Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Das Interview führte Claudia Schönmüller, LWG Veitshöchheim

Fast wie im Paradies: Vitamine frisch vom Baum genießt Gartenbotschafter Hubert Siegler, Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, am liebsten in der grünen Hängematte. (Foto: © LWG Veitshöchheim)

Herr Siegler, was bedeutet Gartengenuss für Sie?

Gartengenuss umfasst für mich alle Sinne: Neben dem Erleben von Pflanzen und Tieren im Jahresverlauf schätze ich den Duft von Kräutern und Blumen. Und vor allem in einem Obstparadies wie dem Versuchsgelände Am Stutel genieße ich den Geschmack voll reifer Früchte und Beeren. Das versüßt natürlich den Arbeitsalltag.

Was bedeutet es für Sie selbst Obst, Gemüse und Kräuter im Garten anzubauen?

Ich finde, das gehört zum Leben irgendwie dazu. Anbauen und ernten, was man gerne mag und was im Garten gut funktioniert. Frisches, saisonales und unbehandeltes Obst, Gemüse oder Kräuter zu verarbeiten und kurze Wege von der Ernte auf den Tisch garantieren, dass wir viel von den gesunden und wertgebenden Inhaltsstoffen mit der Nahrung aufnehmen können. Es gibt mir ein gutes Gefühl, mich gesund zu ernähren und durch eine gewisse Selbstversorgung einen Beitrag zur Umweltschonung zu leisten.

Was macht das Versuchsgelände der LWG so besonders?

Hier im Demonstrationsgarten steht eine Vielzahl von Sorten aller wichtigen Obstarten. Hinzu kommen seltene und für uns neue Arten wie Indianerbanane, Feige, Gojibeere, Kornelkirsche. Das Sortiment mit krankheitstoleranten Sorten ist wichtig für einen umweltschonenden Anbau im Hausgarten und die Basis unserer Empfehlung für die Freizeitgärtner. Diese Empfehlungen sind auch wichtig für die Baumschulwirtschaft, damit diese die entsprechenden Sorten für den Obstliebhaber vorhalten.

Welche persönliche Verbindung haben Sie zu diesem Garten?

In den 25 Jahren, in denen ich den Erwerbs- und Freizeitobstbau betreut habe, haben wir auf dem Gelände die wichtigsten Sorten für den Freizeitgärtner zusammengestellt. Die Obstgehölze sind quasi meine Kinder! Bei Führungen und Seminaren informieren wir die Besucher aus erster Hand über neue Entwicklungen und Trends. Es freut uns, wenn die Freizeitgärtner zu Hause die geprüften Obstsorten verwenden und auch unsere fachlich fundierten Pflegehinweise umsetzen.

Was verbindet Sie mit der Region?

Hier trifft Obst und Gemüse auf Wein, Wald und Kultur. Durch das milde Klima in dieser Region wachsen neben Wein und Tafeltrauben alle Obstarten. Das hat Tradition – so haben bereits die Fürstbischöfe in der Würzburger Residenz und im Rokokogarten Veitshöchheim sehr viel Wert auf den Anbau von Obst und Gemüse gelegt, um ihren Speiseplan zu erweitern. Heute sind diese Gärten den alten Plänen nachempfunden, sodass die Besucher einen guten Eindruck über die verschiedenen Nutzbereiche in den Parks erhalten. Ganz in der Nähe gibt es den Astheimer Quittenpfad. Er entstand im Rahmen eines Rekultivierungsprojektes für Quitten und hat damit einer fast in Vergessenheit geratenen Obstart wieder zu einer großen Bekanntheit verholfen.

Welche Obstarten mögen Sie besonders?

Vor allem schätze ich den Apfel, der mit seiner Vielzahl an Sorten unterschiedlichen Geschmacks viel Abwechslung bietet. Aber natürlich auch die anderen Obstarten, die viele Möglichkeiten der Verarbeitung bieten. Nichts geht über einen saftigen Obstkuchen

 

Empfohlen für Sie: