Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Klimawandel und Artensterben sind derzeit in aller Munde. Gleichzeitig wächst die Anzahl spärlich bis nicht bepflanzter Schotterflächen – auch als Ersatz für ehemals mit Stauden oder Gehölzen bewachsene Grundstücke. Einerseits gilt dieser Trend als modisch, andererseits glauben viele Hausbesitzer, sich mit dieser „Grünfläche“ Arbeit zu ersparen. Langfristig erweist sich dies meist als Irrtum. Eine sinnvolle Alternative ist der naturnahe Garten.

Beispiel einer naturnah orientierten Gartengestaltung ist der Zugang zum Gemeinschaftsplatz der Ökosiedlung in Aach, ein Ortsteil des Marktes Oberstaufen im Landkreis Oberallgäu. (Foto: Pia Präger)

Pia Präger, Inhaberin der Firma Pia Präger Gartengestaltung und Präsidiumsmitglied des VGL Bayern, bei der Arbeit. (Foto: Andreas Huber)

Die Behauptung, Schottergärten seien pflegeleicht, kann man zweifellos als moderne Mär bezeichnen. Tatsächlich machen die grauen Flächen mit der Zeit mehr Arbeit als standortgerecht bepflanzte Außenanlagen. Denn schon bald nach Fertigstellung fällt organisches Material, also Samen und Blätter, zwischen den Schotter. Dort verrottet es und bildet eine Humusschicht, die hartnäckigen Unkräutern, Flechten und Moosen ideale Wachstumsbedingungen ermöglicht. Diese dann wieder zu entfernen, gestaltet sich als schwierig und langwierig. Auch das Unkrautvlies hilft dann nichts.

Versiegelte und verschotterte Vorgärten machen nicht nur viel Arbeit, sondern haben zudem spürbar negative Auswirkungen auf ihre Umgebung. Zum einen heizen sie sich während des Tages stark auf und geben diese Hitze nachts wieder ab – direkt am Haus. Zum anderen nehmen sie Regenwasser nur bedingt auf. Die Folge ist, dass das Oberflächenwasser nur eingeschränkt für die Verdunstung zur Verfügung steht. Damit beeinflussen sie das lokale Kleinklima und verstärken die Belastungen der Anwohner im Sommer, insbesondere in den sogenannten Tropennächten. Darüber hinaus bieten Schotter, Kies und Split der Tierwelt weder Nahrung noch Rückzugsorte. Schlecht für Vögel und Insekten. Pflanzen hingegen spenden angenehmen Schatten und nehmen Regenwasser auf, das über ihre Blätter verdunstet und die Luft kühlt. Sie binden aber auch Feinstaub und produzieren Sauerstoff, liefern Insekten und Vögeln wichtige Nahrung sowie den notwendigen Lebensraum.

Mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ wendet sich der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) gegen die Verschotterung von Gartenbereichen. Ziel ist es, Hausbesitzer, Wohnungsbaugesellschaften und Gewerbetreibende darüber aufzuklären, dass bepflanzte Außenflächen zu einer Verbesserung des Wohlbefindens von Mensch, Tier und Pflanze beitragen. Dabei setzt die Idee des naturnahen Gartens auf die Verantwortungsbereitschaft der Menschen, am Erhalt einer lebenswerten Umwelt mitzuwirken.

Naturnahe Gärten als Ausdruck eines ausgeprägten Umweltbewusstseins

Worauf es bei der Gestaltung naturnaher Privatgärten, Außenanlagen im Wohnungsbau und gewerblicher Flächen ankommt beschreibt Pia Präger, Präsidiumsmitglied des VGL Bayern. „Naturnah" bedeutet nach Ansicht der Gärtnermeisterin, die Gestaltung und Pflege eines Gartens mit der Natur und den ihr eigenen Gesetzen und nicht gegen sie. Keineswegs sei damit gemeint, Pflanzen wild durcheinander wuchern zu lassen. „Man gibt der Natur jedoch Raum zur Entwicklung, ohne dabei auf lenkende Eingriffe zu verzichten. Die Maßnahmen müssen sich am Charakter des jeweiligen Gartens und seiner Umgebung orientieren. Naturnahe Gärten mit zahlreichen Ökosystemen und einer hohen Biodiversität sind daher sichtbarer Beweis eines ausgeprägten Umweltbewusstseins der Besitzer und beileibe kein Zeichen für deren Faulheit“, räumt Präger mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf.

Ein Naturgarten gilt als pflegeleicht, denn viel wird der Natur selbst überlassen. Bei der Erschaffung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie deren Artenvielfalt, gibt es dennoch einiges zu beachten: Bei der Pflanzenauswahl begünstigt ein möglichst großer Anteil heimischer Gewächse mit einem ganzjährigen Blüh- und Nahrungsangebot viele Tierarten, die an eine bestimmte Vegetation gebunden sind. Auf gefüllte Blüten sollte verzichtet werden, da es hier für Insekten keinen Pollen zum Sammeln gibt und Zuchtformen zumindest einen hohen Trachtwert, also die Bereitstellung von Nektar und/oder Pollen, aufweisen. Bei Gehölzen ist auf eine Mehrfachnutzung zu achten: Nistmöglichkeiten, Pollen und Nektar im Frühjahr, Futterquelle im Herbst. Die richtige Standortwahl für Pflanzgesellschaften, abhängig von Bodenart, Licht-, Feuchtigkeits- und Nähstoffverhältnissen, fördert die Artenvielfalt gleichermaßen. So lässt sich zum Beispiel ein attraktives und zudem pflegeleichtes Pflanzenbild auch auf sandig-trockenen Flächen erzeugen. Ein idealer Lebensraum für Schmetterlinge, Heuschrecken und Eidechsen.

Auch auf torfhaltige Blumenerde sollte verzichtet werden. Als Dünger kommen Kompost, Hornspäne oder Mist zum Einsatz. Unerwünschte Wildkräuter werden mit Bedacht entfernt, damit sich die gewünschte Bepflanzung durchsetzen kann. Falllaub, verwelkte Blütenstände und abgestorbene Pflanzenteile bleiben im Herbst in den Pflanzflächen liegen. Sie schützten den Boden vor Austrocknung und führen ihm über die Verrottung Nährstoffe zu. Totholz in jedweder Form ist ein wichtiger Bestandteil eines Ökosystems, da es Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten bietet. Locker aufgeschichtete Äste, Reisighaufen aus Obstbaum- oder Heckenschnitt sowie ausreichende Falllaubschichten sind ideale Quartiere für die Nacktschnecken-Vertilger Igel und Blindschleiche sowie Vogelarten wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Nachtigall.

Ein naturnaher Garten mit standortgerechtem Pflanzenbestand benötigt in der Regel keine zusätzliche Bewässerung. Bei lang anhaltender Trockenheit kann dies dennoch erforderlich sein. Immergrüne Pflanzen müssen im Winter bei trockener Witterung an frostfreien Tagen gewässert werden. Dazu wird gespeichertes Regenwasser verwendet. Ziel ist es deshalb, Niederschläge nicht in die Kanalisation abzuleiten, sondern kostbares, kostenloses Gießwasser zu gewinnen, wertvolle Feuchtbiotope anzulegen und damit den Wasserkreislauf im Garten zu schließen.

Begrünte Dächer, ob extensiv oder intensiv genutzt, bieten vielfältige Habitate für Tiere und Pflanzen. Sie nehmen darüber hinaus Regenwasser auf und reduzieren den Abfluss in das Kanalnetz. Das gespeicherte Wasser verdunstet und trägt zur Kühlung der Umgebung bei. Erhebt eine Gemeinde gesplittete Abwassergebühren, werden Dachbegrünungen angerechnet und damit die jährlichen Kosten reduziert. Außerdem fördern viele Kommunen Dachbegrünungen finanziell. Der grüne Dachaufbau wirkt zudem wie eine zusätzliche Dämmung, dies spart Heizkosten. Ferner ist ein bunt blühendes Dach optisch reizvoller als eine herkömmliche Kiesschüttung. Ähnlich verhält es sich mit Fassadenbegrünungen. Wichtig ist die sorgfältige Auswahl der Pflanzen im Hinblick auf ihre Kletterstrategie sowie die passende Kletterhilfe, damit es nicht zu Schäden an den Gebäuden kommt.

Zu den reizvollsten Bauwerken gehören Trockenmauern. Sie ermöglichen das Abfangen von Höhenunterschieden, gliedern den Garten, sind für Pflanzen und Tiere Extremstandorte und schaffen dadurch unvergleichliche Lebensräume. Trockenmauern lassen sich mit den unterschiedlichsten Materialien bauen, beispielsweise Natursteine, alte Belagsplatten oder Bauschutt. Damit die Mauern ihre Funktion über Generationen hinweg erhalten, ist eine fachgerechte Errichtung notwendig.

Neben Mauern eignen sich Hecken und Zäune für Grundstücksabgrenzungen. Hecken bleiben meist freiwachsend und müssen nur gelegentlich geschnitten, ausgelichtet oder „auf Stock gesetzt“ werden. Dies geschieht in der Regel während der Vegetationspause zwischen Oktober und März. Dabei ist auf Kleinsäugetiere zu achten, die dort ihr Winterquartier einrichten. Der Rückschnitt der Stauden erfolgt im Spätwinter. Die Samenstände sind überaus zierend und dienen Insekten als Unterschlupf und Vögeln als wertvolle Futterquelle. Für eine fachgerechte Pflege sind Kenntnisse über Pflanzen, ihre Ansprüche und ihr Entwicklungspotenzial notwendig. Zäune aus Holz bieten vielfältigste Gestaltungsmöglichkeiten und können individuell aus Weidengeflecht, Knüppelholz, Brettern oder Ästen hergestellt werden. Bestehende Zäune aus Maschendraht oder Doppelstabgitter eignen sich als Kletterhilfe für Rosen, Clematis, Wilden Wein, Efeu und Wicken.

Mit der richtigen Beleuchtung schafft man bei Dunkelheit nicht nur Sicherheit, sondern auch eine einzigartige Atmosphäre. Doch das künstliche Licht hat auch seine Schattenseiten: Nachtaktive Insekten, 85 Prozent der Schmetterlinge sind Nachtschwärmer, orientieren sich am Mondlicht. Sie werden von der Beleuchtung angezogen und verbrennen am Leuchtmittel. Abhilfe schaffen lässt sich durch geschlossene Leuchten, in die keine Insekten eindringen können, eine Beschränkung der Anzahl der Leuchten auf das erforderliche Minimum, das Abschalten oder Dimmen in den späteren Nachtstunden und die Abschirmung nach oben mittels Reflektoren. Je höher Leuchten montiert sind, desto mehr Insekten ziehen sie an. Erstrebenswert ist deshalb eine möglichst bodennahe Platzierung. Empfohlen wird der Einsatz von insektenverträglichen Natriumdampflampen und LED-Technik mit einem gelblichen Lichtspektrum.

Parkplätze, Verkehrsflächen, Wege und Terrassen beanspruchen in der Grundstückserschließung viel Fläche. Diese Flächen ökologisch zu gestalten, bedeutet, den Flächenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Denn durch die Bodenversiegelung kann das Oberflächenwasser nicht versickern. Dies belastet die Kanalisation und es kann zu Überschwemmungen kommen. Abhilfe schaffen hier zum Beispiel wassergebundene Wegedecken aus mineralischen Baustoffen und wasserdurchlässige Pflasterbeläge.

 

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