Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Im Schlossgarten Schwetzingen zeigen sich die Folgen des Klimawandels immer deutlicher. Bei einem Pressetermin präsentierten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg die aktuelle Bedrohungssituation vor Ort. Die Dynamik der Schadphänomene stellt vor immer neue Herausforderungen – die Fachleute weiten die bereits getroffenen Maßnahmen aus und stoßen Initiativen an.

Fotos: SSG Thomas Wagner

Alarmierende Schäden im Schlossgarten
„Der Klimawandel bedroht die Substanz des historischen Gartens. Die Schäden sind nicht zu übersehen: Auch die bislang als robust geltenden Arten – wie Hainbuche und Feldahorn – sind betroffen“, bilanziert Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Sommer 2018 und 2019 waren außergewöhnlich heiß, zudem gab es relativ wenig Niederschlag. Die Folgen sind im Schlossgarten Schwetzingen jetzt deutlich sichtbar: Die Schäden an den Bäumen breiten sich mit zunehmender Geschwindigkeit aus. Schädlinge befallen nicht nur Totholz, sondern auch noch lebende, aber geschwächte Bäume. Alte Bäume sterben ab – oder müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. Der historische Bestand des Schlossgartens wird lichter, die Etablierung von Neupflanzungen immer schwieriger. Auch die Gewässer sind vom Klimawandel betroffen. Starkes Algenwachstum und Verkrautung beeinträchtigen die Wasserqualität und die Tierwelt.

Weichen Stellen für neue Strategie
„Der Hitzesommer 2018 war gewissermaßen eine Zäsur – er zwang uns, unsere bisherige Strategie zu überdenken“, erklärt Hartmut Troll, Referent für historische Gärten bei den Staatlichen Schlössern und Gärten, beim Pressetermin. Eine Vielzahl an Maßnahmen wurde daraufhin ergriffen. So gaben die Staatlichen Schlösser und Gärten Gutachten zur Bewertung der Baumstandorte in Auftrag, reaktivierten die historische Baumschule und führten umfangreiche Standortsanierungen sowie Nachpflanzungen, wie etwa im südlichen Boskett, durch. „Um den Schlossgarten für die Zukunft zu wappnen, müssen wir weitere Maßnahmen treffen und in der Breite umsetzen“, erklärt Patricia Alberth. Dafür muss den sich zunehmend verschlechternden Standortbedingungen entgegengewirkt werden. Außerdem ist es notwendig, die Arbeit der Baumschule zu erweitern und eine Kompostieranlage einzurichten. Die Umgestaltung des Englischen Landschaftsgartens und die Bewässerung der Pflanzen sind weitere Baustellen. Nicht zuletzt werden die Kooperationen im Initiativbündnis Historische Gärten im Klimawandel, das 2019 gegründet wurde, intensiviert. So wird ein effizienter Transfer von Erfahrungen und Wissen gewährleistet.

Neuen Herausforderungen begegnen
Aufgrund der akuten Gefährdung durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume wurde der Schlossgarten in den vergangenen Wochen bereits teilweise gesperrt. „Der Klimawandel bringt es leider mit sich, dass wir uns an solche Bilder gewöhnen müssen“, erklärt Sandra Moritz, Leiterin der Schlossverwaltung Schwetzingen. Der aktuell hohe Anteil geschädigter Bäume scheine der neue Normalzustand zu werden. „Um die Sicherheit zu gewährleisten, führen wir regelmäßige Kontrollen durch. Wir bitten unsere Gäste um Verständnis“, so die Leiterin der Schlossverwaltung Schwetzingen weiter. Hier zeigt sich die Dynamik des Klimawandels deutlich. Bäume, die bei der letzten Kontrolle noch in einwandfreiem Zustand waren, sind binnen eines Jahres stark geschädigt worden. Dementsprechend werden die Kontrollen häufiger durchgeführt. Veranstaltungen im Bereich von Baumbeständen sind, vor allem in trocken-heißen Sommern, problematisch. In Dürreperioden treten zudem immer häufiger sogenannte Grünastbrüche auf. Dabei „wirft“ der Baum einen Ast ab, obwohl zuvor keine Schadsymptome erkennbar waren.

 

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