Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

So viele Baumpfleger:innen auf einmal hat man im Essener Grugapark wohl noch nicht gesehen: Am 7. und 8. Juni war das grüne Herz der Ruhrmetropole Treffpunkt und Tagungsort von 24 namhaften Baumpflegeunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Baumpfleger aus ganz Deutschland bildeten sich am 7. und 8. Juni im Essener Grugapark im Rahmen der Mitarbeiterschulung der QBB fort. Foto: QBB

Daniel Winter, Gesellschafter der Buteo Landschaftsökologen, vermittelte in seinem Workshop neueste Erkenntnisse rund um den Artenschutz am Baum. Foto: QBB

Der QBB-Vorsitzende Christian Draeger bedankte sich bei der Baumsachverständigen Daniela Antoni für ihre praxisbezogenen Ausführungen zum Thema Baumkontrolle und Pilzdiagnostik. Foto: QBB

ie Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) hatte zur Mitarbeiterschulung mit anschließender Mitgliederversammlung geladen. Rund 80 Teilnehmende bildeten sich fort und diskutierten die Frage, was Qualität in der Baumpflege aus eigener Perspektive und aus Auftraggebersicht bedeutet.

„Bei uns ist der Name Programm: Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Qualitätsbegriff in der Baumpflege ist für die QBB elementar. Qualität ist unser erklärtes Ziel und damit Anspruch und Motivation zugleich!“ Mit diesen Worten begrüßte der QBB-Vorsitzende Christian Draeger die Verbandsmitglieder und ihre Mitarbeiter:innen am 7. Juni im Atlantic Congress Hotel am Grugapark. Viele einzelne Faktoren, so Draeger weiter, machten die Qualität der Arbeit in der Baumpflege aus. Dies reiche vom Sachverstand der Mitarbeiter:innen über ein nachhaltiges Management bis hin zur gelungenen Kommunikation zwischen allen am Baumpflege-Prozess Beteiligten. „Damit gibt es eine Vielzahl von Stellschrauben, mit denen wir unsere Arbeitsergebnisse maßgeblich beeinflussen. An denen wir bewusst drehen können, um richtig gut zu sein und uns weiter zu verbessern. Wichtig ist, dass wir unser Qualitätsbewusstsein schärfen und unser Handeln - auch im stressigen Arbeitsalltag - darauf ausrichten. Dem Einzelkämpfer fällt dies sicherlich schwer. Besser ist es, das Thema gemeinsam anzupacken!“, sagte der QBB-Vorsitzende – und brachte damit das zentrale Anliegen der jährlichen QBB-Schulung auf den Punkt: Weiterbildung, Horizonterweiterung und in Folge eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung in der Baumpflege-Branche. 

Zustimmung erhielt Christian Draeger vom Baumbeauftragten der Stadt Bochum, Marcus Kamplade. Er skizzierte in seinem Vortrag „Die Qualität in der Baumpflege aus kommunaler Sicht“ die Perspektive öffentlicher Auftraggeber. „Gute Baumpflege hört nicht beim korrekten Schnitt auf, sondern umfasst auch die ökologische Begleitung im Rahmen von Baumaßnahmen. Denn der Baumerhalt ist für die Zukunft unabdingbar“, so Kamplades Fazit. Im weiteren Verlauf des ersten Schulungstages hörten die Teilnehmenden zwei weitere Vorträge: Norbert Bösken, Abteilung Waldungen und Baumpflege der Stadt Essen, referierte über den Einsatz und die Möglichkeiten digitaler Baumzwillinge, Alexander Borgmann gen. Brüser, Gesellschafter von ARBOR revital, über die Vorteile eines sensorgestützten Bewässerungsmanagements.

Deep Dive in die Praxis: Artenschutz, Asteinkürzungen und neuartige Baumpilze

Am zweiten Tag ging es mit neuen Einblicken und Praxistipps für die Mitarbeitenden an den Bäumen im Grugapark weiter. Den Anfang machte Daniel Winter, Gesellschafter der Buteo Landschaftsökologen aus Recklinghausen (NRW). Sein Thema: Praktischer Artenschutz am Baum. „In großen Baumpflegebetrieben, wie sie in der QBB organisiert sind, kennen die meisten Mitarbeitenden die theoretischen Grundlagen des Artenschutzes. Das ist sehr wichtig, aber wenn man im Gelände steht, kommen häufig Fragen auf, wie mit dem Artenschutz in der Praxis konkret umgegangen werden sollte“, erklärte der Experte, um anschließend im Grugapark genau diesen Fragestellungen auf den Grund zu gehen: Welche Mittel kann ich anwenden, um sicher festzustellen, welche Arten im Baum vorkommen? Wie gehe ich bei einer Sichtbeobachtung korrekt vor, und welche neuen Technologien wie Endoskop- und Thermalkameras können mir bei der Untersuchung von Baumkronen und Baumhöhlen helfen? Wie ist die rechtliche Situation, welche Arten sind wann relevant? Und an wen wende ich mich im Schadensfall, wenn trotz vorheriger Baumprüfung ein Nistplatz, zum Beispiel von Vögeln oder Fledermäusen, zerstört wird?

Ein ganzheitlicher Ansatz der Baumkontrolle stand im Fokus des Workshops von Daniela Antoni, B.Sc. Forstwissenschaften und Waldökologie, aus Stockstadt am Main in Bayern. Sie stellte den Baumpfleger:innen verschiedene neuartige Pilze vor, die als Folge des Klimawandels zunehmend an unseren Bäumen zu finden sind. „Durch den Klimawandel sind viele Bäume inzwischen so geschwächt, dass sie sich nicht mehr gegen diese Pilze wehren können. Somit haben wir es mit immer mehr Pilzarten zu tun, die viele Fachleute vorher noch nie gesehen haben“, erläuterte die Baumsachverständige und vermittelte anschließend verschiedene Verfahren und Strategien einer zuverlässigen Pilzdiagnostik. Im weiteren Verlauf des Workshops wandte sich Daniela Antoni den Habitatbäumen zu und erklärte anhand ausgewählter Exemplare im Grugapark, wie bei diesen häufig stark geschädigten Bäumen der Spagat zwischen Verkehrssicherheit und Artenschutz gelingen kann.

Ein dritter Workshop, durchgeführt von Olaf Florin, Sachverständiger für Baumpflege aus dem hessischen Vellmar, behandelte die mechanischen und baumbiologische Auswirkungen von Asteinkürzungen. Wissenswertes über ausgewählte botanische Besonderheiten berichtete Grugapark-Mitarbeiter Rolf Mücke bei einer Führung durch den rund 60 Hektar großen Landschaftspark mit 95-jähriger Geschichte.


Über die QBB
Die Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung e.V., kurz QBB, ist ein Zusammenschluss namhafter Fachfirmen in Deutschland und Österreich zur Qualitätssicherung in der Baumpflege und Baumsanierung. Gegründet wurde die QBB im Jahr 1985, zurzeit sind 24 Firmen Mitglied des eingetragenen Vereins mit Sitz im Haus der Landschaft in Bad Honnef.

 

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