Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Gartenbauverband Nord e. V. (GVN), der Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen e.V. (BdB SH) und die Gartenbauabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig- Holstein (LK SH) haben eine Zukunftswerkstatt für den Gartenbau im Norden gestartet. Ermöglicht wird das Vorhaben durch das neue EU-Förderprogramm EIP, welches die drei Projektträger mithilfe der Service GRÜN Fördergesellschaft für Baumschulen und Gartenbau in Norddeutschland mbH umsetzen.

Der EIP-workshop der Einzelhandelsgärtner im Hamburger Haus des Gartenbaues, moderiert von CO CONCEPT (hier: Helmuth Huss, Myriam Stenger), erarbeitete innovative Projektvorhaben für die EIP-Förderperiode 2015-2017 in Schleswig-Holstein. (Foto: Dr. Frank Schoppa, GVN, BdB SH)

Die Förderung der Europäischen Landwirtschaft und die Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER) wurden durch ein sehr wirkungsvolles Instrument ergänzt. Ab 2015 kann die Zusammenarbeit von Betrieben, Beratern, Verbänden, Wissenschaftlern in sog. Europäischen Innovations-Partnerschaften (EIP) in regionalen Gruppen (Operationellen Gruppen) gefördert werden.

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat dieses Instrument in vorbildlicher und einmaliger Weise für die Bedürfnisse Schleswig-Holsteins fortentwickelt. Damit ab 2015 einsatzbereite Operationelle Gruppen an den Start gehen können, macht Schleswig-Holstein davon Gebrauch, bereits die Bildung der Operationellen Gruppen zu unterstützen. Sie ergänzt ferner die Förderung der EU mit Landesmitteln. Diese Förderstrategie ist der Schlüssel, um die Agrarwirtschaft bis hin zum Gartenbau herauszufordern, kreativ Entwicklungsdefizite zu definieren und innovative Lösungen zur Beseitigung von Entwicklungshemmnissen vorzuschlagen.

„Wir suchen Ideen, die erfolgreich in die Praxis umgesetzt wer-den", so bezeichnet Dr. Heinrich Terwitte vom Landwirtschaftsministerium das Ziel der Europäischen Innnovations-Partnerschaft (EIP). Er ergänzt: „Es geht nicht allein um eine gute Idee von oben, sondern um die Verwirklichung einer Neuerung von und mit Landwirten sowie Gärtnern. Ziel ist die Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Produktion und der nachhaltigen Entwicklung der Betriebe."

Operationelle Gruppe Gartenbau

Die Gartenbauwirtschaft in Schleswig-Holstein hat bereits im April dieses Jahres begonnen, einen ersten Projektantrag zu entwickeln. Die Jury des Landwirtschaftsministeriums hat die Vorschläge für förderungswürdig eingestuft und eine Förderung für die Bildung einer Operationellen Gruppe Gartenbau in Schleswig-Holstein (OPGSH) befürwortet. Da die Verbände über zusätzliche Ressourcen für den Aufbau und die Betreuung dieser Operationellen Gruppe nicht verfügen, beauftragten sie hierzu das Beratungsunternehmen CO CONCEPT. Es erledigt in enger Abstimmung mit den Verbandsspitzen alle inhaltlichen und formalen Aufgaben, die mit EIP zusammenhängen.

„Diese Zusammenarbeit hat sich sehr bewährt", stellt GVN-Präsident Andreas Lohff fest. Axel Huckfeldt, Vorsitzender des BdB SH erklärt die Förderphilosophie: „Die Unternehmer der Gartenbaubetriebe bringen ihre innovative Ideen ein, damit von der Basis aus die Branche zukunftsfest fortentwickelt werden kann."

Workshops in den gärtnerischen Fachsparten

Derzeit werden in workshops die Zukunfts- und Innovationsstrategien für Schleswig-Holstein definiert. Dabei kommen die Unternehmer, Berater und ausgewählte Gäste in fachspartenspezifischen workshops zusammen. „In den workshops, die von CO CONCEPT moderiert werden, wollen wir Projektideen mit Innovationscharakter aufspüren und zukünftige Handlungsfelder in den jeweiligen Wertschöpfungsketten erkennen", erläutert Dr. Frank Schoppa, Geschäftsführer beider Verbände sowie von Service GRÜN mbH, die Aufgabe der workshops. Bis Ende Oktober werden die Projektträger die Innovationsprojekte in einem Antrag zusammenfassen. Es zeichnet sich ab, dass die Baumschulwirtschaft u. a. Fragen der thermischen Bodenentseuchung bei Rosacaeen (Bodenmüdigkeit) und der Prüfung von angepassten Baumsortimenten im sich wandelnden innerstädtischen Klima („Klimawandelbäume") anpacken möchte.

Einzelhandelsgärtnereien suchen nach Strategien zur Steigerung der Kundenfrequenz. Die Friedhofsgärtner verfolgen innovative Maßnahmen, die den Friedhof als den Ort für alle Bestattungen sichern. Der Gemüsebau schlägt vor: Aufbau eines Referenzsystems zur bedarfsgerechten Nitrat-versorgung beim Kohlanbau, die Nutzung von Kältespeichern mit Energie aus Windenergie bei der Langzeitlagerung von Kohl, die Entwicklung eines 90 Tage Kohls, um geänderten Verzehrs- und Verwendungsgewohnheiten gerecht zu werden.

„Man sieht an der Vielfalt der ersten Vorschläge, wie vielschichtig die Herausforderungen des Gartenbaus sind und bis zur Antragstellung werden unsere Mitgliedsbetriebe sicherlich noch weitere Innovationen ausarbeiten", stellen die Präsidenten Lohff und Huckfeldt übereinstimmend fest, „denn schließlich ist EIP eine Initiative, die von Betrieben kommt und nicht von Ministerien oder Verbandsgremien übergestülpt wird." Mit der Zukunfts- und Innovationsstrategie, darin sind sich die Verbände und die Landesregierung einig, wird die Gartenbauwirtschaft wettbewerbsorientiert und nachhaltig fortentwickelt.

 

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