Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Vergangene Woche kamen in Berlin rund 80 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Kleingartenwesen und dem Naturschutz zusammen, um bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. (BKD), des Deutscher Schreberjugend Bundesverbands e. V. (DSJ) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) Impulse zu geben für die Förderung der biologischen Vielfalt in Deutschlands rund 900.000 Kleingärten.

Projekt-Team von „Kleingärten für Biologische Vielfalt“: v.l.n.r Carolin Engwert (BKD), Sarah Buron (BKD), Nadine Lechner (DSJ) und Projektkoordinatorin Eva Foos (BKD); Foto: Niklas Grüter, BUND

Austausch in Kleingruppen; Foto: Niklas Grüter, BUND

Die Veranstaltung war Auftakt des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten bundesweiten Bildungs- und Vernetzungsprojekts „Kleingärten für Biologische Vielfalt“, das der BKD zusammen mit dem DSJ in den nächsten drei Jahren durchführen wird. Der BUND stellte die Ergebnisse seines Projekts „Pestizidfreier Biotopverbund“ vor.

„Beim Thema Artensterben ist es nicht fünf vor zwölf und auch nicht fünf nach zwölf, sondern eher schon halb eins,“ so der Bundesfachberater Thomas Kleinworth in seinem Grußwort. Kleingärten mit ihren bundesweit ca. 44.000 ha Fläche können ein entscheidender Teil der Lösung zum Erhalt der biologischen Vielfalt sein.

Matthias Herbert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) kam für den Fördermittelgeber zu Wort. In seinem Grußwort hob er die aus Sicht des BfN wichtige Kommunikations- und Vermittlungsfunktion des Projektes hervor, über die zahlreiche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Kleingartenwesen erreicht und miteinander in den Austausch über die biologische Vielfalt gebracht werden können.

Eva Foos, Projektkoordinatorin, erläuterte den Hintergrund des Projekts: „Wir können Räume schaffen, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann, und die auch dank der kleingärtnerischen Nutzung ein diverses Nahrungsangebot für verschiedenste Bestäuberinsekten bieten. Als Trittsteinbiotope sind Kleingartenanlagen zudem wichtige Bausteine von Biotopverbünden.“

Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin betonte, wie wichtig dabei der Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel ist: „Pestizide sind eine Gefahr für Mensch und Artenvielfalt. Besser jäten statt Spritzen und Schadinsekten mit Nützlingen und Pflanzendüften vertreiben. Resistente Sorten am richtigen Standort, gestärkt mit Pflanzenjauchen. Das ist schon die halbe Ernte.“

Einen positiven Ausblick, wie es gehen kann, gaben weitere Referenten und Referentinnen aus dem für seine naturnahen Gärten prämierten Kleingartenverein NW 18 in München, aus dem Umweltamt Dresden sowie der Stiftung Mensch und Umwelt und abschließend der Plantfluencer „Robinga Schnögelrögel“, der einen heiteren Einblick in seinen Berliner Kleingarten gab.

Am Vortag hatten sich bereits die 20 Landesgartenfachberaterinnen und -fachberater des BKD zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch zusammengefunden. Die Gartenfachberatung ist in ihrer Form einzigartig. Das Kleingartenwesen bietet durch sie auf Bundes-, Landes-, und Bezirksebene sowie in den einzelnen Vereinen ihren Mitgliedern und vor allem Gartenneulingen kompetente Ansprechpersonen für alle Gartenfragen. Diese sind auch zum Thema biologische Vielfalt die Anlaufstellen für Kleingärtnerinnen und Kleingärtner. Aktuell diskutierte Themen sind die Fachberaterausbildung, Digitalisierung der Aus- und Weiterbildung sowie die vielfältigen künftigen Angebote durch das neue BKD-Bundeszentrum.

Die Initiatoren des Projekts „Kleingärten für Biologische Vielfalt“ wollen den Austausch und die Kooperationen nun fortführen und erweitern. Eine Online-Bildungs- und Vernetzungsreihe für Multiplikatoren, „digitale Starterpakete“, Workshops zum Kleinstbiotope selber bauen laden Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, erfahrene Fachberaterinnen und Fachberater und Gartenneulinge sowie weitere Interessierte ein, sich konkrete Anregungen für die Gartenpraxis und die Bildungsarbeit zu holen. Die Lernplattform (siehe Link) bietet allen einen Wissensfundus zum Thema und dokumentiert die Ergebnisse.

 

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