zu trockene Sommer und milde Winter sind das beste Klima für diese immergrünen Gehölze. Sie vertragen Schatten und können gut im Umfeld von Bäumen wachsen, wenn es dort nicht zu trocken ist. Das Gehölz sollte nicht zu sonnig stehen, denn die Wintersonne führt zur Verdunstung über die immergrünen Blätter. Wässern Sie deshalb Pflanzen an frostfreien Tagen, besonders die, die in der Sonne stehen.

Robuste Stechpalmen

Für Hausgärten wurden viele wertvolle Sorten gezüchtet. Für rauere Lagen eignen sich alle Ilex x meserveae -Arten, da sie frosthärter sind als Ilex aquifolium. Die Sorte ´Blue Princess´ verträgt sogar einen sonnigen Platz, ist weiblich und trägt somit Früchte. Selbst in kleinen Gärten findet sich ein Platz für die breit aufrechtwachsende Pflanze, die etwa zwei Meter Höhe erreichen kann. Um einen guten Fruchtansatz zu bekommen, empfiehlt es sich die männliche Sorte ´Blue Prince´ in der Nähe zu pflanzen.

Wüchsiger sind die männlichen Sorten I. meserveae ´Heckenstar´ und ´Heckenpracht´ und das weibliche Gegenstück ´Heckenfee´. Sie eignen sich als Einzelpflanzen, Heckenpflanzen, Formschnittgehölze und winterharte Kübelpflanzen. Sie vertragen Fröste bis minus 25 °C und besitzen eine dichte Belaubung. Weißbunte Arten sind sehr dekorativ, aber sie wachsen langsamer, sind schwächer im Pflanzenaufbau und häufig frostempfindlicher als die grünen Verwandten.

Ilex als Buchsersatz?

Da Buchspflanzen immer häufiger unter Pilzerkrankungen und Schädlingsbefall leiden, wird seit einiger Zeit fieberhaft nach "Buchsersatz" gefahndet. So kam auch die kleinwüchsige Variante der Stechpalme, Ilex crenata ins Gespräch. Als Japanstechpalme, Löffel- oder Bergilex ist das Gehölz im Handel. Es besitzt kleine immergrüne Blätter und sieht dem Buchs zum Verwechseln ähnlich. Allerdings ist die Japanstechpalme in rauen Lagen nur bedingt winterhart. Kritisch wird es für die Ilex crenata, wenn die Temperaturen unter minus 12°C fallen. Im Weinbauklima und in Innenstädten ist sie jedoch eine interessante Alternative.

Besondere und neuere Stechpalmensorten für den Hausgarten werden hauptsächlich in gut sortierten Baumschulen angeboten. Lassen Sie sich am besten von den Fachleuten vor Ort beraten.

 

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