Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Was war das in diesem Jahr für ein Sommeranfang? Während zahlreich südliche Regionen unter einer extremen Hitzewelle litten, überquerte bei uns ein Regenband nach dem anderen das Land. Das Sommermärchen, das sich viele zur Fußballeuropameisterschaft 2024 erträumt hatten, fiel zum Beginn des Turniers in weiten Teilen im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ins Wasser. Die Biergärten blieben leer und Fanmeilen mussten aufgrund des schlechten Wetters vorübergehend geschlossen werden.

(Fotos: BGL)

Meteorolog*innen erklärten die Situation damit, dass wir uns in einer Übergangsphase zwischen den Klimaphänomenen El Niño und La Niña befänden. Ausgehend vom Pazifischen Raum beeinflussen diese beiden „Kinder" die globalen Niederschlags- und Temperaturmuster. Voraussichtlich wird sich der Sommer aber noch in eine ganz andere Richtung entwickeln. Denn die Expert*innen sehen bei der derzeitigen Wetterlage eine frappierende Analogie zum Jahr 2016, als auf einen eher nassen Juni und Juli ein extrem trockener und heißer August und September folgte.

„Ganz gleich, wie dieser Sommer weitergeht, für Gartenbesitzende wird bei der Planung und Anlage ihres grünen Reichs immer wichtiger, über die richtige und ausreichende Beschattung nachzudenken", sagt Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL). „Denn selbst dann, wenn einmal keine Temperatur-Rekorde in Sicht sind, muss man davon ausgehen, dass die Sommer bei uns stetig wärmer werden. Das haben die letzten zehn Jahre deutlich gezeigt."

Für mehr Aufenthaltsqualität

Herrschen tropische Temperaturen, wird es selbst passionierten Sonnenanbeter*innen auf der Südterrasse oder dem ungeschützten Rasenliegeplatz schnell zu heiß. Und da wir alle wissen, dass ein Zuviel an UV-Strahlung zudem äußerst ungesund ist, sollte jeder Garten über mindestens einen Bereich verfügen, an dem man es sich im kühlenden Schatten richtig gemütlich machen kann. Ein Sonnenschirm reicht da zumeist nicht aus, schon gar nicht, wenn man mit der ganzen Familie oder mit Freund*innen Zeit im Freien verbringen möchte.

Altbewährt und sehr funktional für die Beschattung von Terrassenflächen, die sich direkt ans Gebäude anschließen, sind Markisen. Sie können je nach Sonnenstand aus- oder eingefahren werden und sorgen so nicht nur im Outdoor-Wohnzimmer für ein angenehmes Klima, sondern auch in den angrenzenden Innenräumen. Damit sich die Luft unterhalb der Markise nicht staut, empfiehlt es sich, die Seiten möglichst offen zu halten.

„Eine vergleichsweise günstige, praktische und sehr elegante Alternative zur Überdachung einer Terrasse - aber auch für andere Sitzplätze im Garten, beispielsweise neben dem Pool oder Schwimmteich - sind Sonnensegel", weiß Dr. Michael Henze. „Sie beschatten einen deutlich größeren Bereich als ein Schirm, brauchen aber wesentlich weniger Stellfläche. Wählt man eine gute Qualität, sind sie äußerst UV-beständig, langlebig und können bei Bedarf sogar in der Waschmaschine gereinigt werden."

Damit ein Segel den ganzen Sommer über einwandfrei seinen Dienst tut und nicht als Windspiel endet, ist eine sachgemäße Montage unerlässlich. Wie viele Stangen benötigt werden, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Landschaftsgärtner*innen raten aber, möglichst einen Haltemast in Richtung Westen aufzustellen und diesen mit einer Gleitschiene auszustatten. Denn: Sinkt am Nachmittag langsam die Sonne, lässt sich das Segel flexibel nachjustieren. So hat man auf der Terrasse bis in die Abendstunden hinein einen guten Blendschutz.

Hier kann man durchatmen

Bietet das Grundstück ausreichend Platz, lässt sich auch ein Pavillon oder eine Laube integrieren. Solche freistehenden, offenen Häuschen können während der heißen Monate ein perfekter schattiger Rückzugsort im Garten sein. Ob eher rustikal, romantisch verträumt oder mit asiatischem Flair - es gibt sie in vielen verschiedenen Stilrichtungen. Relativ fließend sind übrigens die Grenzen zwischen einer Laube und einer Pergola. Der Hauptunterschied ist, dass die zuletzt genannte in erster Linie aus raumbildenden Pfeilern oder Säulen besteht und nach oben hin weitgehend offen ist. Sie kann sowohl freistehend als auch an einem Gebäude festmontiert sein. Damit sie Schutz vor der Sonne bietet, lässt sich die Pergola in den Sommermonaten beispielsweise mit bunten Stoffplanen überdachen. Hierfür empfiehlt sich ein Spezialtextil, das genau wie eine Markise UV-Strahlen abhält. Wer es etwas ursprünglicher mag, kann auch Schilfrohrmatten verwenden. Die Rillen zwischen den einzelnen Halmen sorgen für eine angenehme Luftzirkulation.

„Am schönsten ist es aber, wenn Rank- und Kletterpflanzen die Laube und Pergola erklimmen und einen schattenspenden Baldachin bilden", sagt Dr. Michael Henze. „Blauregen, Kletterhortensien und Wilder Wein beispielsweise entwickeln in der warmen Jahreszeit ein dichtes Blätterdach und sind dank ihrer Blüten und Reben äußerst dekorativ. Immergrüne Pflanzen wie Efeu dominieren ganzjährig das Bild." Hier lohnt sich das Gespräch mit den Expert*innen aus dem Garten- und Landschaftsbau. Diese können genau beurteilen, welche Gewächse sich für den jeweiligen Pergolatyp eignen, kennen deren Wuchskraft und wissen, ob sie selbstständig emporwachsen oder gegebenenfalls angebunden werden müssen.

Neben Rank- und Kletterpflanzen stehen selbstverständlich auch Bäume als grüne Schattenspender hoch im Kurs. Ob Kugellinde, Amberbaum oder Gemeine Eberesche - unter ihren blattreichen Kronen fühlen wir uns an heißen Tagen einfach wohl. Grund ist nicht allein der Schattenwurf, sondern auch eine Fähigkeit, die die Gehölze mit der gesamten Vegetation im Garten gemein haben:

Sie können Wasser über ihre Blätter verdunsten. Dabei entziehen sie der Umgebungsluft Wärme, was tatsächlich zu einem kühleren Mikroklima und somit auch zu mehr Aufenthaltsqualität führt. Bei der Auswahl eines für den Garten passenden Baumes sollte man auf die Expertise der Landschaftsgärtner*innen vertrauen. Sie wissen genau, welche Gehölze wie groß werden, was der ideale Standort für welche Sorte ist und wie das Nachbarrecht des jeweiligen Bundeslandes Grenzabstände regelt. Mit ihrer Unterstützung geht man zudem auf Nummer sicher, dass später tatsächlich auch der gewünschte Bereich beschattet wird - ein beruhigendes Gefühl, denn Bäume lassen sich, wenn sie falsch stehen, nicht so einfach verrücken wie ein Sonnenschirm.

 

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