Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Nach den Hitzesommern 2018 und 2019 kommt die aktuelle Dürrephase wenig überraschend. „In den Gärten, viel mehr noch aber im öffentlichen Grün der Städte zeigen sich sehr deutliche Trockenschäden an Bäumen und Sträuchern,“ stellt H. Christian Leonhards, Präsident des Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. fest.

Der Verdunstungskälte kommt beim Herunterkühlen der Städte eine große Bedeutung zu. Deshalb brauchen wir urbane Grün- und Wasserflächen.

Schattenspendende Bäume an Straßen und auf Plätzen sollten wie ein Netz die Städte durchziehen.

Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt den Kommunen Abflussmöglichkeiten von Hochwasser sicherzustellen oder Straßen bzw. öffentliche Plätze so auszubauen, dass sie kurzfristig geflutet werden können. (Fotos: VGL NRW/GPP)

„Die Vegetation leidet offensichtlich, der sogenannte Trockenstress führt bei den Pflanzen zu weitergehenden Schäden und wird auch zu einem zunehmenden Problem für Städte und Gemeinden. Diese Schäden sind längst nicht mehr nur für Fachleute sichtbar, sondern allmählich macht sich auch die Bürgerschaft ernsthafte Sorgen. Mit Appellen zum Gießen ist das Problem nicht mehr beherrschbar.“

Handlungsdruck steigt

Zu den Auswirkungen des Klimawandels gehört eben auch eine veränderte Verteilung der Regenmengen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet für die Zukunft aufgrund der Klimaerwärmung mit noch mehr Stürmen, extremen Regenfällen und langandauernden Hitzewellen. „Längere Trockenphasen mit hohen Tages- und Nachttemperaturen dürften in Zukunft auch hier bei uns zum Normalfall werden“, so Diplom-Meteorologe Sven Plöger, „es gibt zwar nach wie vor eine gewisse Wettervariabilität, aber die Wahrscheinlichkeit für Extremwetter nimmt zu.“

Wenngleich insgesamt die Niederschlagsmengen in unseren Breiten etwa gleich hoch sind, so gibt es eine deutliche Verschiebung, die Städte und Gemeinden zwingt, Maßnahmen zur Klimaanpassung zu entwickeln. So empfiehlt der Deutsche Wetterdienst den Kommunen Abflussmöglichkeiten von Hochwasser sicherzustellen oder Straßen bzw. öffentliche Plätze so auszubauen, dass sie kurzfristig geflutet werden können. Umgekehrt gelte es aber auch, Speichermöglichkeiten zu schaffen, um Verdunstung zu fördern und nicht zuletzt die Versorgung der grünen Infrastruktur sicherzustellen.

Leonhards: „Die Auswirkungen des Klimawandels sind heute bei nahezu allen Entscheidungen der Städteplanung zu berücksichtigen und dabei spielt unsere Branche eine entscheidende Rolle. Schließlich bieten die grüne und die blaue Infrastruktur unserer Städte die wirksamsten Instrumente zur Stadtklimatologie!“

Die Aufgabe ist immens und doch besteht quer über die Fachbereiche Konsens, dass es gilt, mehr lebendiges Grün in die Städte zu bringen: Dach- und Fassadenbegrünung, schattenspendende Bäume an Straßen und auf Plätzen, abwechslungsreiche Pocket-Parks, Wasserflächen und grün-blaue Kaltluft-produzierende Grünflächen sollten wie ein Netz die Städte durchziehen. In vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens sind die Debatten zur Grünen Infrastruktur – als Maßnahmen zur Klimaanpassung und auch zur Sicherung von Naturräumen – zu wichtigen Wahlkampfthemen geworden. Leonhards: „Dabei gibt es nach unserem Eindruck keine parteipolitisch bestimmten Positionen, vielmehr besteht hierzu in allen Fraktionen eine erfreuliche Einmütigkeit.“ Nicht zuletzt die Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen der Corona-Zeit hätten in der Breite der Gesellschaft deutlich gemacht, welchen Wert Gärten und Parks für die Menschen haben.

Maßnahmen und praktische Tipps

Aus meteorologischer Sicht ist klar: „Der bebaute Raum ist eine andere Klimazone als das Umland. Wir müssen unsere Städte herunterkühlen, dabei kommt der Verdunstungskälte eine große Bedeutung zu. Städte brauchen deshalb Grün- und Wasserflächen. Wir müssen uns auch fragen, wieviel Versiegelung darf eine Stadt haben und wie stellen wir die Frischluftzufuhr in Wohngebiete sicher,“ so der fernsehbekannte Meteorologe Sven Plöger im August bei einer Veranstaltung in Kamp-Lintfort. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW sieht die Aufgaben seiner Mitgliedsbetriebe noch weit darüber hinaus im besiedelten und unbesiedelten Bereich. „Denken wir im Zuge der Bauleitplanung an Ausgleichsflächen, die klimawirksam und biodiversitätsfördernd sein müssen,“ so Präsident Leonhards, „oder an Wasserflächen und insbesondere Uferräume, die hier eine besondere Rolle spielen.“ In seinem Positionspapier zur Kommunalwahl 2020 hatte sich der Verband bereits im Frühsommer klar positioniert und sich als Partner der Kommunen angeboten. „Wir machen uns stark für abwechslungsreiche und vielfältig bepflanzte Gärten und Parks, gegen Schotterwüsten im privaten wie im öffentlichen Raum, für mehr versickerungsfähige Oberflächen und plädieren bei Städten und Gemeinden für das Vorbild auf eigenen Flächen und Liegenschaften,“ erinnerte Leonhards.

Es sei an der Zeit, jetzt konsequent nachhaltige Konzepte umzusetzen und so die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden zu unterstützen. Mit Blick auf die Förderprogramme des Bundes und des Landes NRW plädierte er für mehr Mut zu Investitionen in den öffentlichen Raum. „Gelingt es uns, Grün im urbanen und im ländlichen Raum zu stärken und nachhaltig aufzuwerten, wirkt sich das positiv auf unser Klima, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Attraktivität unserer Städte aus. Dafür müssen alle Akteure zusammenwirken. Der Garten- und Landschaftsbau steht bereit!“ Weitere Informationen: siehe Link

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