Fokus auf die Wohlfahrtswirkung von Grünflächen
Der erste Norddeutsche Baumschultag, veranstaltet von den Landesverbänden Hamburg und Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., widmete sich der Rolle von Pflanzen, insbesondere im städtischen Umfeld. Unter dem Motto „Grün geht uns alle an!“ kamen Baumschuler, Vertreter des Garten- und Landschaftsbaus, Landschaftsarchitekten sowie Politiker und Verwaltungsmitarbeiter zusammen.
Claus-Dieter Stoldt, Vorsitzender des BdB-Landesverbandes Schleswig-Holstein, begrüßte Landtags- und Bürgerschaftsabgeordnete aus beiden Bundesländern. Bernhard von Ehren, Vorsitzender des BdB-Landesverbandes Hamburg, erläuterte das Ziel der Veranstaltung:
Die positiven und geldwerten gesellschaftlichen und individuellen Folgewirkungen der Pflanzenverwendung im öffentlichen und privaten Bereich werden leider oft übersehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Wert von Grün stärker in das Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit, aber auch relevanter Entscheidungsträger zu rücken. Dies kann nur durch einen guten Informationsaustausch nachhaltig und wirkungsvoll gelingen.
Der Baumschultag 2009 sollte dieses Ziel unterstützen.
Vorträge zur Wohlfahrtswirkung von Grün
Dr. Frank Schoppa, Geschäftsführer des BdB-Landesverbandes Schleswig-Holstein, moderierte die Vortragsreihe. Dr. Christian von Boetticher, Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein, hob die Chancen des Gartenbaus für das „blühende Leben in Stadt und Land“ als „Win-win-Situation“ für Wirtschaft und Bevölkerung im Norden hervor.
Prof. Dr. Hartmut Balder beschrieb die Wohlfahrtswirkungen von Pflanzen im urbanen Bereich. Er betonte, dass eine moderne Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts nicht auf die positiven Funktionen eines vitalen Stadtgrüns verzichten sollte. Rainer Müller vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen stellte den Zusammenhang zwischen „Grün-Ausstattung“, Lebensqualität und der Werthaltigkeit von Wohnanlagen dar.
Heiner Baumgarten, Grün-Experte der Internationalen Gartenschau (IGS) Hamburg 2013, verdeutlichte die Bedeutung von Pflanzen für eine nachhaltige städtische Freiraumplanung. Er hob hervor, dass eine „… grüne Mitte als interkultureller Treffpunkt die Mitte des Stadtteils Wilhelmsburg sein und damit die Lebensqualität nachhaltig verbessern“ werde. Peter Menke präsentierte das Forum „Die Grüne Stadt“, das sich für einen interdisziplinären Diskurs über den gesellschaftlichen Nutzen von öffentlichem und privatem Grün einsetzt. Aus dem Manifest des Forums „Die Grüne Stadt“ zitierte Menke:
- Grün ist Leben!
- Grün erholt von Stress und Überbeanspruchung!
- Grün steigert den Wert einer Gemeinde für ihre Bewohner, aber auch für Touristen!
- Grün wertet einen Wirtschaftsstandort auf!
- Grüne Arbeitsplätze verbessern das Klima, erhöhen die Arbeitsleistung und die Produktivität der Mitarbeiter!
- Grün fördert das Umweltbewusstsein und die Umweltpflege!
- Grün bewirkt eine starke persönliche Identifikation mit einem Unternehmen, aber auch mit dem Wohn- und Arbeitsumfeld!
- Grün schafft Erholung und Ruhe und lässt sogar Kranke schneller wieder genesen!
- Grün baut Aggressionen ab, fördert das Sozialwesen und reduziert Vandalismus!
- Grün erhöht die Lebensqualität der Menschen, sie fühlen sich wohler und gesünder!
Wirtschaftliche und soziale Aspekte von Grün
Privates und öffentliches Grün gewinnt unter ökonomischen, gesundheitlichen und sozialen Gesichtspunkten an Bedeutung. Dies reicht von der Wertsteigerung von Immobilien über den Schutz vor Feinstaub und Lärm bis zur sozialen Identifikation mit dem grünen Lebensumfeld. Die positiven Effekte erstrecken sich vom Wohn- und Arbeitsbereich über private Gärten und Außenanlagen bis zum öffentlichen Grün in Gemeinden und Städten. Viele dieser Wohlfahrtswirkungen sind jedoch noch unzureichend quantitativ erforscht. Öffentlich verfügbare Informationen zum aktuellen Wissensstand sind für politische und administrative Entscheidungsprozesse relevant. Ein Beispiel hierfür ist die Informationsbroschüre „BÄUME und Pflanzen. Schwerpunkt – Feinstaub“.
Die deutsche Baumschulwirtschaft bietet mit einem Sortiment von über 200.000 Artikeln ein breites Spektrum. Rund 3.000 spezialisierte Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten produzieren und vermarkten Gehölze, vom Sämling bis zum alten Park- oder Alleebaum. In Deutschland wird durch Produktion und Handel mit Gehölzen ein Gesamtumsatz von 1,3 Mrd. EUR pro Jahr erzielt.
Kompetenz in Grün
Das Angebot umfasst Laubgehölze wie Zier- und Blütengehölze für Gärten, Parks und öffentliche Anlagen sowie Heckenpflanzen. Hinzu kommen Wildgehölze für Waldränder, Renaturierung und Begrünung von Flussläufen und Straßenrändern, Rosen, Schling- und Kletterpflanzen, Park-, Allee- und Straßenbäume, Nadelgehölze/Immergrüne Gehölze, Obstgehölze und Forstgehölze für eine nachhaltige Forstwirtschaft.
Stoldt und von Ehren fassten die Erkenntnisse der Veranstaltung zusammen:
Wir setzen uns dafür ein, dass der gesellschaftliche Nutzen von öffentlichem und privatem Grün im öffentlichen Bewusstsein stärker als bisher wahrgenommen wird. Investitionen in Grün – von Gemeinden wie von Privatpersonen und auch Unternehmen – dürfen nicht länger hauptsächlich als Kostenfaktor betrachtet werden. Wir müssen ein Bewusstsein für „Grün“ schaffen, das Voraussetzung ist für ein breit getragenes Engagement für mehr Grün in Städten und Gemeinden. Für diese Idee bitten wir Sie um Ihre aktive Unterstützung. Grün ist Leben!
