Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Ende Januar 2021 hat das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) eine im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte Studie veröffentlicht: „Monitor Nachhaltige Kommune - Bericht 2020: Schwerpunkt Klima und Energie". Hierin sind sowohl Bewertungen aus Sicht der Kommunen wie aus Sicht der Bürgerschaft enthalten.

NRW hat aber auch Landesteile mit überwiegend ländlicher Struktur und großen Waldgebieten. (Foto: VGL NRW/GPP)

Cornelia Rösler, Leiterin des Forschungsbereichs Umwelt am Difu-Institut (Foto: Peter Himsel/Difu)

Leif Harzer, Präsidiumsmitglied im VGL NRW: "Die Corona-Pandemie hat in den Städten und Gemeinden auch die Debatten um Stadtentwicklung, kommunalen Gesundheitsschutz und Klimaanpassung verändert." (Foto: VGL NRW/GPP)

Bemerkenswert ist in diesem Kontext auch das Ergebnis der jährlich bundesweit durchgeführten Difu-Befragung der Oberbürgermeister/innen: Zum ersten Mal wurde demnach der Klimaschutz als wichtigstes Zukunftsthema für die Kommunen identifiziert. Hierzu H. Christian Leonhards, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. (VGL NRW): „Wir begrüßen es außerordentlich, dass die Kommunen dieses Thema zentral stellen. Denn die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich jeden Tag im öffentlichen Grün der Städte und Gemeinden wie auch in privaten Gärten und der Handlungsbedarf ist immens."

Mit dem Ziel einer zukunftsfähigen und klimaangepassten Stadtentwicklung müsse eine strategische Entwicklung und Modernisierung der grün-blauen Infrastruktur erfolgen, so die Position des Verbandes. Da der Bestand an urbanen Grün- und Freiräumen selbst unter den Auswirkungen des Klimawandels leide, sei es vorrangig wichtig, die Vitalität und Funktionsvielfalt der Pflanzen zu erhalten. Darüber hinaus müsse zur Sicherstellung einer guten Kalt- und Frischluftversorgung die Vernetzung bestehender Grün- und Freiräume verbessert werden. 

Gemeinsames Vorgehen gefragt

Leif Harzer, Präsidiumsmitglied im VGL NRW: „Die Corona-Pandemie hat in den Städten und Gemeinden auch die Debatten um Stadtentwicklung, kommunalen Gesundheitsschutz und Klimaanpassung verändert. Man hat erkannt, dass öffentliche Grün- und Freiräume der Städte und Gemeinden ganz wesentlich dazu beitragen, dass die Menschen einen Ausgleich zu den Alltagsbeschränkungen hatten sowie Naturerfahrung und Begegnungsmöglichkeiten nutzen konnten."

Laut den aktuell von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Ergebnissen einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung des Meinungsforschungsinstituts KANTAR und des Difu gibt mehr als die Hälfte der befragten Bürger/innen (55 Prozent) an, dass sie die Folgen des Klimawandels bereits heute in ihrer Stadt oder Gemeinde spüren. Zwei Drittel der Befragten sehen den Klimawandel als Bedrohung an. Die Befragung hat allerdings auch ergeben, dass ein großer Teil der Bürger/innen mit den kommunalen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung noch unzufrieden ist. Dennoch: „Der Bedeutungszuwachs in der Bevölkerung ist wichtig für die Akzeptanz von Klimaaktivitäten der Kommunen", betont Cornelia Rösler, Leiterin des Forschungsbereichs Umwelt am Difu, „Unterstützung und Mitwirkung möglichst aller Akteure vor Ort in Kombination mit den aktuell guten Förderangeboten von Bund und vielen Ländern sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der nächsten notwendigen Schritte Richtung Klimaneutralität." 

Was geschieht in Nordrhein-Westfalen? 

Nordrhein-Westfalen ist ein Bundesland mit einem hohen Urbanisierungsgrad, insbesondere in der hochverdichteten Metropolregion Rhein-Ruhr. NRW hat aber auch Landesteile mit überwiegend ländlicher Struktur und großen Waldgebieten. „Wir sind stolz auf die regionale und landschaftliche Vielfalt unserer Heimat und sehen eine große Verantwortung darin, diese zu erhalten und zu fördern", so Harzer. Das Land NRW hat verschiedene Förderprogramme aufgelegt und trägt mit Veranstaltungen, Veröffentlichungen und nicht zuletzt mit Beratungsangeboten dazu bei, dass Kommunen, Unternehmen und Privathaushalte für Klimaschutz und Klimaanpassung aktiv werden. „Es ist eine globale Aufgabe, zu der aber jeder und jede aufgefordert sind, einen Beitrag zu leisten", bringt Harzer es auf den Punkt. „Der GaLaBau hat hierbei eine besondere Rolle, denn unser Arbeitsfeld der grün-blauen Infrastruktur ist in vielfacher Weise klimarelevant."

Von der Anpassung der Pflanzensortimente auf mehr Hitze- und Trockenresistenz, über die Materialauswahl bei Wegen und Plätzen bis hin zu großflächigen Geländegestaltungen und der Renaturierung von Gewässern oder der Dach- und Fassadenbegrünung sind Landschaftsgärtner gefragt. All diese Maßnahmen wirken sich direkt und indirekt auf das Klima vor Ort aus, sie dienen einem verbesserten Wassermanagement und schaffen oder erhalten Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Harzer: „Gemeinsam mit Kommunen, Institutionen und Unternehmen tragen wir dazu bei, nachhaltige Konzepte umzusetzen und so die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Weiterentwicklung unserer Städte und Gemeinden zu unterstützen." Weitere Informationen: siehe Links 

 

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