Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Es gibt Berufe, die kennen Jugendliche lediglich vom Hörensagen. Mit anderen hatten sie dagegen schon Berührungspunkte und dennoch … so richtig vorstellen, wie der Alltag in diesen Branchen aussieht, können sie sich meist nicht.

Die Mittelstufen-Klasse des Paul-Ehrlich-Berufskollegs in Dortmund fasst aktuell 30 GaLaBau-Auszubildende im zweiten Jahr. Sie alle begeistert an ihrem Beruf vor allem die Teamarbeit, das praktische und kreative Arbeiten an der frischen Luft sowie die Vielfalt der Tätigkeiten und Einsatzorte.

Begeisterte Nachwuchskräfte des GaLaBaus: (v. l.) Nico Biermann (17), Leon Scharmacher (22), Torben Schermuly (21), Paula Wichtmann (19) und Pius Raabe (19). Fotos: BGL

Das macht die Entscheidung, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll, für viele schwierig. Wie also findet man den Beruf, der zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt? Wir haben uns mit jungen Nachwuchskräften des Garten- und Landschaftsbaus getroffen und sie gefragt, was ihnen bei der Entscheidung geholfen hat.  

Keine Stereotypen zulassen  

Die Mittelstufen-Klasse des Paul-Ehrlich-Berufskollegs in Dortmund fasst aktuell 30 Schülerinnen und Schüler zwischen 17 und 22 Jahren. Sie alle sind Auszubildende im zweiten Jahr und haben bereits zahlreiche Einblicke in den Beruf des Landschaftsgärtners bekommen, erinnern sich aber auch noch gut an den Übergang von der allgemeinbildenden Schule. „Man ist bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium noch sehr jung. Daher fällt es so schwer, das Richtige für sich zu finden“, sagt Paula Wichtmann (19). „Hinzu kommt, dass es immer noch das Klischee von typischen Männer- und Frauenberufen gibt – das erschwert es zusätzlich, weil es die Optionen einschränkt.“ Paula ist eine von nur zwei Frauen in der Berufsschulklasse für angehende „Gärtner/innen Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau" und das seien deutlich zu wenige, betont sie. „Der Job macht wirklich Spaß und ist definitiv nicht nur etwas für Männer!“ Ihre Mitschüler nicken und bestätigen das aus dem Arbeitsalltag in ihren Betrieben.  

Praktika helfen am meisten  

Doch wie findet man den passenden Job – auch jenseits der Stereotype? Bei einem sind sich die angehenden Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner einig: Es wird viel getan, um Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen! Besuche bei der Bundesagentur für Arbeit, Berufsinformationstage an den Schulen, Berufswahlpässe als Orientierungshilfe und auch Ausflüge zu Ausbildungsmessen … doch im Großen und Ganzen sei all das eher theoretisch und deshalb Eigeninitiative gefragt! Mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden absolvierten bereits vor ihrem Abschluss verschiedene Praktika, auch über die Pflichtpraktika der Schulen hinaus. Einige nahmen sich nach der Schulzeit einige Wochen, um gründlich herauszufinden, was zu ihnen passt und was nicht ... und ganz nebenbei für die spätere Bewerbung Pluspunkte zu sammeln.  

„Ich habe während der Schulzeit mit dem Gedanken gespielt, eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann zu absolvieren, merkte aber während einer viermonatigen Praxiserfahrung sehr schnell, dass solch ein typischer Bürojob einfach nichts für mich ist“, erzählt Leon Scharmacher (22), der sich nach dieser Erfahrung bewusst für die praktische Tätigkeit in der Natur entschied. Jetzt als angehender Landschaftsgärtner merke er, dass er viel ausgeglichener und ausgelasteter sei. Bäume pflanzen, ein Staudenbeet anlegen – das mache ihm besonders viel Spaß, auch im wechselhaften Herbst. „Man kennt ja den Spruch: 'Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung!' Den kann ich nur unterstreichen. Wenn man sich richtig anzieht, tut die Arbeit an der frischen Luft einfach nur gut.“ In diesem Punkt pflichtet ihm sein Klassenkollege Torben Schermuly (21) bei: „Das Verständnis für das Wetter hat sich geändert, seit ich die Ausbildung mache. Ich bewerte es nicht mehr so wie früher, und empfinde es nicht mehr auf dieselbe Weise: Regen beispielsweise ist jetzt nicht mehr nervig, sondern gut für die Erde und die Pflanzen, vor allem nach einem heißen, trockenen Sommer.“  

Zeit nehmen für die Entscheidung  

Auch Torben wusste nicht sofort, in welche Richtung es nach dem Schulabschluss gehen sollte. Auf dem Gymnasium seien zwar Berufsinfotage zur Orientierung durchführt worden, aber dabei fehlte ihm der Input für praktische Ausbildungswege. „Abitur bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass man sofort studiert oder sich ausschließlich für Bürojobs interessiert“, so der 21-Jährige. „Für mich sind die Pflege von Grünflächen, das Bauen von größeren Projekten und dabei vor allem die körperlichen Tätigkeiten genau richtig.“ Trotzdem könne er sich in einigen Jahren auch eine Arbeit vorstellen, bei der er zusätzlich Planungen erstellt und zeitweise am Schreibtisch sitzt. „Es gibt so viele Weiterbildungsmöglichkeiten und Spezialisierungen in unserem Berufszweig und auch ein anschließendes Studium ist eine Option – ich muss mich gar nicht direkt festlegen und kann flexibel bleiben. Das gefällt mir!“, hebt er hervor. Schülerinnen und Schülern im letzten Jahr rät Torben, sich auch mit Branchen zu beschäftigen, die vielleicht nicht sofort auf der Hand liegen und sich für die eigene Berufswahl ausreichend Zeit zu lassen. Er habe zum Beispiel während seines Bundesfreiwilligendienstes viel nachdenken und sich über seine Zukunft klar werden können.  

Sich schon früh mit dem eigenen Werdegang zu beschäftigen, rät auch Thomas Wiemer, Referent für Nachwuchswerbung und Weiterbildung beim Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (AuGaLa): „Was gefällt mir? Wo liegen meine Talente? Bin ich eher der Teamplayer oder der Einzelgänger? Möchte ich eher drinnen oder draußen aktiv sein? All das sind Fragen, für die braucht man Ruhe und Zeit und auch praktische Erfahrungen. Daher machen Praktika während der Ferien wirklich Sinn! Sie geben den Jugendlichen realistische Einblicke in den Berufsalltag und auch die Möglichkeit, sich selber und die eigenen Fähigkeiten besser kennenzulernen. Darüber hinaus kann man einen potenziellen Ausbildungsbetrieb näher in Augenschein nehmen und dort zugleich einen guten Eindruck hinterlassen. Das erleichtert die spätere Bewerbungsphase.“

Online informieren  

Die Vielfalt an Tätigkeiten im GaLaBau heben auch die Auszubildenden der Berufsschulklasse hervor: „Mir gefallen vor allem die Großprojekte, bei denen man schnell Ergebnisse erzielt und am Ende stolz auf das sein kann, was man geschafft hat“, sagt Pius Raabe (19). Nico Biermann (17) sieht es ähnlich: „Arbeiten mit großen Maschinen sind mein Ding! Aber auch den Bereich der Dachbegrünung finde ich spannend. Auf die Pflege von Gärten könnte ich dagegen eher mal verzichten.“ „Ich sehe das ganz anders“, widerspricht Leon und ist überzeugt: „Pflanzen und ihre Pflege sind gerade das Beste an unserem Job!“ So unterschiedlich die Ansichten – so unterschiedlich der Beruf … wer sich ein eigenes Bild machen möchte, dem sei die Website empfohlen (siehe Link). Dort gibt es zahlreiche Informationen rund um den spannenden Beruf des Landschaftsgärtners, Kontakte zu Ansprechpartnern für individuelle Fragen und auch eine Online-Betriebssuche für Praktika und Ausbildungsstellen.

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