Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die DLG-Feldtage finden in diesem Jahr vom 11. bis 13. Juni auf dem Gut Brockhof bei Erwitte/Lippstadt in Nordrhein-Westfalen unter dem Motto „Pflanzenbau out of the box“ statt. Passend zu diesem Motto informieren das 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e. V. und die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gemeinsam zum in der Praxis noch sehr neuen Konzept der Paludikultur. Der Begriff umschreibt den Anbau nässeliebender Pflanzen auf wiedervernässten Moorböden und deren Nutzung.

Rohrkolben-Ernte mit einer umgebauten Pistenraupe im Januar 2023 bei Neukalen in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: T. Dahms (2023).

Paludikulturen werden innerhalb der Landwirtschaft durchaus kontrovers diskutiert, zumal es für die erzeugte Biomasse noch keinen etablierten Markt gibt. Die Wiedervernässung von Moorböden hat jedoch einen hohen Stellenwert für den Klimaschutz, denn trockengelegte Moore sind für etwa sieben Prozent der Treibhausgas-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Zugleich bringt Moorbiomasse für die Herstellung von Bau- und Dämmstoffen, Möbeln, Torfersatzstoffen, Energieträgern und weiteren Produkten große Potenziale mit. Und nicht zuletzt beobachten viele Bewirtschaftende von Moorböden über die Jahrzehnte eine allmähliche Degradation und Absackung dieser Standorte.

FNR und 3N wollen auf den Feldtagen mit den landwirtschaftlichen Akteuren ins Gespräch kommen, Pro und Contra erörtern und zu aktuellen Förderprojekten und Fördermöglichkeiten rund um Paludikulturen informieren. Natürlich dürfen Pflanzexponate auf den Feldtagen nicht fehlen und geben einen Eindruck von Schilf, Sonnentau, Typha und Co.

3N und Paludikulturen

Beim 3N Kompetenzzentrum e. V. ist seit 2017 die niedersächsische Kompetenzstelle Paludikultur verortet. Die Kompetenzstelle ist die zentrale Informationsstelle für Paludikultur in Niedersachsen und hat zum Ziel, die Paludikultur als eine moor- und klimaschonende Alternative zur bisherigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden bekannt zu machen und zu fördern. Die Kompetenzstelle hat bereits zwei Forschungs- und Demonstrationspolder eingerichtet, weitere sind in Planung. In mehreren Forschungsprojekten werden Anbau und Verwertung erforscht und entwickelt. In dem erst kürzlich gestarteten Modell- und Demonstrationsvorhaben „RoNNi“ werden zwei acht Hektar große Flächen mit Rohrkolben eingerichtet und wissenschaftlich begleitet. Außerdem sollen verschiedene Produkte, wie z. B. Dämmstoffplatten oder Gartenbausubstrate bis zur Marktreife entwickelt werden.

FNR und Paludikulturen

Die FNR fördert als Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in dessen Auftrag aktuell elf Vorhaben zum Thema Moorbodenschutz und Paludikultur. Dazu gehört zum Beispiel die im März gestartete Initiative PaludiAllianz, in der die Umweltstiftung Michael Otto und die Michael Succow Stiftung gemeinsam mit 14 Wirtschaftsunternehmen am Aufbau von Wertschöpfungsketten für Moorbiomasse arbeiten. Beteiligt sind bekannte Firmen wie STRABAG, Procter & Gamble, Tengelmann, KiK Textilien, OBI und Toom.

In den Modell- und Demonstrationsvorhaben LivingLabTeufelsmoor, WetNetBB, RoNNi und MOOSland befassen sich die Akteure mit der Wiedervernässung von Pilotflächen in den typischen Moorregionen Brandenburgs und Niedersachsens. Als Kulturen stehen Nasswiesengräser, Rohrkolben und Torfmoose sowie deren Verwertung im Fokus. Zusätzlich untersuchen Forschende, wie sich Treibhausgasaustausch, Böden, Hydrologie, Wasserqualität und Biodiversität auf den wiedervernässten Flächen entwickeln. Diese Vorhaben werden durch die PaludiZentrale koordiniert.

FNR und 3N sind an den Ständen GE42 und GE44 direkt nebeneinander zu finden.

 

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