Fachtagung der IGG: Einblicke in den modernen Straßenbau
Die Internationale Geotextil GmbH (IGG) aus Twistringen, ein Unternehmen der Roess-Nature-Group, veranstaltete ihre dritte internationale Fachtagung zum Thema "Böschungssanierung und Böschungsbegrünung im Straßenbau". Die Veranstaltung am 20. und 21. Januar 2011 brachte internationale Gäste, Kooperationspartner und Hochschulvertreter zusammen, um praxisnahe Lösungen und aktuelle Forschungsergebnisse zu diskutieren.
Geschäftsführer Thomas Roess begrüßte neben langjährigen Partnern wie Tensar International, Salix und den US-amerikanischen Unternehmen North American Green und FiNN Corporation auch Referenten renommierter Hochschulen. Die Tagung beleuchtete insbesondere die Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich des Erosionsschutzes, der in den USA bereits seit vielen Jahren einen festen Bestandteil der Umweltpolitik darstellt.
Ursachen und Sanierung instabiler Böschungen
Prof. Dr. Engel von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden widmete sich in seinem Vortrag den Ursachen und Sanierungsmöglichkeiten instabiler Böschungen. Er betonte, dass die Destabilisierung oft mit Rissen an der Böschungsoberfläche beginnt, wobei der Wasserhaushalt des Bodens eine entscheidende Rolle spielt. Ein besonderes Problem stellen steile Böschungen an deutschen Straßen und Autobahnen dar, die häufig aus Kostengründen als locker geschüttete Lärmschutzwälle ausgeführt werden.
Der kritische Zeitraum erstreckt sich von der Errichtung des Walles bis zur Ausbildung einer vollständig deckenden, vegetativen Schutzschicht. Abgerutschte Böschungen müssen in vielen Fällen komplett neu aufgebaut werden. Die derzeit in Deutschland angewandten Bauweisen sind laut Prof. Dr. Engel oft unzureichend. Die HTW Dresden forscht daher an Methoden, um insbesondere Dammböschungen von locker geschütteten Erdwällen präventiv mit einer "Böschungshaut" zu stabilisieren. Ziel ist es, Sanierungskosten zu vermeiden und ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Richtlinien, Vorschriften und Prüfverfahren im Erosionsschutz
Prof. Dr.-Ing. Saathoff, Leiter des Instituts für Umweltingenieurwesen der Universität Rostock, informierte über "Aktuelle Entwicklungen der Richtlinien und Vorschriften für den Erosionsschutz von Böschungen im Straßenbau". Als Leiter des Arbeitskreises AK 5.4.1. der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) – "Erosionsschutz und Begrünungshilfen" – ist er maßgeblich an der Erarbeitung eines Merkblattes für den Einsatz von Geokunststoffen im Straßen- und Verkehrswesen beteiligt. Die IGG ist Gründungsmitglied dieses Arbeitskreises.
Ein wesentlicher Bestandteil des Vortrags war die Entwicklung geeigneter Prüfverfahren für Erosionsschutz- und Begrünungshilfen aus natürlichen und synthetischen Werkstoffen. Für die europäische Normung sind Index- und Performancetests für Erosionsschutzprodukte unerlässlich. Da in Deutschland noch keine spezifischen Festlegungen existieren, könnten die vom Erosion Control Technology Council (ECTC) in den USA entwickelten Prüfverfahren als Grundlage dienen. Die Universität Rostock strebt im Rahmen des 7. EU-Förderprogramms die Leitung eines europaweiten Forschungsnetzwerks an, das sich mit der Entwicklung solcher Index-Prüfverfahren befassen soll. Die Unterstützung des europäischen Normungsgremiums (CEN TC 189) ist bereits zugesagt.
Innovative Produkte und Anwendungen im Erosionsschutz
Tim Lancaster, Director of Technology bei Tensar/North American Green (USA), stellte die verstärkten Erosionsschutzmatten Vmax³ vor. Diese patentierten Matten bestehen aus einer dreidimensionalen, dauerhaften Netzstruktur mit einer eingearbeiteten Faserschicht (Kokos- oder Polypropylenfaser) und bieten sofortigen sowie dauerhaften Erosionsschutz. Die Faserabdeckung schützt den Boden, erhöht die Wasserhaltefähigkeit und fördert die Vegetationsentwicklung. Vmax³-Matten eignen sich für steile Böschungen, Flussuferbereiche und Abflusskanäle und stellen eine kostengünstige und ökologische Alternative zu Steinschüttungen und Betonauskleidungen dar.
Er präsentierte zudem das neue ShoreMax™-System, eine UV-stabilisierte Gummimatte, die in Kombination mit Vmax³-Matten und/oder Kokoswalzen in erosionsgefährdeten Uferbereichen von Flüssen, Seen, Teichen, Gräben und Kanälen eingesetzt wird.
David Holland von Salix River & Wetland Services Limited, einem Hersteller vorbegrünter Systeme für den Wasserbau in Großbritannien, zeigte Projekte, bei denen Vmax³-Matten als Alternative zu Steinschüttungen in Flüssen und Kanälen eingesetzt wurden. Er hob den langfristigen ökologischen Nutzen dieser Lösungen hervor, auch im Hinblick auf die CO2-Bilanz.
Helmut Kroth von Tensar-International demonstrierte, wie sehr steile Lärmschutzwälle und Stützkonstruktionen durch die Kombination von Stahl- und synthetischen Geogittern begrünt werden können. Die Tensar Böschungssicherungssysteme bieten eine grüne Alternative zu Betonwänden.
Anspritzbegrünung und Nassansaat
Der zweite Konferenztag begann mit einer Betriebsbesichtigung der Produktionsanlagen der Roess-Nature-Group, wo die Teilnehmer die Herstellung der Erosionsschutzprodukte kennenlernen konnten. Die Maschinenbausparte der Roess-Gruppe, die A.H. Meyer Maschinenfabrik, hat in Twistringen eine moderne Anlage für die Herstellung von Erosionsschutzmatten in Betrieb genommen.
Im Fokus der Vorträge des zweiten Tages stand die Anspritzbegrünung oder Nassansaat. Peter Hemelar von der FiNN Corporation aus den USA gab einen detaillierten Überblick über die unterschiedlichen Maschinen für die Anspritzbegrünung. FiNN gilt als Erfinder dieser Technologie und ist Weltmarktführer für Hydroseeder. Neben den Maschinen bietet FiNN auch die gesamte Produktpalette an, die für eine erfolgreiche Begrünung notwendig ist, einschließlich Kleber, Polymere und Mulchmaterial. IGG ist der exklusive Vertriebspartner von FiNN in Deutschland und weiteren europäischen Ländern.
Tim Lancaster stellte zudem HydraCX2® Extreme Slope Matrix® vor, eine hochwertige Anspritzmischung, die speziell für den Erosionsschutz und als Begrünungshilfe an steilen Böschungen (2:1 bis 1:1), Lärmschutzwällen und Stützkonstruktionen entwickelt wurde. Das Produkt besteht aus einem Baumwoll-Strohgemisch, Haftklebern und Polymeren und weist einen hohen Nährstoffgehalt auf. HydraCX2® unterstützt die Keimfähigkeit des Saatgutes und das schnelle Wachstum von Gräsern und Kräutern. Es begünstigt die Wasserhaltefähigkeit und fördert den Kontakt zwischen Saatgut und Böschungsoberfläche, was eine rasche Keimung ermöglicht. Vergleichstests des AASHTO-NTPEP (American Association of State Highway Transportation Officials "National Transportation Product Evaluation Program") zeigten, dass HydraCX2® eine deutlich höhere Vegetationsentwicklung als Erosionsschutzmatten mit Saatgut oder herkömmliche Anspritzbegrünungen bewirkt.
IGG ist exklusiver Vertriebspartner für North American Green und FiNN-Produkte in Deutschland und mehreren europäischen Ländern.
Internationale Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven
Während der Tagung wurde die Gründung einer europäischen Arbeitsgruppe (IECA-Chapter) über die International Erosion Control Association (IECA) angeregt. Die IECA ist eine weltweite Organisation, die ihre Mitglieder im Bereich des Erosionsschutzes durch Seminare und Schulungen unterstützt. Die USA sind aufgrund ihres bestehenden Regelwerks und der umfangreichen Index- und Performancetests für Erosionsschutzprodukte weltweit führend im Umweltschutz.
Thomas Roess und Tim Lancaster werden sich im Februar auf der Internationalen Erosionsschutzfachmesse (IECA Annual Conference) in Orlando (USA) mit Vertretern der IECA treffen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Die vierte internationale IGG Fachtagung ist für Januar 2012 in Twistringen geplant.
