Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Aktuelle Informationen für Unternehmer, kompakt verpackt mit garantiertem Wissens- und Erfahrungsaustausch: Unter diesem Motto stand die Regionalversammlungen der Region Stuttgart vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. (VGL). Die Akquisechancen die ein Messeauftritt mit Schaugarten bietet, wichtige Meilensteine eines erfolgreichen Nachfolgeprozesses, der BUGA-Garten der Region sowie dringliche Themen aus der Branche standen auf der Tagesordnung. Gastgeber im November 2017 war die Theodor Wölpert GmbH & Co. KG mit einer Betriebsführung durch ihre Niederlassung in Kuchen bei Göppingen.

(von li nach re) Christine Görzen, Bühler und Görzen GmbH, Carmen Zepf, Zepf 2 GmbH, Günther Daiß und Christoph Walker, Karl Walker GmbH, gaben ihre wertvollen Erfahrungen zum Thema Nachfolge an die Kollegen und Kolleginnen weiter.

Die Vorstellung eines Fördermitglieds des VGL, das gleichzeitig Gastgeber der Regionalversammlung ist, hat sich bestens bewährt. Hier die Theodor Wölpert GmbH & Co. KG in Kuchen bei Göppingen.

Die einzelnen Programmpunkte fanden reges Interesse bei den über 120 Gästen. Akutelle Informationen kompakt verpackt, kombiniert mit einem garantierten Wissens- und Erfahrungsaustausch, das kommt an bei den Mitgliedsbetrieben. (Fotos: VGL/Sven Falk)

Clever zapfen

Karl-Heinz Oechsner, geschäftsführender Gesellschafter der inhabergeführten Wölpert GmbH & Co. KG war überwältigt von der Anzahl der Gäste, die bei über 120 Personen lag. Oechsner zückte sprichwörtlich den Hut vor den Unternehmern der Region Stuttgart, denn solch eine aktive Truppe mit diesem hohen Interesse hatte er nicht erwartet. Highlight der Betriebsführung war die Betontankstelle und es ist tatsächlich so simpel, wie es sich anhört: Einfach die gewünschte Menge und Sorte an der Kasse bezahlen, mit dem Hänger unter die Ausgabestelle fahren, die Chipkarte einstecken, das Produkt wählen und Beton tanken. Die vollautomatische Dosier- und Prozesssteuerung mischt sechs verschiedene Sorten, die sich für unbewehrte, nicht konstruktive Baumaßnahmen im GaLaBau bestens einsetzen lassen. Geprüfte Rezepturen garantieren eine Verarbeitungszeit des Frischbetons von zwei bis drei Stunden. Abgabemengen zwischen 150 Liter und zwei Kubikmeter sind möglich – eine wunderbare Alternative zum Säcke Schleppen und Anmischen, was bei den Unternehmern auf reges Interesse stieß.

Ungebrochener Aufwärtstrend

Der grünen Branche geht es nach wie vor sehr gut, berichtete VGL-Geschäftsführer Reiner Bierig. Die Betriebe verfügen im Durchschnitt über einen luxuriösen 13-wöchigen Auftragsbestand bei Neuanlagen und über 12 Wochen Vorlauf in der Pflege. Die derzeitige Marktsituation wird von den Unternehmen mit der Schulnote 2,0 bewertet. Zur Erlangung eines Auftrages bei öffentlichen Submissionen benötigen die Firmen sieben Angebote. Der Aufwand für freihändige Angebote liegt dagegen bei drei und für beschränkte Submissionen bei vier Stück pro erteiltem Auftrag. Die Betriebsergebnisse gemessen am Umsatz im bundesweiten Kennzahlenvergleich sind laut Reiner Bierig minimal gestiegen. Sie liegen zwischen bei 3 bis 6 Prozent Rendite (vorherige Umfrage: 2 bis 5 Prozent). „Es geht zwar konstant nach oben, dennoch ist das Potenzial hier unserer Meinung nach noch lange nicht ausgeschöpft. Bei dieser Konjunkturlage sind noch viel bessere Ergebnisse erzielbar, um Vorsorge für schlechtere Zeiten zu schaffen", appelliert Bierig an die Unternehmer.

Die LS-Bau Fachnormen DIN 18915 - 18920 sind teils fertig, teils in Arbeit. Das neue Baurecht mit Mängelhaftung im Handwerk gilt ab 1. Januar 2018 und wurde vom VGL in insgesamt fünf Informationsveranstaltungen im November den Mitgliedsbetrieben konkret erläutert und vorgestellt.

Weitere Daten und Fakten

Auch dank Andreas Haupert, dem Willkommenslotsen, sind inzwischen 46 Azubis mit Flucht- oder Migrationshintergrund in Ausbildung, 22 Flüchtlinge absolvierten ein Praktikum und acht befinden sich im Beschäftigtenverhältnis. Zahlen, die Mut machen, die Integration weiter voran zu treiben. Mit 1.240 Ausbildungsverhältnissen im Garten- und Landschaftsbau liegen die Ausbildungszahlen in Baden-Württemberg dank der engagierten Ausbildungsbetriebe und der neuen Imagekampagne gleichbleibend hoch und stellen damit 67 Prozent aller Azubis im Gartenbau. Hierzu trägt sicherlich auch die tariflich geregelte höhere Entlohnung der Auszubildenden ab Oktober 2017 bei. Auch in Sachen Weiterbildung geht es voran: Professor Sigurd Henne von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen warb für das Studienfach Baupraxis innerhalb der Landschaftsarchitektur, das auch für die Ansprüche von GaLaBau-Betrieben ausbildet. Konkrete Praxiserfahrung können seine Studenten jedoch nur auf der Baustelle sammeln, denn Bauabläufe zu simulieren ist schwierig. Deshalb sucht die Hochschule dringend nach Betrieben, die Studierenden einen echten Einblick durch Mitarbeit gewähren.

Bierig forderte die Unternehmer zu einem intensiven Kontakt zu Städten und Kommunen auf, um die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Fördergelder für mehr Grün in der Stadt sinnvoll und umsatzträchtig zu nutzen. Das anschließende Interview von Miriam Hogg, Projektleiterin der Messe Garten outdoor ambiente in Stuttgart, mit Tobias Langner, GaLaBau-Unternehmer aus Aidlingen, öffnete den Blick hinter die Messe-Kulisse. Langner beschrieb eindrücklich Aufwand und Nutzen seiner Beteiligung im April 2017 in Form eines Schaugartens. Er äußerte sich sehr begeistert von dieser qualitativ hochwertigen Plattform die den Betrieben hier geboten wird.

BUGA Heilbronn

Michael Glück, Freier Landschaftsarchitekt aus Stuttgart, ist mit der Planung des Gartens der Region Stuttgart für die BUGA in Heilbronn beauftragt und stellte sein Ideenkonzept vor. Eine Art Stoffsammlung, welche die Region mit ihren Weinbergen, dem Travertin, der Automobilindustrie, der Wilhelma, dem Neckar, der Kessellage und dem Schlossgarten am besten spiegelt, war Anfang der Überlegungen. Mittlerweile steht ein Planungskonzept, das mehrstämmige Blasenbäume mit Unterpflanzung, Pflanzbänder, Hecken, ein Birkenwäldchen mit Themen-Skulpturen wie dem Fernsehturm sowie einen innovativen Pavillon mit Fernwirkung, Lounge, Brunnen und beeindruckendem Solitärgehölz

beinhaltet. Der 27 mal neun Meter große Garten wird mit 200 Euro pro Quadratmeter von der BUGA und dem VGL bezuschusst. Der Bau erfolgt durch einen von der Region beauftragten Kollegenbetrieb. „Ich sehe in diesen Regionengärten eine wirklich große Chance für den Berufsstand, das vielfältige Spektrum unserer Dienstleistungen sowie unsere Innovationskraft publik zu machen", so Reiner Bierig.

Gelungene Nachfolge

Ist mein Unternehmen so weit und vor allem sind die Mitarbeiter in meinem Unternehmen so weit, den Nachfolgeprozess anzugehen, war die eingangs von Christine Görzen, Bühler und Görzen GmbH, gestellte Frage zum moderierten Erfahrungsaustausch. Einen Einblick in sein Leben nach dem Unternehmensverkauf gewährte Günther Daiß, der seinen Betrieb in zwei Etappen an drei Mitarbeiter verkaufte. „10 Jahre sollte man einplanen, von der Findung eines Nachfolgers bis hin zur Kaufpreisschätzung sowie intelligenten Finanzierungsmodellen für Angestellte mit wenig Kapital", skizziert Daiß.

Björn Eberhardt, einer der Nachfolger von Daiß, beschreibt die Möglichkeit als Mitarbeiter in die Unternehmensführung einzusteigen als unglaublich motivierend, kombiniert mit einer persönlichen Perspektive, die einen noch mal so richtig Gas geben lässt.

Bei einer Familiennachfolge ist vieles ähnlich, beschreibt Christoph Walker, der vor 12 Jahren zusammen mit seinem Bruder Andreas den väterlichen Betrieb übernahm: „Auch hier müssen die Finanzen auseinander dividiert werden, nur dass in diesem Fall meistens viel mehr Emotionen mit im Spiel sind." Unternehmensberater Klaus Wolf bildete in diesem Prozess die wichtige Klammer zwischen den Walker-Generationen. „Für uns war diese Beraterleistung sehr sinnvoll, beispielsweise bei den wichtigen Verhandlungen mit der Hausbank, aber auch, um von Anfang an erfolgreich zu bleiben", so Walker.

Unternehmensübergaben bedürfen nicht nur einer langfristigen Planung, sondern auch einer genauen Prüfung, wenn es zum Beispiel um Pensionszusagen bei Kapitalgesellschaften geht, ergänzt Carmen Zepf von der Zepf 2 GmbH aus Bad Boll. 10 Jahre vor dem Ausscheiden des Gesellschafter-Geschäftsführers dürfen diese Zusagen gegebenenfalls noch geändert werden, falls der Nachfolger die Vereinbarungen zur Rente so nicht tragen möchte. Auch durch die blauäugige Übernahme von bestehenden Verträgen zur betrieblichen Altersvorsorge der Mitarbeiter können Haftungsfallen für den neuen Arbeitgeber entstehen. „Es ist deshalb auf jeden Fall sinnvoll, alle Verträge von einem Experten unter die Lupe nehmen zu lassen", erklärt Zepf. Am 1. Januar 2018 tritt das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft. Dies führt zwar zu Entlastungen in der Haftung für die Arbeitgeber, bringt aber auch zusätzliche Pflichten und neue Haftungsfallen mit sich. „Wie man hier aus der Pflicht ein echte Kür macht, erläutern wir am 8. März 2018 in einer Informationsveranstaltung beim VGL in Leinfelden-Echterdingen", bietet Zepf den Unternehmern an.

 

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