Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Petra Pelz betreibt ein Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur in Sehnde bei Hannover. Überregional bekannt wurde sie vor allem für ihre Planungen auf Gartenschauen, ihre Bücher … und in jüngerer Zeit durch ihren Gartenblog.

Mit ihren "Silent Islands" will Petra Pelz Orte für die notwendigen kleinen Auszeiten im Alltag schaffen.

Wichtige Argumente für die Anlage von Firmengärten: Studien belegen, dass Naturerleben schon nach kurzer Zeit zur Steigerung des Wohlbefindens führt und das Betriebsklima merklich verbessert.

Petra Pelz betreibt ein Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur in Sehnde bei Hannover. (Fotos: BGL/Petra Pelz)

Frau Pelz, Garten wird ja oft als „Gegenwelt“ zum hektischen und virtuellen Alltag der Menschen empfohlen. Was kann aus Ihrer Sicht ein Garten hier leisten?

Pelz: Tatsächlich ist es ein weitverbreitetes Phänomen: Gestresste Menschen, denen nach einer Woche mit hoher Arbeitsbelastung und ständiger Erreichbarkeit auch das Wochenende nicht reicht, um zur Ruhe zu kommen. Sie wünschen sich Abstand, Pause von der Daueranspannung, Erholung und einen Ort, wo sie nur für sich sein können. Kein Handyklingeln, keine Motorengeräusche, einfach nur weg sein und abtauchen. Vor einiger Zeit hatte ich da eine Idee. Mit „Silent Island“ (der stillen Insel) pflanzen wir solche notwendigen kleinen Auszeiten. Das Pflanzenkonzept steht für die Erholung in der Natur. Inmitten wogender, kleiner oder großer Pflanzenlandschaften gibt es Räume. Wie eingestanzt wirken Holzdecks oder Raseninseln. Sie werden durch Pfade oder Wege mit dem „Außen“ verbunden: Ruheinseln zwischen opulenten Blüten und rauschenden Gräsern. Hier kann man sich ausruhen und Kraft tanken. Das Konzept ist variabel, jedoch in jedem Fall schlicht. Wenngleich großzügig konzipiert, passt es gleichermaßen in kleine wie in große Gärten. Es ist individuell. Kein „Einheitsbrei“. Es passt immer an den jeweiligen Ort. Wir verwenden die robustesten Pflanzen, wie Gräser, Blütenstauden, Kräuter oder Duftpflanzen und kombinieren sie vielfältig. Blütenfülle im Takt der Jahreszeiten – das liegt mir am Herzen. Es soll immer etwas anderes blühen, so dass sich der Eindruck ständig verändert, spannend bleibt und erholsam für Jeden, der die Natur liebt und Ruhe finden möchte.

Wie sieht Ihr Konzept des Gartens als Silent Island bei Firmengärten aus?

Pelz: Auch Mitarbeiter brauchen eine Pause und Firmengärten können hier sehr nützlich sein, zumal eine Pause in schöner Umgebung und an der frischen Luft einfach sehr erholsam ist. Mehr noch, Studien belegen, dass das Naturerleben schon nach kurzer Zeit zur Steigerung des Wohlbefindens führt und das Betriebsklima merklich verbessert, die Kreativität gefördert und die Leistung und die Zufriedenheit der Menschen gesteigert ist. Tatsächlich lässt sich unser Konzept Silent Island auch auf Unternehmen übertragen, die ein repräsentatives Arbeitsumfeld für ihre Mitarbeiter anstreben. Nach dem Ausflug ins Grüne kommen Mitarbeiter gestärkt und ausgeruht zurück an die Arbeit, teilweise finden aber auch Meetings unter freiem Himmel statt oder Geschäftstermine.

Gestaltete Außenanlagen von Firmen werden zudem als Visitenkarten des Unternehmens verstanden und setzen ein persönliches und ökologisches Statement. Sie gelten als zeitgemäß sowie als mitarbeiter- und umweltfreundlich. Diese blühenden Ruheräume haben nur Vorteile, sie sind repräsentativ und bei richtiger Pflanzenauswahl pflegeleicht. Sie sind nützlich als Bienen- und Insektenweide und somit ein Beitrag für die Umwelt, werden direkt als Aufwertung der Arbeitsumgebung wahrgenommen und steigern die Mitarbeiterzufriedenheit.

Was kann man daraus für die Planung und Anlage von Privatgärten übernehmen?

Pelz: Auch der private Garten kann ein wichtiger Ort sein, in dem Menschen zur Ruhe kommen und sich im besten Sinne erden. Für viele ist der eigene Garten sogar der perfekte Ort, um den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Ob Liegestuhl oder leichte Gartenarbeit – draußen sein, frische Luft atmen, dem Vogelzwitschern oder dem Wind in den Blättern lauschen, die Zeit im Garten ist ideal, um den Kopf freizubekommen, Gedanken in Ruhe zu sortieren oder auch einmal an nichts zu denken. Silent Island im kleineren Maßstab kann zum Beispiel bedeuten, weitestgehend auf Rasenflächen zu verzichten, so passt diese Idee in den kleinsten Garten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kein Rasenmähen, das ganze Jahr Blütenpracht, obendrein Kräuter für die Küche ernten oder Schnittblumen für die Vase pflücken und nicht zuletzt attraktive Blütenangebote für Bienen und Schmetterlinge.

Welche Pflanzen haben Sie besonders beeindruckt bzw. verwenden Sie besonders gern bei Ihren Gartenplanungen?

Pelz: Ich verwende Stauden gerne großmaßstäblich oder in großen Gruppen. Mir gefällt einfach die großzügige Wirkung und dass man mit den Pflanzen klare und markante Akzente setzten kann. Insbesondere bei größeren Flächen ist es wichtig, dass sie möglichst einfach zu pflegen sind. Oft kennen sich Menschen ja nicht so sehr gut mit Stauden aus, die Pflanzung muss daher robust und unkompliziert sein. Durch eine großzügige Anordnung entwickeln sich weitestgehend geschlossene und dichte Pflanzendecken. In Frage kommen vorwiegend Arten mit langen Blühzeiten, ähnlichem Konkurrenzverhalten, einem guten Regenerationsvermögen und nur mäßigem Ausbreitungsdrang, sowie einer attraktiven und gesunden Belaubung bis zum Vegetationsende. Wesentliche Faktoren sind dabei Stabilität und Gleichgewicht. Die Pflanzen werden nach ihren Wuchsstrategien ausgewählt und so benachbart, dass eine möglichst dauerhafte, langlebige Pflanzengemeinschaft entsteht. Weitere Kriterien sind Wuchshöhe und ein möglichst dichter, kompakter Habitus. Geeignet sind dabei Arten die durch kurze Ausläufer dichte Teppiche bilden, Pflanzen mit dichtem grundständigem Laub sowie hohe bis halbhohe Stauden. Diese dichte und geschlossene Pflanzendecke wird durch höhere Leitstauden und Gruppenstauden, durch Gräser und durch kleine Gehölze gegliedert. Es entsteht ein strukturiertes und differenziertes Gesamtbild. Pflanzen, die ich immer wieder verwende sind:

  • Japanwaldgras – Hakonechloa macra
  • Schönaster – Kalimeris incisa Madiva
  • Eulaliagras – Miscanthus sinensis Gracillimus
  • Indigilupine – Baptisia australis
  • Prärieampfer – Parthenium integrifolium
  • Dreiblattspiere – Gillenia trifoliata
  • Aromatische Aster – Aster oblongifolius
  • Röhrenstern – Amsonia tabernaemontana var. salicifolia
  • Schmalblättrige Bergminze – Pycnanthemum tenuifolium

Natürlich geht es bei der Gartenplanung nicht nur um Stauden, das Konzept Silent Island lässt sich sinnvoll ergänzen durch geschnittene Hecken aus Eibe, Buche oder Liguster - so bekommt der Garten auch im Winter Struktur. Für sehr große Flächen sind auch freiwachsende Blütenhecken zu empfehlen. Auch malerische Solitärgehölze sollten nicht fehlen, denn sie geben der bepflanzten Fläche zusätzliche Struktur. Für die Gestaltung von Vorgärten gibt es auch wunderschöne kleine Gehölze: Sie haben einen schönen Austrieb, blühen und zieren mit ihren Früchten, färben sich gelb, orange oder rot oder haben eine besonders auffällige Rinde im Winter. Nicht zu vergessen sind Blumenzwiebeln für einen fulminanten Frühling. Wir plädieren für verwilderungsfähige Arten, die im Frühling vor dem Austrieb der Stauden und Gräser blühende Flächen bilden: ein Meer aus Krokussen, Blausternen oder kleinen Narzissen lässt das Gartenjahr früh beginnen. Allerdings sollte üppig gepflanzt werden: mindestens 15 Stück pro Quadratmeter! Was alle Varianten von Silent Island gemeinsam haben ist eine geschlossene Pflanzendecke, in der kleine Ruheräume eingeplant sind. So ergibt sich Ruhe und Abgeschiedenheit vor dem Lärm des Alltags.

Wie sieht für Sie die perfekte Zusammenarbeit mit Landschaftsgärtnern aus?

Pelz: In der Zusammenarbeit mit den Landschaftsgärtnern ist es so, als würde man den Staffelstab übergeben. So entstehen Schnittstellen, Übergangsbereiche die unkompliziert gemeistert werden müssen. Für mich müssen beide Disziplinen zusammenarbeiten. Dann geht es nur in eine Richtung, nämlich im Sinne der Kunden an einem Strang zu ziehen. In meiner Arbeit ist es oft so, dass ich ganz pragmatisch mit den Landschaftsgärtnern kooperiere. Da ich Pflanzen oft selbst vor Ort auslege, ist es zwangsläufig so, dass wir auf der Baustelle zusammenkommen. Hierbei habe ich in zahlreichen Gärten sehr gute Erfahrungen gemacht.

Weiterführende Informationen:

Pflanzplan für einen blühenden Sichtschutz zum Nachbarn: 1. Link

Blogartikel Petra Pelz: Meine zehn Lieblingspflanzen 2. Link

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