Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Am 15. Mai 2024 empfing der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern), Regionalgruppe Oberpfalz, rund 30 Gäste zur Veranstaltung „Naturnahe Gestaltung von Firmengelände“ in Wiesent bei Wörth an der Donau (Lkr. Regensburg). Am Beispiel der im Gewerbepark ansässigen Firma IRS Systementwicklung informierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die zahlreichen Vorteile biodiversitätsfördernder Außenanlagen von Industrieunternehmen und Gewerbetreibenden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung „Naturnahe Gestaltung von Firmengelände“ auf dem Areal der Firma IRS Systementwicklung in Wiesent bei Wörth an der Donau.

Besichtigung der biodiversitätsfördernden Grünflächen der IRS Systementwicklung. Die Firma erhielt hierfür die Auszeichnung „Blühender Betrieb" vom bayerischen Umweltministerium. (Fotos: Martin Sandkühler, VGL Bayern)

Im März 2024 erhielt IRS Systementwicklung die Auszeichnung „Blühender Betrieb". Damit prämierte das bayerische Umweltministerium das Unternehmen für ihre naturnah angelegten Freiflächen an den Standorten Brennberg und Wiesent. Der Unternehmensstandort bei Wörth an der Donau war dadurch für die Durchführung der Veranstaltung prädestiniert.

Martin Sandkühler, Regionalvorsitzender des VGL Bayern in der Oberpfalz, begrüßte die Gäste, darunter Elisabeth Kerscher, Bürgermeisterin der Gemeinde Wiesent, zahlreiche Vertreter von Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Regensburger Land und des Gartenbauzentrums Bayern Mitte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffeheim sowie mehrere Landschaftsarchitekten. Anschließend führten Reinhard Schiegl, Geschäftsführer der IRS Systementwicklung GmbH, Anton Robl, Inhaber der Firma Robl ZeitLandschaften – Welt der Gärten, und Biodiversitätsfachkraft Ines Fermum über gemähte Wiesenwege durch das 12.000 m² große Areal mit Grün- und Funktionsflächen. Vor vier Jahren noch Maisacker, präsentiert sich heute der Systementwickler in einer Landschaft mit einer bemerkenswerten Vielfalt an Lebensräumen für Mensch, Tier und Pflanze.

Zusammen mit dem Bauherrn erörterten Robl und Fermum die Herangehensweise und praktischen Erfahrungen in der Umgestaltung und biodiversitätsfördernden Pflege der neuen Außenanlagen. Neben der Planung führte Robl ZeitLandschaften ebenso die Vegetationsleistungen durch und brachte mehrere zertifizierte Blühwiesensaatmischungen aus. Bäume, Gehölze und Stauden sind eine Kombination aus standortgerechten sowie heimischen Arten. Die zeitlich und in Teilflächen gegliederten Mäharbeiten führen die Beschäftigten der IRS Systementwicklung durch. Die Entsorgung des anfallenden Schnittguts findet durch einen Dienstleister statt, da kommunale Stellen die Abnahme großer Mengen in der Regel verweigern.

Plädoyer für naturbasierte Lösungen

Den Erfahrungen zufolge liegen die Herstellungs- und Pflegekosten von naturbasierten, biodiversitätsfördernden Lösungen im Vergleich zu konventionellen Anlagen in etwa auf dem gleichen Niveau.

Der Mehrwert für Flora und Fauna ist hierbei noch nicht einmal einberechnet. Dabei ist es bereits vor der Planung ratsam, die vegetationsgemäße Behandlung und Lagerung des Oberbodens festzulegen sowie die Bestellung des zertifizierten Blühwiesensaatguts durchzuführen. Dadurch ist die Verfügbarkeit des Saatguts aus den jeweiligen Ursprungsgebieten, einschließlich den zu erbringenden Nachweisen, rechtzeitig zu den Aussaatzyklen sichergestellt. Ebenfalls sind über die Entsiegelung von potenziellen Flächen und die Durchführung der angepassten Pflegemaßnahmen sowie deren fachmännische Begleitung zu entscheiden.

Betrachtet man den kompletten Lebenszyklus der Freiflächen, zusammen mit den Parametern weicher Betriebsfaktoren, sind naturbasierte Areale sogar wirtschaftlicher. Dies ergaben unter anderem mehrere Studien unter Leitung von Prof. Holger Beiersdorf, der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Landschaftsarchitektur, das Lehrgebiet Betriebswirtschaftslehre betreut. Diesbezüglich veröffentlichte zum Beispiel die internationale Arbeitsgemeinschaft des EU-Life-Projekts BooGI-BOP auf der Webseite (siehe 1. Link unten) den Fachartikel "Biodiverse Firmengelände" von Prof. Beiersdorf.

Außerdem erläuterte Geschäftsführer Schiegl die positiven Auswirkungen der grünen Arbeitsumgebung auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Personalbindung und -gewinnung sowie das betriebliche Gesundheitsmanagement. Bürgermeisterin Kerscher berichtete über die Einbindung von Wiesent in die Biodiversitätsallianz der Donauvorwaldgemeinden und die Herausforderungen, sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch die Belegschaft des örtlichen Bauhofs an das Thema naturnah angelegter Grünanlagen und deren Pflege heranzuführen. So schätze sie es umso mehr, ein solches Vorbildunternehmen im Gewerbegebiet ansässig zu haben.

Blühpakt Bayern: Wichtiger Beitrag zur Biodiversitätsstrategie im Freistaat

In Vertretung von Dagmar Schmitt informierte Robl des Weiteren über den aktuellen Stand im Projekt „Blühpakt Bayern“, das im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz angesiedelt ist. Schmitt, die bereits seit vier Jahren mit Robl zusammenarbeitet, ist Mitglied des Blühpakt-Teams im Umweltministerium und konnte den Termin aus zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen. Dennoch war sie in Gedanken bei der Veranstaltung, wünschte einen guten Verlauf und befürwortete eine enge Zusammenarbeit mit dem VGL Bayern.

Die Blühpakt-Allianz ist ein Zusammenschluss von Verbänden, Organisationen und Interessensgemeinschaften mit dem Freistaat. Oberstes Ziel ist es, den Artenreichtum heimischer Insekten wiederherzustellen. Die Auszeichnung „Blühender Betrieb" ist Bestandteil des Pakts und seit März auch für Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus möglich. Darüber hinaus arbeiten mehrere Institutionen daran, Informationen zu sozialökologischen Themen und Handlungsempfehlungen für naturnahes Gestalten anzubieten. Dazu zählt beispielsweise die Bodensee-Stiftung mit der Plattform „Unternehmen & Biologische Vielfalt".

Beim weiteren Rundgang wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zudem begrünte Dachlandschaften sowie Fassaden zur Energiegewinnung mit PV-Modulen vorgestellt. Am Ende waren sich alle einig, den Austausch über die Praktiken naturnahen Gestaltens von Firmengärten fortzuführen. Spätestens zur Landesgartenschau in Furth im Wald (22. Mai bis 5. Oktober 2025) wolle man sich wieder zusammenfinden.

 

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