Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Das Verbot von Schottergärten ist Inhalt des brandaktuell geltenden Biodiversitäts-Stärkungsgesetzes im Land Baden-Württemberg. Welche Gedanke die Landesregierung zu diesem Gesetz hat, aber auch welche Möglichkeiten der landschaftsgärtnerischen Umsetzung sich eröffnen, wurde in einer Podiumsdiskussion am 12.10.2020 an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg (LVG) von fünf Experten sowie Minister Peter Hauk MdL, aus verschiedensten Perspektiven beleuchtet:

Die Referenten von links nach rechts: Volker Schwarz, Abteilungsleiter Grünanlagen der Stadt Heidelberg und Sprecher der AG der Gartenamtsleiter in Baden-Württemberg, Erhard Schollenberger, Vorstand im VGL Ba-Wü e.V., Minister Peter Hauk, MdL, Moderator Peter Menke, Professor Sigurd Henne von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen, Professor Andreas Matzarakis, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes aus Freiburg, Michael Heck, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg.

„Auch kleine Flächen können schon erheblich zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Insekten beitragen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, in Heidelberg anlässlich der Diskussionsrunde Blühende (Vor-)Gärten in Baden-Württemberg ‚Jeder Quadratmeter zählt – für Biodiversität, Artenvielfalt und Klimaanpassung‘.

Erhard Schollenberger, Vorstand im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V., stellt bereits ein Zurückrudern der Kundschaft kurz nach Inkrafttreten dieser Gesetzgebung fest. (Fotos: Jonas Reidel)

„Gärten können einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Ein reich strukturierter Garten mit ausreichend Versteckmöglichkeiten bietet ideale Lebensbedingungen für viele Tierarten. Auch kleine Flächen können schon erheblich zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Insekten beitragen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, in Heidelberg anlässlich der Diskussionsrunde Blühende (Vor-)Gärten in Baden-Württemberg ‚Jeder Quadratmeter zählt – für Biodiversität, Artenvielfalt und Klimaanpassung‘. „Vielerorts ist die Lebensraumvielfalt erheblich zurückgegangen. Die Ausdehnung von Siedlungen, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie der Verlust von Lebensraum und Strukturen in der freien Landschaft und im urbanen Raum sind schlecht für die Artenvielfalt. Damit steigt die Bedeutung von vielfältig strukturierten Flächen im Innenbereich von Städten und

Gemeinden. Denn auch das direkte Wohnumfeld des Menschen birgt ein erhebliches Potenzial, um die biologische Vielfalt zu fördern. Neben dem Lebensraum für Insekten, steigern blühende Gärten auch die Lebensqualität der Menschen“, so der Minister.

Es kommt jedoch auch hier darauf an, was man daraus macht, meinte Michael Heck von der LVG zum Thema Schotter. „Wir Gärtner können mit mineralischen Substraten oder Schotter als Mulchmaterial beispielsweise wunderbare Lebensgemeinschaften mit Stauden schaffen, aber es müssen eben lebendige Gärten sein und keine Steinwüsten.“ Zusammen mit Betrieben aus dem Garten- und Landschaftsbau laufen zurzeit spannende Projekt zum Thema Habitatstrukturen für Bestäuberinsekten, aber auch zur Biodiversität in Gärten.

„Die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz begrüßt dieses Gesetz und die deutschen Kommunen versuchen als Vorbild zu fungieren“, erläutert Volker Schwarz, Abteilungsleiter Grünanlagen der Stadt Heidelberg und Sprecher der AG der Gartenamtsleiter in Baden-Württemberg. Laut Schwarz fragen die Bürger mittlerweile sogar direkt an, was denn nun noch erlaubt sei und was nicht.

Erhard Schollenberger, Vorstand im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V., stellt bereits ein Zurückrudern der Kundschaft kurz nach Inkrafttreten dieser Gesetzgebung fest. Schollenberger ist zudem sehr zuversichtlich, dass das Umdenken in der Bevölkerung mit den entsprechenden Vorbildern in Form von blühenden Vorgärten und Gärten schnell passiert.

„Der Wärmeinseleffekt ist eine Kombination aus lauter kleinen „Mosaiksteinchen“, die aus Vorgarten, Garten, Haus, Straße und Quartier bestehen“, erklärt Professor Andreas Matzarakis, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes aus Freiburg. Städte sind durch ihre versiegelten Flächen einfach wärmer als der ländliche Raum. „Besonders die Dreidimensionalität einer Stadt bringt viel mehr Oberflächen mit verschiedensten Reflektions- und Absorptions-Eigenschaften mit sich“, so Matzarakis. Deshalb ist die Optimierung dieser unterschiedlichen Anteile durch Bäume, Pflanzflächen, Wasser, aber auch durch Dach- und Fassadenbegrünungen besonders wichtig für die Umstrukturierung unserer Städte im Zeitalter des Klimawandels.

„Garten ist Ausdruck des persönlichen Lebensstils und auch der Vorbilder in der Gesellschaft“, so Prof. Sigurd Henne von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Die Hochschule lehrt, dass die Bilder von Landschaften, die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten produzieren, später auch von der Gesellschaft übernommen werden. Vielfalt in jeglicher Hinsicht, funktional, aber auch ästhetisch, das fordert Henne zukünftig nicht nur im privaten Garten, sondern auch von Flächen im Wohnungsbau und im öffentlichen Raum. Das Bild von Freiraum und Stadt wird sich in Deutschland ändern, ist sich Henne sicher.

Veranstalter dieser Diskussionsrunde waren der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. in Kooperation mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

 

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