Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle weihte aktuell mit der Initiatorin, der Stiftung für Mensch und Umwelt, den dritten Berliner PikoPark ein. Das Markenzeichen dieser neuartigen 300 m2 großen Mini(N)aturparks ist eine naturnahe Gestaltung. Im gleichen Quartier gibt es zudem ein noch kleineres, naturnahes „Trittsteinbiotop“. Ein guter Einstieg für alle, die testen wollen, ob ihnen „naturnah“ vor der Haustür gefällt.

Kathrin Heinze (Senat für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz; links), Jochen Icken (technischer Vorstand der Märkischen Scholle; Mitte) und Dr. Corinna Hölzer (Leiterin der Stiftung für Mensch und Umwelt; rechts) weihten das neue Trittsteinbiotop und den neuen PikoPark ein. © Tanja Schnitzler

Bänke laden zum Verweilen im neuen PikoPark ein. © Stiftung für Mensch und Umwelt, Peter Müller

Pflanzaktion im PikoPark © Stiftung für Mensch und Umwelt, Ann-Kathrin Scheuerle

Wer den Eröffnungsworten lauschte, bemerkte schnell die Besonderheit der beiden neuen Natur-Oasen: Der nur 300 m2 kleine PikoPark (von „piccolo“ = klein) besticht durch seine geschwungene, organische Linienführung von Beeten und Wegen. Sein zentraler Platz lädt mit Sitzbänken zum Verweilen ein. Die vielfältigen Strukturen – drei verschiedene Themenbeete mit Totholz, Natursteinmauern und einer Eidechsenburg – locken ab sofort Tierarten an, die auf monotonen Rasenflächen kaum leben können. Der technische Vorstand der Märkischen Scholle, Jochen Icken, bereut nicht seinen Mut, „in der heutigen Zeit in die ökologische Aufwertung unserer Wohnanlage investiert zu haben. Wir haben den Wert von biologischer Vielfalt vor den Haustüren unserer Mitglieder erkannt.“

Das ebenfalls eingeweihte 20 m2  kleine „Trittsteinbiotop“ bietet auf kleinster Fläche heimische Stauden und Naturstrukturen, wo vorher außer blanker Erde im Schattenbereich von Bäumen und Häusern gar nichts wachsen wollte. Ob Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Vögel, Igel, Eidechsen oder Kröten… alle Wildtiere brauchen naturnahe „Inseln“ zur Nahrungssuche und zum Verstecken, Wärmen, Brüten und Überwintern, auch in der Stadt.

Die Stiftung für Mensch und Umwelt freute die Neugier der Genossenschaftsmitglieder, Vorstände und Aufsichtsräte bei der Info-Einweihungsfeier. „Ein schönes Zeichen der Märkischen Scholle, Verantwortung zu übernehmen und dem Schwinden der heimischen Pflanzen- und Tierarten etwas entgegenzusetzen. Und es sieht noch gut aus!“, so Dr. Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer, Leiter der Stiftung für Mensch und Umwelt.

Frau Kathrin Heinze vom Senat für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, der alle Kommunikations- und Partizipationsleistungen rund um die naturnahe Gestaltung von insgesamt drei Trittsteinbiotopen derzeit fördert, ist zufrieden: „Wir hoffen, dass Trittsteinbiotope und PikoParks in Berliner Wohnquartieren zukünftig häufig zu sehen sind und sich immer mehr Mieterinnen und Mieter an solch kleinen Erlebnis- und Verweilorten erfreuen können.“

Hintergrund zur neuartigen naturnahen Gestaltung

PikoParks sind neue Grünflächentypen, die es erst in sechs deutschen Städten gibt. Die Stiftung für Mensch und Umwelt legte in 2021 den ersten PikoPark Berlins bei der Wohnungsbaugenossenschaft Freie Scholle an. Es folgte der PikoPark beim BWV – Beamten Wohnungsbauverein in Marienfelde – vergangene Woche. Nun gibt es den dritten PikoPark in Reinickendorf bei der Märkischen Scholle.

Die noch kleineren „Trittsteinbiotope in Wohnquartieren“ wurden im Jahr 2022 von der Stiftung realisiert. Die Einweihung des dritten Trittsteinbiotops im Wedding (Entsiegelung und naturnahe Gestaltung einer Fläche) wird am 06.10.2022 erfolgen.

Der Senat für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz unterstützte den ersten Berliner PikoPark sowie die drei neuen „Trittsteinbiotope“. Diese Art von naturnaher Gestaltung passt zur Berliner Biodiversitätsstrategie und zeigt, dass ökologische Aufwertung und Ästhetik sowie die Akzeptanz der Bewohner unter einen Hut zu bringen sind. Begleitend wurden Umfragen bei Mietern und Hauswarten durchgeführt. Es entsteht ein Kurzvideo zu den Trittsteinbiotopen und eine Broschüre, die Lust machen soll auf Natur in Wohnquartieren.

Über die Stiftung für Mensch und Umwelt

Die Stiftung für Mensch und Umwelt wurde als gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin im September 2010 gegründet. Bekannt ist sie insbesondere durch ihre Initiativen Berlin summt! und Deutschland summt! Wir tun was für Bienen. Damit lenkt die Stiftung seit 12 Jahren die Aufmerksamkeit auf Möglichkeiten, dem rasanten Bienensterben entgegen­zutreten. Es entstand ein Deutschland summt!-Netzwerk aus über 35 Gemeinden, Kommunen und Landkreisen. Zum Stiftungsgeschäft gehören Wanderausstellungen, Umweltbildung für Kinder, ein bundesweiter Pflanzwettbewerb, Gartenseminare sowie die naturnahe Planung, Umgestaltung und Pflege von Freiflächen kombiniert mit Umweltbildung für Entscheider, Mieter, Hauswarte und Gartendienstleister.

 

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