Experten diskutieren Gestaltung sicherer inklusiver Spielräume
Wie sich sichere und zugleich attraktive Spielräume für alle Kinder gestalten lassen, stand im Mittelpunkt der „3. Fachtagung zur Kindersicherheit auf Spielplätzen“. Die Veranstaltung wurde von Massstab Mensch organisiert und brachte rund 130 Fachleute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien zusammen.
Im Fokus der diesjährigen Tagung stand das Thema inklusive Spielräume. Experten aus verschiedenen Disziplinen diskutierten, wie Spielplätze so gestaltet werden können, dass Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsam spielen können – ohne dabei Sicherheitsaspekte aus dem Blick zu verlieren.
Theorie und Praxis im Außengelände
Neben Fachvorträgen bot das Außengelände zahlreiche praktische Stationen. Teilnehmer konnten unter anderem einen Blindenparcours ausprobieren, auf Pumptracks rollen oder verschiedene Bewegungsangebote testen. Ziel war es, die Inhalte der Vorträge unmittelbar erfahrbar zu machen.
Die Tagung beleuchtet das Thema Kindersicherheit bereits zum dritten Mal aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei richtet sie sich vor allem an Planer, Betreiber und Fachleute aus der Gestaltung öffentlicher Spielräume.
Spielräume zwischen Risiko und Sicherheit
Ein zentrales Thema war der Umgang mit Risiken auf Spielplätzen. Kinder sollen dort ihre Fähigkeiten testen und Erfahrungen sammeln können, ohne unnötigen Gefahren ausgesetzt zu sein.
Alle Kinder sollen und wollen sich ausprobieren, die eigenen Grenzen ausloten, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fassen – „Selbst-Sicherheit“ gewinnen.
Unter dem Motto „all inclusive“ widmete sich die Veranstaltung drei Tage lang der Frage, wie Spielräume gestaltet werden können, die inspirieren, zum Entdecken anregen und gleichzeitig unterschiedliche Nutzergruppen berücksichtigen.
Ein zusätzlicher Veranstaltungstag richtete sich erstmals auch an Eltern und Pädagogen. Unter dem Thema „Kinderspielplatz – Spannungsfeld zwischen Risiko und Sicherheit“ konnten sie sich darüber informieren, welche Erwartungen Kinder an Spielplätze haben und wie sich Spielwert und Sicherheitsanforderungen miteinander verbinden lassen.
Inklusive Spielräume als Planungsaufgabe
Eine zentrale Herausforderung ist die Umsetzung von Barrierefreiheit auf Spielplätzen. Eine einheitliche Definition existiert dafür bislang nicht. Laut Behindertengleichstellungsgesetz gilt eine Anlage als barrierefrei, wenn sie ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe genutzt werden kann.
Auf Spielplätze lässt sich diese Definition jedoch nur bedingt übertragen. Spielanlagen enthalten bewusst sogenannte Einstiegsschwellen. Kinder sollen Bereiche nur dann nutzen, wenn sie Gefahren selbstständig einschätzen können – abhängig von Alter, Entwicklungsstand sowie motorischen und kognitiven Fähigkeiten.
Daher gilt bei der Gestaltung inklusiver Spielräume ein grundlegendes Prinzip: Ein Spielplatz soll möglichst vielen Kindern Spielmöglichkeiten bieten, auch wenn nicht jedes einzelne Spielgerät für alle gleichermaßen nutzbar ist.
Bewertungssystem für inklusive Spielplätze
Aktuell arbeitet der Arbeitskreis Inklusion des Normungsausschusses an Konzepten zur Gestaltung inklusiver Spielräume. Ergebnisse stellten Peter Schraml, Mandy Schönfeld (Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur und Umweltplanung) und Andreas Aschmann (Dipl.-Ing. Architektur) auf der Tagung vor.
Kern des Ansatzes ist eine Matrix, die unterschiedliche Kriterien für inklusive Spielräume erfasst. Aspekte wie Geräteauswahl, räumliche Anordnung oder Materialien werden bewertet und in ein Punktesystem überführt. Erreicht ein Spielplatz eine bestimmte Bewertung, kann er das Prädikat „Inklusiver Spielraum“ erhalten.
Damit wird deutlich, dass Inklusion auf Spielplätzen weit über einzelne Spezialgeräte hinausgeht. Neben Vorträgen bot die Veranstaltung auch eine Ausstellung von Kooperationspartnern sowie die Möglichkeit, eine von Massstab Mensch entwickelte Software zur Spielplatzprüfung zu testen. Die Fachtagung ist zudem als Fortbildung für Ingenieure, Fachplaner, Architekten und Landschaftsarchitekten anerkannt.
