Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Gemeinsam mit fünf weiteren waldreichen Mitgliedsstaaten der EU – Österreich, Frankreich, Slowakei, Finnland, Schweden – hat Bundeswaldministerin Julia Klöckner eine Gemeinsame Erklärung in Wien unterzeichnet. Anlass sind aktuelle Vorschläge der EU-Kommission zur Waldstrategie der EU für 2030, die Planungshoheit für Wälder zu übernehmen und zentral verbindliche Vorgaben für die Mitgliedstaaten vorzusehen. Dieser Ansatz wird von den Unterzeichnern der Erklärung entschieden abgelehnt.

Klöckner und Köstinger auf der Forstministerkonferenz (Bild: BMLRT/Paul Gruber)

Julia Klöckner: „Die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland und Europa ist eine Erfolgsgeschichte. Vor allem, weil wir auf das große Wissen der Fachleute vor Ort setzen und auf ein klares Leitbild: Die Wälder bei uns werden angesichts ihrer vielen Leistungen für die Umwelt, die Biodiversität, die Wirtschaft, das Klima und die Gesellschaft nicht nur nachhaltig, sondern multifunktional bewirtschaftet. Es geht gleichrangig um Ökologie, Ökonomie und die soziale Frage. Nur so nutzen wir das gesamte Potential. So ist etwa das vermehrte Bauen mit Holz aktiver Klimaschutz, weil CO2 langfristig gebunden wird. Ebenso tragen regionale Wertschöpfungs- und Lieferketten zur Verminderung von Emissionen bei.   Es ist daher notwendig, die regionale Forstkompetenz und damit eine aktive nachhaltige Waldbewirtschaftung weiter zu stärken. Hier werden die Waldminister Europas grenzüberschreitend Führung übernehmen. Was wir dagegen nicht brauchen, ist mehr bürokratischer Blätterwald aus Brüssel. Es schadet der Akzeptanz und vor allem unseren Wäldern, wenn in der EU-Waldstrategie über die Köpfe der lokalen Fachleute hinweg entschieden werden soll. Wir stellen uns daher klar gegen die Aufweichung des Subsidiaritäts-Prinzips in diesem Bereich.“

Die drei Hauptforderungen der Ministerinnen und Minister umfassen:

  1. Stärkung der nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung.
  2. Stärkung der Praktiker: Wissen und Expertise der lokalen und regionalen Forstfachleute abfragen und nutzen.
  3. Stärkung der Zusammenarbeit: Förderung von Kooperation und Koordination zwischen, sowie gemeinsamer Aktivitäten von EU-Mitgliedsstaaten

Der Wald in Deutschland

Deutschland ist eines der waldreichsten Länder Europas. Rund ein Drittel ist bewaldet. Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden. Dabei prägen Mischwälder mit einem Flächenanteil von 76 Prozent den deutschen Wald, was auch mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Die jüngeren Wälder (bis 20 Jahre alt) sind zudem zu 85 Prozent aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen. Doch: Die Extremwetter der vergangenen drei Jahre stellen als Folge des Klimawandels eine Zäsur in dar. Stürme, Dürre und der Borkenkäfer haben zu massiven Schäden geführt. Rund 280.000 Hektar müssen wiederbewaldet werden. Bundesministerin Klöckner hat daher in ihrer Amtszeit das größte ökologische Waldumbauprogramm in der Geschichte Deutschlands gestartet: mit 1,5 Milliarden Euro forciert das Bundesministerium den Umbau der Wälder hin zu klimastabilen und standortangepassten Mischwäldern. Und das schon jetzt mit großem Erfolg: 98 Prozent der wiederaufgeforsteten Wälder sind Mischwälder mit einem Laubbaumanteil von mindestens 50 Prozent.  

Zudem hat die Bundesministerin ein Modell zur Honorierung der Klimaschutzleistung der Wälder vorgelegt. Denn jährlich entlastet der deutsche Wald die Atmosphäre um etwa 62 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Darum sollen diejenigen langfristig unterstützt werden, die den Wald als maßgeblichen Klimaschützer erhalten, pflegen und bewirtschaften. Als Anschubfinanzierung würden bereits 200 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) zur Verfügung stehen.  

 

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