Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Herbst ist die große Zeit der Gräser. Seit die niederländischen Gartenheroen Piet Oudolf und Henk Gerritsen nachdrücklich und äußerst wirkungsvoll auf die Bedeutung von Gräsern für die natürliche Gartengestaltung aufmerksam gemacht haben, sind einige Jahrzehnte vergangen. Schon in den 1950er Jahren war es der legendäre Karl Foerster, der den Gräsern und Farnen den Einzug in die Gärten prophezeite, doch offenbar brauchte es erst eine neue Zeit, einen anderen Blick und ein ästhetisches Empfinden, das sich wieder stärker an der Natur orientiert.

Sesleria sind in Europa heimisch und eignen sich wirklich gut für die Flächendeckung an sonnigen bis halbschattigen Standorten, die sonst nicht weiter aufwändig in der Pflege sein sollen.

Auch in gemischten Beeten wie hier im öffentlichen Raum als Straßenbegleitgrün im niederrheinischen Kranenburg macht die Sesleria eine ganzjährig grüne Bodendeckung, die wenig Pflege beansprucht. . (Fotos: elegrass)

Heute sind Gräser in jedem Garten zu finden. Der geschorenen Einfalt des Rasens, dessen Pflege heute in vielen Gärten ein Roboter übernimmt, wollen wir nicht das Wort reden. Der Rasen wurde vermutlich viele Jahre ästhetisch überschätzt und in heutiger Zeit ist es um ihn nicht so gut bestellt. Eine artenreiche Wiese ums Haus war in den 1980er Jahren noch undenkbar, heute werden Flächen abgemagert und Wildblumen eingesät, denen ökologisch überzeugte Könner dann lediglich zweimal im Jahr mit der Sense zu Leibe rücken. Alles hat seine Zeit und die Gräser als Gestaltungselement im Garten haben derzeit die ihre. Zwischen Rasen und Wildblumenwiese gibt es viel Raum für pflegeleichte Graslandschaften, vor und hinter dem Haus.

Robust und bescheiden

Gräser sind die am weitesten verbreiteten Pflanzen überhaupt, was aber nicht heißt, dass sie auch am bekanntesten sind. Viele von ihnen sind einfach da, ohne dass die meisten von uns sie überhaupt benennen könnten. Es gibt sie in der Natur überall – in der freien Landschaft, am Wald- und Wegesrand, an Gewässern - und längst wird ein breites Sortiment gärtnerisch kultiviert und vom spezialisierten Facheinzelhandel, Gartencenter, dem Baumarkt bis hin zum Discounter angeboten. Die Nachfrage ist groß. Und Gräser sind in der Tat ganz besondere Pflanzen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen: Sie sind sehr anpassungs- und widerstandsfähig, oft unscheinbar, und die meisten gedeihen ohne großes Spektakel. Da sie vom Wind bestäubt werden, dürfen sie bescheiden auftreten. Sie müssen nicht einmal Insekten mit grandioser Farbenpracht oder mit betörendem Duft beeindrucken.

Jetzt im Herbst geben viele Gräser ihr Bestes, fangen filigran Wind und Licht, schaffen ein wogendes Umfeld für Stauden oder harmonische Übergänge zu harten Wegen, Zäunen, Wänden oder Mauern. Um solche Gräser soll es in dieser Geschichte nicht gehen, sondern um eine Gattung, die leicht übersehen wird und die mit guten Gründen mehr Beachtung vertragen könnte, meint Klaus Peters, Stauden- und Gräsergärtner in Kranenburg am Niederrhein. Ihn haben wir nach unterschätzten Gräsern mit Potential gefragt und seine spontane Antwort war das Blaugras, Sesleria, das es in verschiedenen Arten, u.a. als Moor-Kopfgras (Sesleria caerulea), Grünes Kopfgras (Sesleria heufleriana), Herbst-Blaugras (Sesleria autumnalis) oder als Nest-Kopfgras (Sesleria nitida) gibt.

Was ist denn so besonders am Blaugras?

„Nicht jeder hat einen weitläufigen Präriegarten mit einer ausgeklügelten Pflanzplanung von Stauden, Gräsern, Blumenzwiebeln und Gehölzen. Viele unserer Kunden haben kleine Gärten und die brauchen für manche Teile im Garten einfach eine praktische, ansprechende Bodendeckung oder eine Wegeinfassung, mit Pflanzen, die auch im Winter grün sind und die einmal gepflanzt wenig Arbeit machen“, so Klaus Peters. Sesleria sind in Europa heimisch und eignen sich wirklich gut für die Flächendeckung an sonnigen bis halbschattigen Standorten, die sonst nicht weiter aufwändig in der Pflege sein sollen. Diese Gräser bilden polsterartige Blatthorste. Sie sind äußerst anpassungsfähig, kommen mit trockenen Böden zurecht und selbst „nasse Füße“ machen ihnen nichts aus. Sesleria autumnalis, das Herbst-Blaugras, empfiehlt sich für eine geschlossene Decke auf größeren Flächen. Die frischgrünen Blätter - der amerikanische Gräserpapst John Greenlee schwärmt von einer grünen Farbe wie beim Chartreuse, dem französischen Aperitif! - sind dekorativ und die silbrig-weißen Blütenrispen trotzen auch der kalten Jahreszeit. Das Gras bleibt also den ganzen Winter über grün und vital und treibt bereits früh im Jahr neu aus. Das Laub schützt die Pflanzen vor Frost. Geputzt bzw. geschnitten werden die immergrünen Horste erst im Frühjahr, dann wenn es braune Blätter gibt, das motiviert das Gras zu neuem Wachstum. Diese Arbeit kann, aber muss nicht sein. Mit diesen Sesleria entsteht eine geschlossene Grasdecke, die weder Rasen noch Wiese ist, sondern eher an einen weichen, hochflorigen, aber dennoch robusten Teppich erinnert.

Je nach Standort lässt sich das Gräserfeld jetzt im Herbst auch mit Blumenzwiebeln, z.B. mit verwildernden botanischen Tulpen interessant machen. Einfach ein paar Handvoll ins Beet gestreut und dort eingegraben, wo die Blumenzwiebeln hingefallen sind. Je nach Sortenauswahl lassen sich so im Frühjahr sehr abwechslungsreiche, vorübergehende Gartenbilder schaffen. Mit Zierlaucharten im späten Frühjahr gelingt dies auch sehr eindrucksvoll. Das Blaugras selbst ist niedrig und kommt den Frühblühern nicht ins Gehege. Wir finden, die Kombination mit Blumenzwiebeln ist auch eine gute Idee für wintergrüne Kübel und extra kleine Vorgärten! Grün statt Grau! Weitere Informationen und Inspirationen zu Gräsern: siehe Links

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