Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Garten- und Landschaftsbau verzeichnet weiterhin ein kräftiges Wachstum. Dies geht aus den neuesten Zahlen hervor, die der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) am 14. März 2019, im Rahmen seiner Mitgliederversammlung in Fürstenfeldbruck, präsentierte. Demnach stieg der Umsatz der grünen Branche auf das neue Rekordniveau von 1,125 Milliarden Euro. In ihrem Grußwort würdigte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber den Beitrag des Verbandes zur Prosperität und zum Erhalt der Artenvielfalt im Freistaat.

v.l.: Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V., Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und Thomas Banzhaf, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V., auf der Mitgliederversammlung des bayerischen GaLaBau-Verbandes.

v.l.: Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V., bei der Ehrung der Landschaftsgärtner- Auszubildenden Julian Maier und Niklas Stadlmayr von der Bullinger GmbH & Co. KG zusammen mit Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und Geschäftsführer Josef Bullinger. (Fotos: VGL Bayern/Carolin Tietz)

Auf der Mitgliederversammlung wies Gerhard Zäh, Präsident des VGL Bayern, in seinem Bericht insbesondere auf die anhaltend positive Entwicklung im bayerischen Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) hin. So trugen die im Verband organisierten Fachbetriebe mit 736 Millionen Euro überproportional zum Jahresumsatz von 1,125 Milliarden Euro in 2018 bei. Im Vergleich zu 2017 mit 688 Millionen Euro eine Steigerung um sieben Prozent. Der größte Umsatztreiber ist nach wie vor das Privatkundengeschäft, das rund 58 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht. Aber auch das Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern entwickelte sich erfreulich. Der Anteil am Gesamtumsatz in diesem Segment stieg von 14,6 Prozent in 2017 auf knapp 17 Prozent im vergangenen Jahr.

„Insgesamt kann man in den Kommunen und Städten eine zunehmende Investitionsbereitschaft erkennen. Um die Belastungen für die Einwohner durch Feinstaub, Kohlendioxid und Starkregen mit zusätzlichem Grün im öffentlichen Raum nachhaltig zu reduzieren, bedarf es jedoch weiterer Mittel durch die öffentliche Hand", appellierte Präsident Zäh an Staatsministerin Kaniber.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung macht sich auch bei den Ausbildungszahlen bemerkbar. Denn immer mehr junge Frauen und Männer entscheiden sich für den Beruf Gärtner/-in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, kurz Landschaftsgärtner/-in. Folglich wurden 2018 in Bayern 535 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen, gegenüber 504 ein Jahr zuvor.

Insgesamt befanden sich 1.374 angehende Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner zum Stichtag 31. Dezember 2018 in Ausbildung. 2017 waren es noch 1.311 laufende Ausbildungsverhältnisse. Damit erfreut sich der GaLaBau, trotz rückläufiger Zahlen bei den Schulabgängern aufgrund des demografischen Faktors, nach wie vor steigender Azubi-Zahlen und stemmt sich erfolgreich gegen die Tendenz allgemein abnehmender Ausbildungsabschlüsse.

Verband bezieht Stellung zum Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!"

Darüber hinaus äußerte sich der Verbandspräsident zum bayerischen Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!". So macht die hohe Beteiligung der bayerischen Bürgerinnen und Bürger das große Interesse an Grün und Umwelt deutlich. Dies ist prinzipiell zu begrüßen. Jedoch sollten sich die im Volksbegehren beschriebenen Forderungen nicht nur an die Landwirtschaft richten.

Das Ziel nach mehr Biodiversität betrifft hingegen viele weitere Bevölkerungskreise. „Wir Landschaftsgärtner erleben beispielsweise immer wieder, dass Eigentümer ihre Vorgärten mit vermeintlich pflegeleichtem Kies gestalten möchten. Die allenfalls mit vereinzelten Solitärgräsern oder Buchskugeln bepflanzten Steinwüsten begünstigen dabei sicherlich nicht die Artenvielfalt und bieten kaum Lebensräume für Insekten. Diesem Trend wirken wir, zusammen mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, seit 2017 mit der Initiative „Rettet den Vorgarten" entgegen. Mit der Initiative möchten wir unsere Kunden davon überzeugen, sich anstelle eines Schottergartens für einen begrünten Vorgarten und damit für mehr Artenvielfalt zu entscheiden", betonte Gerhard Zäh.

Landwirtschaftsministerin Kaniber sieht GaLaBau als Schlüsselbranche für mehr Grün Ähnlich äußerte sich Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, in ihrem Grußwort: „Wir müssen Park- und Grünanlagen, Straßenränder, Gärten und Friedhöfe, aber auch Dachflächen und Fassaden noch bewusster als artenreiche Lebensräume gestalten." Demnach entwickelt sich der GaLaBau immer mehr zu einer Schlüsselbranche für zukunftsfähige Antworten auf die großen Herausforderungen Klimawandel, Erhalt der Biodiversität und Urbanisierung. So lassen sich beispielsweise durch Dachbegrünungen bis zu 44 Prozent der Sonneneinstrahlungsenergie absorbieren, bis zu 90 Prozent der Regenniederschläge zurückhalten und bis zu 20 Prozent der Luftschadstoffe binden. In diesem Zusammenhang wies die Ministerin auf die zahlreichen Forschungsprojekte im Freistaat hin – unter anderem an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim (LWG). Dabei setzt das an die LWG angeschlossene Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau insbesondere auf die Erforschung einer standortgerechten Pflanzenverwendung. Insgesamt wurden aktuell elf Forschungsvorhaben im Bereich GaLaBau und Gartenbau auf den Weg wegbracht und dafür rund 3,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

Initiative „Grün in die Stadt" bietet Hilfestellung für mehr Stadtgrün

Die vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) in Zusammenarbeit mit dem VGL Bayern initiierte Initiative „Grün in die Stadt" informiert über die Notwendigkeit von mehr Stadtgrün. Denn für das Stadtklima spielen Grünflächen eine besondere Rolle. Insbesondere die Roadshow, die 2016 in München und 2017 in Nürnberg gastierte, sensibilisierte weite Bevölkerungskreise hinsichtlich einer Verbesserung der Lebensqualität in den Städten durch mehr öffentliche Grünanlagen. „Nun rücken wir verstärkt die Politik in den Fokus unserer Aktivitäten und machen auf das Lösungspotential von grünen Städten im Kampf gegen den Klimawandel aufmerksam. Denn viele Kommunalpolitiker und Entscheider wissen oft gar nicht, welche Förderprogramme und Mittel für Grünprojekte bereitstehen", erläuterte Thomas Banzhaf, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Mit dem „Förder- Check" unterstützt die Initiative deshalb kommunale Entscheider, die für sie passenden Fördermittel zur Grünentwicklung schnell und unkompliziert zu finden und zu beantragen. „Und es geht weiter. Wir haben uns in Berlin dafür eingesetzt, dass auch die Pflege von Parkanlagen gefördert wird. Zu unserer großen Freude hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hierfür nun ein neues Programm in Höhe von 100 Millionen Euro aufgesetzt", äußerte sich Banzhaf zufrieden.

Mitgliederzahl im VGL Bayern auf über 600 gestiegen

Anschließend präsentierte Verbandsdirektor Prof. Rudolf Walter Klingshirn den Geschäftsbericht 2018. Demnach sind zum 1. Januar 2019 dem Verband 568 ordentliche und 35 außerordentliche Mitglieder angeschlossen. Aufgeteilt auf die einzelnen bayerischen Regierungsbezirke ergibt sich folgendes Bild: Oberbayern 262, Schwaben 70, Mittelfranken 67, Niederbayern 59, Unterfranken 54, Oberpfalz 47 und Oberfranken 44. Darüber hinaus gehören 58 Förder- und 19 Seniorenmitglieder sowie sieben Ehrenpräsidenten und Ehrenmitglieder dem VGL Bayern an. Insgesamt sind rund 2.370 Betriebe im Freistaat im GaLaBau tätig. Zudem stellten sich Karl Artinger, Vizepräsident und Schatzmeister des VGL Bayern, und Pia Präger, Mitglied im Präsidium des VGL Bayern, nach Ablauf ihrer Wahlperiode zur Wiederwahl. Beide wurden mit großer Zustimmung der Mitglieder in ihrer Position für weitere drei Jahre bestätigt.

Ehrungen für langjähriges Engagement und außergewöhnliche Leistungen

Für ihr intensives Engagement und ihre Erfolge im Bereich der Ausbildung empfing die Bullinger GmbH & Co. KG aus Donauwörth eine besondere Auszeichnung. Die Azubis Julian Maier und Niklas Stadlmayr erzielten 2018 sowohl im bayerischen als auch im bundesweiten Berufswettbewerb der angehenden Landschaftsgärtner den ersten Platz. Damit festigte der Fachbetrieb seine Stellung als Top-Ausbilder in Deutschland. Zusätzlich überreichten Kaniber und Zäh den beiden Champions neue Arbeitskleidung. Damit sind Maier und Stadlmayr für ihre Beteiligung an der Berufsweltmeisterschaft WorldSkills 2019, im russischen Kazan, gut gerüstet. Die Schwaben repräsentieren die deutsche Mannschaft im August im Wettbewerb „Landscape Gardening". Das große Signum in Edelstahl, das Qualitätskennzeichen für Fachbetriebe im GaLaBau, erhielt die Josef Saule GmbH aus Augsburg für ein halbes Jahrhundert Verbandszugehörigkeit. Dietmar Lindner, Vizepräsident des VGL Bayern, empfing für seinen langjährigen Vorsitz der Regionalgruppe Unterfranken einen großen bayerischen Löwen aus Porzellan. Außerdem freute sich Ulrich Schäfer, Geschäftsführer der Nordgrün Nürnberg Garten- und Landschaftsbau GmbH, über eine Ehrenurkunde für seine Beteiligung an der Landesgartenschau 2018 in Würzburg mit einem vielbesuchten Schaugarten. Auch auf der kommenden Gartenschau in Wassertrüdingen, 24. Mai bis 8. September 2019, beteiligen sich mehrere Mitglieder des VGL Bayern mit eigenen „Schatzkammern" und repräsentieren damit den Berufsstand.

 

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