Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Eiffelturm, Big Ben oder Brandenburger Tor - an ihrer typischen Architektur erkennt man eine Stadt auf den ersten Blick. Markante Gebäude und die Skyline werden im Stadtmarketing sehr häufig als visuelles Wiedererkennungsmerkmal genutzt. Doch auch die Bedeutung von öffentlichen Grünflächen ist für die Identität einer Stadt nicht zu unterschätzen.

Grünflächen stehen für Offenheit, denn sie sind Freiraum, den die Menschen auf verschiedene Weise nutzen. (Foto: BdB)

„Die bayerische Landeshauptstadt München kann man sich zum Beispiel kaum ohne den allseits beliebten Englischen Garten vorstellen“, sagt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer vom Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und Mitglied im Vorstand der Stiftung DIE GRÜNE STADT. „In Berlin ist es der Tiergarten, in New York der Central Park oder der neue High Line Park. Nicht nur die Stadtbewohner halten sich hier gerne auf, auch für Touristen sind die grünen Highlights einer Stadt fester Bestandteil ihrer Sightseeing-Tour.“

Offenheit und Freiraum

Beim Stadtmarketing spielen grundsätzlich zwei Hauptaspekte eine Rolle: Einerseits soll die Stadt attraktiv für die Bewohner sein und andererseits Besucher anziehen. Grünflächen bieten für beide Zielgruppen Anknüpfungspunkte. Sie schaffen Lebensqualität für Städter und bieten ihnen eine willkommene Möglichkeit, sich an der frischen Luft zu erholen oder aktiv zu sein. Grünflächen stehen für Offenheit, denn sie sind Freiraum, den die Menschen auf verschiedene Weise nutzen: zum Joggen, zum Fahrradfahren oder zum Spazierengehen, zum Picknicken oder zum Spielen mit Freunden und Familie. Die Pflanzen schaffen den Rahmen für ein vitales Stadtleben. Hier kann man sich begegnen und das authentische Flair der Stadt und die Lebensart seiner Bewohner genießen.

Modernität und Grün

Dass Modernität und Grün sich nicht ausschließen, zeigt das Grüne Frankfurt (Link 1). Die Bankenmetropole spielt mit dem Kontrast von spiegelglatten Hochhäusern einerseits und einem lebendigen Stadtgrün andererseits. Besonders beliebt ist hier die begrünte Promenade entlang des Mainufers – ein Ort, an dem die Größe und Weite Frankfurts erfahrbar wird. Dass städtisches Grün einen hohen Wert darstellt, den es zu mehren gilt, hat auch Essen erkannt. Im Jahr 2017 wird es den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ tragen (Link 2). Seit 2010 wird dieser Wettbewerb auf Initiative der Europäischen Kommission jährlich ausgeschrieben. Essen legt besonderen Wert auf eine vernetzte grüne Infrastruktur. „Wir haben es uns zum Ziel gemacht, dass jeder Bewohner Essens in höchstens 500 Metern Entfernung von seinem Wohnhaus mindestens eine größere Grünfläche erreichen kann“, so Simone Raskob, Dezernentin für Umwelt und Bauen in Essen. „Dieses Ziel haben wir bereits zu 70 Prozent realisiert.“

Bundesgartenschau

Grün wird dann zum wirksamen Marketing-Instrument, wenn es fest in der Stadtkultur verankert ist. „Eine spürbare Förderung des urbanen Grüns, wie es Essen vormacht, verändert das Gesicht einer Stadt – und zwar äußerst positiv“, erklärt Guhl. „Nicht ohne Grund zieht es die Stadtmenschen ins Grüne. Die Bepflanzung reinigt die Luft, hier findet man Schatten und fühlt sich der Natur nah.“ Eine gute Möglichkeit, das Grün in der Stadt zu fördern, bietet die Ausrichtung einer Bundes- oder Landesgartenschau. Aktuelle Beispiele sind die IGA Berlin 2017(Link 3) ist die BUGA Heilbronn 2019 (Lin 4). In Heilbronn setzen die Planer auf Nachhaltigkeit: Bestehende Grünzüge werden verbunden und die Stadt gewinnt neue dauerhafte Park-, Seen- und Uferlandschaften. Auf einer alten Bahnbrache entsteht zudem ein neues Stadtquartier, das Wohnen und Grün verbindet – der Neckarbogen. Heilbronn zeigt, dass Gartenschauen bei entsprechender Planung als Impulsgeber für eine langfristige Entwicklung des städtischen Grüns wirken können.

Grüne Bühne

Sind die Grünflächen einmal vorhanden, schaffen sie echten Mehrwert für das Stadtmarketing. Sie eignen sich zum Beispiel als Ort für außergewöhnliche Veranstaltungen, die Identität stiften und Besucher anlocken. OpenAir-Kinos, Food-Truck-Festivals, Tanzabende, Konzerte, (Nacht-)Flohmärkte, Sportevents – die Parks und Grünflächen bieten eine flexible „grüne Bühne“, die sich immer wieder neu bespielen lässt.

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