Messen und Veranstaltungen

Deutsche Baumpflegetage 2018: Diskussionen um gebietseigene Gehölze, Haftung und Geschlechterrollen

Die Deutschen Baumpflegetage 2018 in Augsburg beleuchteten aktuelle Herausforderungen der Branche. Themen wie gebietseigene Gehölze, Haftung kommunaler Baumkontrolleure und die Rolle von Frauen in der Baumpflege wurden intensiv diskutiert. Die Veranstaltung feierte zudem zwei Jubiläen und verzeichnete eine hohe internationale Beteiligung.

Aktuelle Herausforderungen und Jubiläen der Baumpflegetage

Die Deutschen Baumpflegetage 2018 in Augsburg befassten sich mit aktuellen Herausforderungen der Baumpflegebranche. Themen wie die Praktikabilität des Gesetzes zu gebietseigenen Gehölzen, die Stellung von Frauen in der Baumpflege und die Notwendigkeit privater Zusatzversicherungen für Baumkontrolleure wurden intensiv diskutiert.

Die Veranstaltung feierte zwei Jubiläen: Das Kletterforum bestand seit 20 Jahren, und die Messe Augsburg war zum zehnten Mal Austragungsort. Insgesamt nahmen 1.550 Fachleute aus über 20 Nationen teil, darunter aus Israel, Irak, Neuseeland, Pakistan, Russland und den USA.

Gebietseigene Gehölze: Ungeklärte Fragen vor Fristablauf

Das Gesetz zur Verwendung gebietseigener Gehölze führte erneut zu umfangreichen Debatten. Hintergrund ist das nahende Ende der zehnjährigen Übergangsfrist am 1. März 2020, ab dem in der freien Natur ausschließlich gebietseigene Gehölze verwendet werden dürfen. Veranstalter Prof. Dr. Dirk Dujesiefken erklärte, dass diesem Thema zwei Vorträge und eine Diskussionsrunde gewidmet wurden.

Christoph Dirksen von der Baumschule Ley kritisierte aus praxisnaher Sicht, dass zwei Jahre vor Fristablauf weiterhin ungelöste Probleme bestünden. Diese beträfen die Pflanzenverfügbarkeit, Zertifizierung, Beerntungsgebiete, Verwendungsorte und Ausschreibungen. Eine zentrale Herausforderung sei die Verfügbarkeit geeigneten Saatguts, da in vielen Regionen erhebliche Lücken in den Beständen existierten.

Dirksen forderte zudem eine präzisere Auslegung des Begriffs „freie Natur“, da viele Auftraggeber pauschal nur noch gebietseigene Gehölze ausschrieben. Dr. Rudolf Specht vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hob die Komplexität des Themas hervor. Er betonte die Entwicklung eines einheitlichen Zertifizierungssystems für Produzenten gebietseigener Gehölze, das derzeit mit der Deutschen Akkreditierungsstelle erarbeitet werde.

Haftung kommunaler Baumkontrolleure geklärt

Ein weiteres zentrales Thema war die Haftung kommunaler Baumkontrolleure. In einer Fragerunde mit Vertretern des Kommunalen Schadensausgleichs westdeutscher Städte und des Haftpflichtschadensausgleichs der Deutschen Großstädte wurde klargestellt, dass kommunale Baumkontrolleure keine private Zusatzversicherung benötigen.

Kommunale Baumkontrolleure gelten haftungsrechtlich als Beamte. Im Schadensfall geht die Haftung unmittelbar auf den Dienstherrn, also die Kommune, über.

Dies erklärte Werner Liebeton, Justiziar der beiden Versicherungsträger. Dieser Schutz greife selbst bei grober Fahrlässigkeit, wobei Regressforderungen in der Praxis unüblich seien.

Frauen in der Baumpflege: Ein neues Forumsthema

Erstmals wurde auf den Deutschen Baumpflegetagen die Rolle von Frauen in der Baumpflege offiziell thematisiert. Eine Podiumsdiskussion befasste sich mit Herausforderungen, Vorurteilen und Chancen geschlechterübergreifender Zusammenarbeit.

Marika Pylkkänen aus Finnland berichtete, dass Frauen in ihrem Land selbstverständlich in der Baumpflege tätig seien. Sie betonte: „Es zählt das Ergebnis, nicht das Geschlecht.“ Im Gegensatz dazu wies Anja Erni, Mitinhaberin eines Schweizer Baumpflegeunternehmens, auf den geringen Frauenanteil in Kletterkursen in Mittel- und Südeuropa hin.

Erni führte dies auf gesellschaftliche Stereotype zurück und formulierte: „Das ist kein Frauenproblem, sondern ein Menschheitsproblem.“ Sie hob hervor, dass der Beruf anspruchsvoll sei und Chancen für alle biete, die dafür geeignet seien.

Messe Augsburg: Zehn Jahre Wachstum und Internationalisierung

Prof. Dr. Dirk Dujesiefken erinnerte an den Umzug der Deutschen Baumpflegetage von der Kongresshalle in die Messe Augsburg vor zehn Jahren. Seitdem habe sich die Veranstaltung stark entwickelt und sei internationaler geworden. Die begleitende Fachmesse verzeichnete ebenfalls ein erhebliches Wachstum.

Mit über 130 Ausstellern hat sich deren Anzahl seit dem Umzug verdoppelt. Die Deutschen Baumpflegetage gelten damit als die größte Baumpflege-Fachmesse Europas.

Die 27. Deutschen Baumpflegetage finden vom 7. bis 9. Mai 2019 in Augsburg statt. Die Vorträge der diesjährigen Fachtagung sind im Jahrbuch der Baumpflege 2018 dokumentiert.

27.04.2018

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