Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Krankheiten und Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems verursachen gut ein Fünftel aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland. Sie gehören auch zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten. Zielgerichtete Prävention solcher Gesundheitsprobleme setzt voraus, dass sich die zugrundeliegenden körperlichen Belastungen so genau wie möglich erfassen und beurteilen lassen.

Krankheiten und Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems verursachen gut ein Fünftel aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland. (Bild: Kaj Kandler/kombinatrotweiss.de)

Dabei hilft ein neues Methodeninventar (siehe Link), das ein Forschungsverbund um das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) erarbeitet hat: Arbeitsbezogene Gefährdungen des Muskel-Skelett-Systems lassen sich damit auch dann präzise bestimmen, wenn die Belastungen komplex sind und einfache Screening-Verfahren nicht mehr ausreichen.

Im Jahr 2018 entfielen laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales 125 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Im selben Jahr registrierte die gesetzliche Unfallversicherung 457 neue anerkannte Berufskrankheiten allein aufgrund von bandscheibenbedingten Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Heben, Tragen und Zwangshaltungen des Oberkörpers. Neben den damit verknüpften volkswirtschaftlichen Kosten bedeuten Schädigungen des Bewegungsapparates durch körperliche Fehlbelastungen bei der Arbeit immer auch einen Verlust von Lebensqualität für die Betroffenen.

„Belastungssituationen in der Praxis, die das Muskel-Skelett-System fordern, sind oft sehr komplex und lassen sich dann nicht mit einfachen, beobachtungsbasierten Methoden erfassen“, sagt Dr. Britta Weber, Projektverantwortliche beim IFA. „Andererseits wissen wir: Je präziser die Belastungsermittlung, desto genauer die Gefährdungsbeurteilung und desto zuverlässiger die Ableitung wirklich wirksamer Maßnahmen.“

In einem arbeitsteiligen Gemeinschaftsprojekt "Mehrstufige Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz - MEGAPHYS" stellte das IFA verfügbare Methoden auf den Prüfstand, zusammen mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), dem Institut für Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Darmstadt (IAD) und dem Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund (IfADo).

Weber: „Wir haben gemeinsame Bewertungsmaßstäbe und ein abgestimmtes Risikokonzept für alle Verfahren definiert, die bestehenden Verfahren verbessert, sie um neue Anwendungsfelder ergänzt, die Methoden untereinander stärker vernetzt und alle Instrumente nicht nur im Labor, sondern auch in einer großen Feldstudie an 200 Arbeitsplätzen mit 800 Beschäftigten erprobt und validiert.“

Das IFA erarbeitete und evaluierte in diesem Rahmen Bewertungsalgorithmen für messtechnisch ermittelte Muskel-Skelett-Belastungsdaten. Die Algorithmen basieren auf der biomechanischen Analyse von Bewegungen und Kräften und der leistungsphysiologischen Betrachtung von Anpassungsreaktionen des Körpers auf die Belastung. Nun liegen insgesamt 28 Bewertungsverfahren für verschiedene Körperregionen vor: vom Nacken bis zum Knie sowie für das Herz-Kreislauf-System.

Das mit Projektabschluss verfügbare Methodeninventar lässt unterschiedlich detaillierte Beurteilungen für unterschiedlich komplexe Arbeitsaufgaben zu. Damit haben Fachleute aus Ergonomie, Medizin und ähnlichen Disziplinen ab sofort die Möglichkeit, Muskel-Skelett-Belastungen jeder Art präzise zu beurteilen und auf dieser Grundlage wirksame Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

 

 Links zu diesem Thema:

  • https://www.dguv.de/ifa/publikationen/reports-download/reports-2020/dguv-report-3-2020/index.jsp

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