Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Ein wahres Prachtexemplar eines Blumenhartriegels wächst im Botanischen Garten. Ungefähr 60 Jahre alt ist der Baum und jetzt im Mai blüht er überschäumend in Rosa – und doch ist die Blütenpracht in Wirklichkeit nichts als ein Täuschungsmanöver der Natur. Mehr zu den aktuellen Blühereignissen im Botanischen Garten Karlsruhe bietet die Internetseite www.botanischer-garten-karlsruhe.de.

Fotos: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg / Thomas Huber

Der Hartriegel hat viele Gesichter

Der Hartriegel, Cornus, wächst vor allem auf der nördlichen Halbkugel und in gemäßigten Klimazonen. Viele Unterarten sind bekannt – und viele haben als Schmuckstrauch in den Gärten Einzug gehalten. Es gibt auch einheimische Cornus-Arten: Eines der bekanntesten Hartriegelgewächse, weit verbreitet in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Hecken ist die Kornelkirsche. Der Strauch blüht in einem hellen Gelb und so früh, dass er als Farbtupfer unter der noch kahlen Vegetation deutlich auffällt. Im Sommer färben sich die essbaren Früchte leuchtend rot – und sie sehen Kirschen sehr ähnlich, die Kornelkirsche ist aber nicht mit diesem Obstbaum verwandt.  

Blüte ganz früh im Jahr

Während die Blüten der wilden Kornelkirschen vor allem dadurch auffallen, dass sie sich schon früh öffnen, aber im Einzelnen eher unscheinbar und klein sind, entfalten die Blumenhartriegel eine üppige Pracht. Ein besonders auffallendes Exemplar dieser Cornus-Unterarten steht im Botanischen Garten Karlsruhe. Es ist ein Cornus florida ‚Rubra‘, ein rötlich blühender Hartriegel, wie der botanische Pflanzenname sagt.  

Ein Täuschungsmanöver der Natur

„Mit den rosafarbenen Blüten täuscht uns die Natur“, erklärt Thomas Huber, der Leiter des Botanischen Gartens. Die auffallenden Blütenstände sind in Wirklichkeit nur Scheinblüten: Es sind sogenannte Hochblätter, die auf die eigentliche Blüte aufmerksam machen. Sie sitzt im Zentrum von jeweils vier der auffällig gefärbten Hochblätter und ist selbst eher unscheinbar. Die Hochblätter haben Signalwirkung: Sie sollen Insekten auf die Blüten aufmerksam machen. „Der Blumenhartriegel kann bei uns über mehrere Wochen blühen, bis zu einem Monat leuchten seine Blüten“, sagt Thomas Huber.  

Genutzt seit der Steinzeit

Während der Blumenhartriegel ein reiner Zierstrauch ist, können andere Vertreter der Cornus-Familie auch genutzt werden: Heute ist das allerdings fast vergessen. Das Holz der Kornelkirsche ist besonders hart und zäh und wurde daher traditionell benutzt, um etwa Holzhämmer herzustellen. Auch für Spazierstöcke eignet sich das Cornus-Holz. Die Früchte der Kornelkirsche finden sich schon in den Ausgrabungen steinzeitlicher Siedlungen. Man kann sie roh essen, ihren vollen Geschmack entfalten sie aber vor allem, wenn man sie zur Marmelade verarbeitet – oder Schnaps daraus brennt.  

Anspruchloser Gast im Garten

Wie alle Hartriegel ist auch der Blumenhartriegel ein langsam wachsender Strauch. Erst nach Jahrzehnten erreicht er die Größe eines kleinen Baumes. Das stattliche Exemplar im Botanischen Garten ist, so schätzt der Gartenleiter, etwa 60 Jahre alt. In diesem Alter erreicht der Hartriegel eine Höhe von bis zu acht Metern. „Für den Garten kann man einen Hartriegel empfehlen“, ergänzt Thomas Huber. „Der Strauch liebt einen vollsonnigen Standort, hat aber ansonsten keine besonderen Ansprüche. Wenn möglich sollte der Strauch nicht beschnitten werden.“

Das Freigelände des Botanischen Gartens Karlsruhe ist geöffnet. Die Gebäude und Schauhäuser sind aufgrund der aktuell immer noch hohen Inzidenzwerte gemäß der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg geschlossen.

 

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