Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Krüger: Schutzgebiete brauchen Pufferzonen, um Auswirkungen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren

NABU/Frank Müller Fotografie

Die Vielfalt an Pflanzenarten in Schutzgebieten nimmt ab, wenn diese an landwirtschaftliche Flächen grenzen, auf denen Düngemittel und Pflanzenschutzmittel (Herbizide) ausgebracht werden. Im Vergleich zu den Kernzonen der Schutzgebiete geht sie um durchschnittlich 75 Prozent zurück. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie des Forschungskonsortiums DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen) unter Leitung des NABU. Insbesondere gefährdete Pflanzenarten sind dabei betroffen. Mit weiteren möglichen negativen Folgen – einer großen Anzahl von gefährdeten Insektenarten, die auf diese Pflanzen angewiesen sind, fehlt die Lebensgrundlage.

Die NABU-Studie zeigt: Aus angrenzenden Ackerflächen werden so große Mengen an Düngemitteln und Herbiziden gegen so genannte Unkräuter eingetragen, dass insbesondere die vielen kleinen Schutzgebiete ihren Zweck fast vollständig verfehlen.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: “Naturschutzgebiete müssen ihrer Funktion gerecht werden können und die lokale Artenvielfalt erhalten. Wir brauchen darum Pufferzonen, um unsere Schutzgebiete sowie Biotopverbundkorridore, in denen der Einsatz von Herbiziden reduziert wird. Dafür müssen Angebote und Honorierungen für die Landwirtschaft bereitgestellt werden. Wir brauchen eine grüne Infrastruktur, die uns hilft, Arten und Ökosysteme auch im Klimawandel zu erhalten.”

Zudem müssen dringend Datenlücken zum Zustand und zur Entwicklung der Tier- und Pflanzenbestände sowie zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geschlossen werden, fordert DINA-Forscher Dr. Sebastian Köthe: “Es ist unglaublich, dass wir nicht einmal in und um unsere Schutzgebiete herum wissen, wie viele und welche Pestizide eingesetzt werden. Dazu brauchen wir dringend eine bundesweite digitale Einsatzdatenbank. Zudem mangelt es an umfangreichen Risikoanalysen und Maßnahmen zum Risikomanagement. Das muss sich schleunigst ändern.”

Über die Studie
Untersucht wurde, wie wirksam Maßnahmen in Schutzgebieten sind, die von intensiv bewirtschafteten Flächen umgeben sind. Dafür wurde an 21 Standorten in Deutschland der Zustand der Vegetation vom Rand zum Kern der Schutzgebiete analysiert. Berücksichtigt wurden der Nährstoffgehalt des Bodens, vom Vorkommen der Pflanzen abgeleitete Indikatorwerte, Herbizidrückstände und der Rote-Liste-Status der gefundenen Pflanzenarten.

Über das Forschungsprojekt DINA
Die wissenschaftliche Studie fand im Rahmen des Forschungsprojektes DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen) statt, das vom NABU koordiniert und wissenschaftlich geleitet wird. Dem Projektverbund gehören sieben weitere Hochschulen und Forschungsinstitute an, darunter der Entomologische Verein Krefeld, die Universität Kassel und die Universität Koblenz-Landau, welche an dieser Studie beteiligt waren. Gefördert wird DINA durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der FONA-Strategie (Forschung für nachhaltige Entwicklung).

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt DINA: 1. Link

Link zur Studie: 2. Link

 

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