Jubiläumsfeier und Baumpflanzung in Meran
Das European Arboricultural Council (EAC) feierte sein 30-jähriges Bestehen mit einer Jahreshauptversammlung in Meran, Südtirol. Die Veranstaltung würdigte drei Jahrzehnte Einsatz für fachgerechte Baumpflege und deren europaweite Harmonisierung. Ein symbolischer Höhepunkt war die Pflanzung einer Zerreiche (Quercus cerris) im Zentrum von Meran, die künftig zur Kühlung und Steigerung der Aufenthaltsqualität beitragen soll.
Die Festtagung im Kurhaus von Meran zog 80 Fachleute aus ganz Europa an. Eine Festbroschüre mit dem Titel „30 Years EAC“ fasst die Geschichte und das Wirken der Organisation zusammen.
„Es ist mir eine große Ehre, anlässlich unseres 30. Geburtstages hier in Meran einen Baum zu pflanzen: Möge er viele Jahrzehnte wachsen und gedeihen und den Menschen in den heißen Monaten Schatten spenden und die Temperatur senken“, so EAC-Präsidentin Stefania Gasperini.
Die Vizebürgermeisterin Katharina Johanna Zeller betonte die Bedeutung von Stadtgrün und Bäumen für Meran, eine Stadt, die für ihr Engagement in diesem Bereich bekannt ist. Dieses Engagement wird auch durch den European City of the Trees (ECOT)-Award des EAC gewürdigt.
Entwicklung und Ziele des EAC
Das EAC wurde 1992 in Brüssel von Baumpflegern aus fünf Ländern gegründet. Die ursprünglichen Ziele waren:
- Austausch internationaler Erfahrungen und Know-how
- Definition von Standards für Baumpfleger in ganz Europa
- Konzeption und Einführung einer europaweiten Aus- und Weiterbildung für Baumpfleger
Aus diesen Anfängen hat sich das EAC zu einem international anerkannten Verband entwickelt, dem mittlerweile 23 europäische Länder angehören. Während der Jahreshauptversammlung in Meran wurden fünf neue Verbände aufgenommen.
Seit über 20 Jahren bietet das EAC europaweit Zertifizierungen zum European Tree Worker (ETW) und European Tree Technician (ETT) an. Diese Zertifizierungen fördern die Mobilität von Baumpflegern und tragen zur Verbesserung der Arbeitsqualität bei. Das EAC hat zudem zahlreiche Leitfäden und Standards entwickelt, darunter den Safety Guide, Pruning Guide, Planting Guide, Cabling and Bracing Guide und das ETW Handbook. Ein Netzwerk von Fachleuten wurde aufgebaut, das international gefragt ist.
Meran als Vorbild für Stadtgrünmanagement
Dr. Anni Schwarz, Direktorin des Grünflächenamtes von Meran, stellte die Rolle und Bedeutung der rund 8.000 Bäume für die Stadt vor. Meran, die zweitgrößte Stadt Südtirols mit 40.000 Einwohnern und einer Million Übernachtungsgästen pro Jahr, ist seit dem 19. Jahrhundert als Luftkurort bekannt. Schon damals wurde ein Promenadennetz angelegt und exotische Bäume gepflanzt. Das vorbildliche Grünflächenmanagement der Stadt umfasst einen detaillierten Grünplan, eine aktive Bürgerkommunikation und ein öffentlich zugängliches Online-Baumkataster.
Frauen in der Baumpflege
Ein weiteres Thema der Tagung war die Rolle der Frau in der Baumpflege. Vicki Tough aus Großbritannien, eine erfahrene Baumpflegerin und Sachverständige, referierte über ihre Erfahrungen in einer männerdominierten Branche. Sie stellte fest, dass im Jahr 2021 über 5.000 Männer, aber nur 127 Frauen, als SKT-B zertifiziert waren. Bei den „Instructors“ lag das Verhältnis bei 190 Männern zu 6 Frauen. Vicki Tough plädierte dafür, den Fokus nicht primär auf die Gewinnung von mehr Frauen für die Baumpflege zu legen, sondern vielmehr die Arbeitsbedingungen für alle Geschlechter zu optimieren.
Wohlfahrtswirkung von Stadtgrün
Prof. Dr. Francesco Ferrini von der Universität Florenz beleuchtete die positiven Auswirkungen von Stadtgrün auf Gesundheit und Lebensqualität. Angesichts der zunehmenden Urbanisierung betonte er die Notwendigkeit für Städte, ihr Grünflächenmanagement zu stärken und auszubauen.
„Können Sie sich vorstellen, wie eine Welt ohne Bäume aussehen würde? Ich kann es nicht und will es auch gar nicht!“, so Ferrini.
Historische Entwicklung der Baumpflege
Dr. Daniele Zanzi, ehemaliger EAC-Präsident (1998-2000) und Gründungsmitglied, blickte auf die Entwicklung der Baumpflege seit den 1970er Jahren zurück. Er hob die Modernisierung der Baumchirurgie hin zu einer nachhaltigen Baumpflege hervor, die maßgeblich von Alex Shigo aus den USA geprägt wurde und auch in Europa Einzug hielt. Meran war bereits 1995 Schauplatz der ersten italienischen, internationalen Baumtage mit Alex Shigo. Zanzi zeigte sich erfreut über die Entwicklung des EAC zu einem schlagkräftigen europäischen Verband, der die fachgerechte Baumpflege europaweit etabliert hat.
Interne Gremienarbeit und Ausblick
Der zweite Tag der Jahreshauptversammlung war der internen Gremienarbeit gewidmet. Neben der Aufnahme von fünf neuen Verbänden aus Estland, Kroatien, Litauen, Polen und Rumänien standen Berichte aus den Arbeitsgruppen CQM, QB, ECOT, PR und ETW Handbook auf der Agenda. Zudem wurden Informationen über die Mitarbeit in Erasmusprojekten und Berichte der Mitgliedsverbände ausgetauscht.
Eine Exkursion unter der Leitung von Dr. Anni Schwarz führte die Teilnehmer entlang der Meraner Winterpromenade zur Gilf-Anlage und über den Tappeiner Weg zurück in die Innenstadt. Dabei wurden die klimatischen Besonderheiten Merans und die Wuchsbedingungen für zahlreiche Baum-Exoten erläutert. Meran gleicht einem botanischen Garten mit beeindruckenden Mammutbäumen und Zedern. Zum Gedenken an Francesco Decembrini, den Gründer von Meranflora, pflanzte das EAC gemeinsam mit Bürgermeister Dario Dal Medico einen weiteren Baum an der Winterpromenade.
Die Jahreshauptversammlung schloss mit der Einladung des belgischen Verbandes, die nächste Versammlung im Juni des kommenden Jahres in Antwerpen abzuhalten.
Das European Arboricultural Council e. V. (EAC) mit Sitz in Bad Honnef dient als Forum für Delegierte europäischer Baumpflege-Organisationen. Das Ziel ist die Erhöhung des Qualitätsstandards und die Weiterentwicklung des Berufs durch Förderung von Forschung und Ausbildung, um eine erfolgreiche Baumpflege und die Verbesserung der Arbeitsmethoden zu gewährleisten.

