Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Wie kann man eigentlich Naturschutz mit fachgerechter Baumpflege verbinden? Diese Fragen stellten sich vergangene Woche rund 20 Kursteilnehmer der Nürnberger Schule. Mit ihrem neuen Artenschutzlehrgang möchte das grüne Fortbildungsinstitut klarstellen, dass Baumpflege und Naturschutz Hand in Hand gehen.

Für Baumpfleger und Baumkontrolleure werden artenschutzrelevante Belange immer wichtiger oder müssen im Berufsfeld integriert werden. Diese sind in der Regel die ersten, welche am Baum sind und somit Habitatstrukturen erkennen und dokumentieren. Das heißt, im Ernstfall fachgerecht im Sinne des Natur- und Artenschutzes handeln müssen.

Das Seminar soll Informationslücken im Spannungsfeld Artenschutz und fachgerechte Baumpflege schließen sowie Handlungssicherheit beim Umgang mit dem gesetzlichen Artenschutz geben. Grundlage des Kurses sind die aktuellen artenschutzrechtlichen Anforderungen bzw. das Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG).

§ 44 BNatSchG verbietet bei wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten insbesondere die Beschädigung und die Zerstörung aktueller oder regelmäßig genutzter Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Zu diesen Arten zählen beispielsweise nahezu alle heimischen Säugetiere, alle Fledermausarten sowie bestimmte Holzinsekten. Zudem sind sämtliche europäische Vogelarten besonders geschützt.

Bei den Kursteilnehmern soll vor allem ein Verständnis für die verschiedenen Lebensräume am Baum geschaffen werden. „Somit bringen Baumpfleger das Fachwissen aus dem Baumbereich in den Naturschutz und umgekehrt“, erklärt Bodo Siegert Inhaber der Nürnberger Schule. So genannte Habitatstrukturen sind im gesamten Baumumfeld denkbar. Von Nestern in Baumkronen, über Spechthöhlen bis hin zu Stammrissen. Abstehende Borkenplatten bieten beispielsweise Quartier für kleine Fledermausarten.

Der Kurs wurde mit verschiedenen Biologen aus den Fachgebieten Vogelkunde, Fledermäuse, Säugetiere sowie Käfer und Insekten entwickelt. Neben einer schriftlichen Prüfung mussten sich die Teilnehmer auch einer praktischen Prüfung unterziehen. Ziel war das Erstellen einer Maßnahmen-Empfehlung, wie mit sogenannten Habitat-Strukturen umzugehen ist. Die Prüfung wurde von fachkundigen Supervisoren aus dem Bereich Naturschutz begleitet. 20 Teilnehmer freuten sich schließlich über den Abschluss „Geprüfter Sachkundiger für Baum-Habitatstrukturen“.

„Wir wollen auf keinen Fall spezielle Biologen ausbilden oder diese ersetzen. Letztendlich geht es darum das Bewusstsein für Habitatstrukturen zu stärken. Unser Ziel ist der integrative Ansatz, also die Verbindung von Artenvielfalt, Naturschutz und fachgerechte Pflegemaßnahmen“, erläutert Bodo Siegert.

 

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