Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

In diesen Wochen denken viele Menschen zurück an die verheerenden Flutkatastrophen aus dem Juli 2021, deren Folgen vor allem an Ahr und Erft noch heute sichtbar sind. Derzeit ist es das andere Extrem, anhaltende Hitze und Trockenheit führen zu gesundheitlichen Belastungen und erheblichen Problemen im Alltag. Auf dem Land und in Städten zeigen sich inzwischen die Auswirkungen des Klimawandels überdeutlich - auch mit enormen wirtschaftlichen Schäden und horrenden Kosten.

Auch im Privatgarten: Regenwasser soll nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern gespeichert und genutzt werden.

Gerade im hochverdichteten NRW sind Anpassungen in der grün-blauen Infrastruktur der Städte dringend notwendig. (Fotos: VGL NRW/GPP)

Eine aktuelle Prognos-Studie, die das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) in Auftrag gegeben hat, beziffert die Schäden für Deutschland auf rund 6,6 Milliarden Euro pro Jahr, in Summe weit über 80 Milliarden Euro. Berücksichtigt sind hier neben direkten Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur sowie in der Land- und Forstwirtschaft auch Kosten indirekter Schäden wie beispielsweise verringerte Arbeitsproduktivität.

Klimaschutz und Klimaanpassung

Josef Mennigmann, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL NRW) e.V., erinnert an die spontanen Hilfeaktionen vieler Mitgliedsbetriebe, die im Sommer 2021 in der größten Not mit Maschinen und Fahrzeugen in NRW und Rheinland-Pfalz im Einsatz waren. „Dass sich damals so viele GaLaBau-Betriebe engagiert haben, hat uns als Verband stolz gemacht, aber eben auch deutlich gezeigt, dass wir alle wesentlich mehr zur Krisenverhinderung tun müssen. Der Klimawandel zwingt zu Investitionen in wirksame Gegenmaßnahmen, um Schäden in Zukunft zu vermeiden oder zumindest zu verringern."

Als zentrale Strategie zu optimiertem Wassermanagement im bebauten Raum gilt das Konzept der sogenannten Schwammstadt. Regenwasser soll nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern gespeichert und genutzt werden. So kann ein Ausgleich zwischen zu viel und zu wenig Wasser gelingen - dafür braucht es aber entsprechend gestaltete Außenbereiche. In Städten geht es dabei um eine strukturell geplante Kombination aus Rückhalt, Entsiegelung, Abkopplung, Versickerung und Verdunstung von Regenwasser. Nadja Kreuz, Präsidiumsmitglied im VGL NRW und GaLaBau-Unternehmerin aus Krefeld, ergänzt: „Wir sehen hier auch eine zunehmende Sensibilität bei privaten Gartenbesitzern. Sie fragen nach Dach- und Fassadenbegrünung oder lassen Zisternen oder Gartenteiche zur Speicherung von Regenwasser sowie wasserdurchlässige Oberflächen in Einfahrten und Vorgärten einbauen."

Städte als Akteure

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) warnt angesichts der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer vor möglichen Wasserknappheiten. Der DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg empfiehlt deshalb, Privathaushalte sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Regenwasser auffangen, denn „... in Einzelfällen können kommunale Verwendungsverbote notwendig sein." Landsberg verlangte darüber hinaus „kommunale Hitzeaktionspläne", um Menschen vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen, sowie eine Etablierung grüner Klimaoasen in den Städten. Tatsächlich engagieren sich viele NRW-Städte stark für dezentrale Lösungen im Regenwassermanagement und haben beispielsweise eigene Förderprogramme und Beratungsangebote für Bürger entwickelt. Jüngstes Beispiel ist die Stadt Dortmund, die Dachbegrünung und Entsiegelung von befestigten Flächen auf Privatgrundstücken finanziell unterstützt. Erklärtes Ziel ist es, den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken, so dass Regenwasser vor Ort versickert und in Trockenzeiten wieder verdunstet. Mennigmann: „Wir empfehlen den Kommunen, das Wassermanagement nicht als Niederschlagswasserbeseitigung zu sehen, sondern proaktiv ein schlüssiges Konzept für die temporäre Speicherung und Nutzung zu entwickeln. Das Stadtgrün braucht Wasser und je mehr Verdunstung stattfindet, umso angenehmer ist das Stadtklima!"

Kommunen und grüne Branche gemeinsam

Gerade im hochverdichteten NRW sind Anpassungen in der grün-blauen Infrastruktur der Städte dringend notwendig. Mennigmann verweist hier auf die Expertise von mehr als 1.000 Mitgliedsbetrieben des GaLaBaus in NRW. „Die Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik, der Umbau des Stadtgrüns mit klimaangepassten Sortimenten, die Renaturierung von Wasserläufen und Uferzonen, aber auch die konsequente Digitalisierung der Betriebe, der Wandel der Fahrzeug- und Maschinenausstattung von Verbrennern zu Akkuantrieb ... Die Summe vieler kleiner Maßnahmen und Projekte trägt wesentlich dazu bei, dass wir das gemeinsame Ziel erreichen, NRW klimaresilient zu machen." Der GaLaBau sieht hier im Schulterschluss mit den anderen grünen Verbänden und Organisationen große Aufgaben, aber auch zielführende Lösungen in guter Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden sowie der Landespolitik.

 

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