Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die „BUGA 23: Plattform“ ist ein Ort der Begegnung, der Vernetzung und des Erfahrungsaustauschs. Expert*innen referieren hier über die Leitthemen der BUGA 23 – Klima, Umwelt, Energie und Nahrungssicherung – und stellen sich im Anschluss den Fragen des Publikums. Am Donnerstag, 28.05.2020 (18 Uhr) spricht Dr. Peter Risser (Südzucker, Leiter Versuchsgut Kirschgartshausen) über die Landwirtschaft der Zukunft. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Vortrag online gestreamt.

Dr. Peter Risser spricht über in der Reihe „BUGA23: Plattform“ am 28.05.2020 den „Landwirtschaft 4.0 – Digitalisierung im Ackerbau“ (Foto: Südzucker AG)

Digitale Techniken bestimmen mehr und mehr die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln. Im Norden Mannheims bewirtschaftet die Südzucker AG die rund 300 Hektar große Staatsdomäne Kirschgartshausen und erforscht dort nachhaltige Produktionstechniken im Zuckerrübenanbau. Geleitet wird das Versuchsgut von Dr. Peter Risser (Jahrgang 1982) Der studierte Agrarwissenschaftler (Schwerpunkt Pflanzenzüchtung an der Universität Hohenheim) gibt Antworten auf Zukunftsfragen der landwirtschaftlichen Praxis.

In der Landwirtschaft hält die Digitalisierung unaufhaltsam Einzug. Wird es den Landwirt, wie wir ihn uns vorstellen, bald nicht mehr geben?

Dr. Peter Risser: Ja, das Bild und die Tätigkeit des Landwirts werden sich stark wandeln. Die Digitalisierung macht nicht Halt vor der Landwirtschaft. Ich denke sogar, dass wir in der Landwirtschaft bereits sehr weit sind. Wir haben schon früh damit begonnen, die Digitalisierung zu nutzen. Einfach deshalb, weil sie Vorteile bringt. Trotzdem glaube ich fest daran, dass der Landwirt mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen sehr wertvoll ist. Denn selbst mit digitalen Hilfsmitteln muss der Pflanzenanbau geplant werden, und es muss entschieden werden, was, wann, wo ausgeführt wird. Der Landwirt ist dann nicht mehr der traditionelle Schlepperfahrer, sondern vergibt verschiedene Dienstleistungen als Auftrag.

Wie kann man sich Digitale Technik in der Landwirtschaft vorstellen?

Eine Schlüsseltechnologie ist das satellitengestützte Navigationssystem GPS (Global Positioning System), ähnlich wie wir sie aus dem Auto kennen. Für das Feld wäre GPS alleine jedoch zu ungenau. Daher nutzen wir zusätzlich die „Real Time Kinematic“-Vermessung. RTK ist ein Korrektursignal, das die GPS-Daten erweitert und ermöglicht, die Position im Feld auf ein bis zwei Zentimeter genau zu bestimmen. Auf dieser Technologie bauen verschiedene Anwendungen auf. Denn wenn man genau weiß, wo etwas im Feld passiert, kann man individuell darauf reagieren. Ein Beispiel ist die Düngung. Bei einem Acker, der ungefähr zehn Fußballfelder groß ist, kann es sein, dass die Pflanzen aufgrund der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit in einem Bereich besser wachsen als in einem anderen. Das lässt sich u.a. auch auf Satellitenbildern beobachten lässt. Mit diesen Daten versorgt, kann der fast autonom fahrende Schlepper dann punktgenau die Düngung dosieren. Da die gesamte Fläche eines Feldes nicht mehr gleichbehandelt wird, ist zudem eine Einsparung von Dünger möglich. Ähnlich läuft es mit der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.

Welche Risiken birgt die Digitalisierung der Landwirtschaft?

Letztlich geben die Landwirte mit der Digitalisierung viele Daten preis. Wir tun uns damit zum Teil schwer. Es kommt die Frage auf: Wollen wir das eigentlich? Zusätzlich steht die Frage im Raum, wie transparent die Digitalisierung gestaltet wird. Weiß man, was mit den Daten passiert? Wem gehören die Daten letztendlich? Denn die digitale Hoheit über Daten gibt Macht und Einfluss. Daher sollte man sich bewusst sein, wem man welche Daten anvertraut und welche Daten einen gewissen Wert haben. So können sich aber auch ganz neue Geschäftsfelder eröffnen, beispielsweise für Landwirte, die selbst Daten erhoben haben und dadurch mit Partnern ins Geschäft kommen können. Man muss klare Regeln schaffen, damit beide Geschäftspartner davon profitieren.

Inwieweit kann die Digitalisierung eine biologische Anbauweise fördern, was den Verbrauchern immer wichtiger wird?

Wir führen sehr viele Versuche durch, die in diese Richtung gehen. Denn wir sehen, dass sowohl die konventionelle als auch die biologische Landwirtschaft gute Ansätze verfolgen. Möglicherweise liegt die Zukunft in einem Zwischenweg der beiden Ansätze. Das GPS-Verfahren und der Einsatz von Robotern können beispielsweise durchaus auch dem Biobauern nutzen – um etwa das maschinelle Unkrauthacken auf Rübenfeldern effektiver zu gestalten, so dass der Landwirt nur noch wenig manuell machen muss.

Welche Chance bietet Ihrer Meinung nach die BUGA 2023 in Mannheim mit Blick auf die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit?

Die Bundesgartenschau hat sich in den letzten Jahren zu einem Veranstaltungskonzept entwickelt, das sehr breit gefasst wird. Mittlerweile ist sie auch ein kulturelles Event, in das die Bürger*innen und Beteiligten miteinbezogen werden. Die BUGA 23 in Mannheim hat sich die Nachhaltigkeit als Leitthema gesetzt – ein Thema, das uns alle betrifft. Ich denke, das ist eine große Chance, viele Menschen zu erreichen und für das Thema zu sensibilisieren.

In der Veranstaltungsreihe „BUGA 23: Plattform“:

Donnerstag, 28.05.2020, 18 Uhr

Landwirtschaft 4.0 – Digitalisierung im Ackerbau

Dr. Peter Risser, Südzucker, Leiter Versuchsgut Kirschgartshausen

Link zum Stream wird am Tag des Vortrags im Sondernewsletter der BUGA 23 verschickt. Anmeldung: siehe Link

 

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