Rekordbeteiligung und Themenvielfalt beim FBB-Gründachsymposium
Das 6. Internationale FBB-Gründachsymposium, das am 14. Februar 2008 in Ditzingen stattfand, verzeichnete mit rund 200 Teilnehmern einen neuen Besucherrekord. Der Bürgersaal in Ditzingen war nahezu vollständig gefüllt, was das große Interesse an diesem Fachtreffen unterstreicht.
Die veranstaltenden Verbände – die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), der Bundesverband GaLaBau e.V. (BGL) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. (ZVDH) – zeigten sich mit dem Verlauf und der Resonanz des Symposiums sehr zufrieden.
Nach den Begrüßungsreden von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Bürgermeister Bahrmer und FLL-Präsident Prof. Albert Schmidt, eröffnete FBB-Präsident Dr. Gunter Mann die Veranstaltung. Er übergab den Vorrednern ein FBB-Hundertwasser-Puzzle und leitete damit die vier Themenkomplexe ein: „Aus der Praxis“, „Aus der Forschung“, „Recht und Richtlinie“ sowie „Berichte aus dem Ausland“.
Fehleranalyse und Bewässerungsstrategien
Prof. Dr. Roth-Kleyer beleuchtete in seinem Vortrag die zehn häufigsten Fehler, die er in seiner gutachterlichen Tätigkeit identifiziert hat. Dazu gehören mangelhafte oder fehlende Prüfungen der Vorgewerke, unberücksichtigte Umgebungsfaktoren, Missachtung einschlägiger Richtlinien, falsche Materialwahl und Ausschreibung, Unkenntnisse in der Pflanzenverwendung, fehlende oder unzureichende Fertigstellungspflege sowie die Nichtbeachtung von Gefälle- und Wassersituationen.
Reiner Götz betonte die Notwendigkeit einer geplanten und wasserökonomischen Bewässerungsstrategie. Er untermauerte seine Ausführungen mit Zahlen zur Klimaerwärmung und kam zu dem Schluss, dass es keine Standardlösung für extensive Dachbegrünungen gibt. Jedes Objekt erfordere eine spezifische Planung.
Innovative Begrünungsmethoden und Forschungsergebnisse
Joe Engelhardt stellte sein Heudruschverfahren zur Gewinnung autochthonen Saatguts vor, das er bisher vorwiegend bei Böschungsbegrünungen eingesetzt hat. Die Vorteile dieser Methode liegen in der großen Artenvielfalt, dem Erhalt des regionalen Genpools, der guten Vitalität der Saat und der effektiven Bewurzelung. Allerdings erfordert die Planung von Dächern mit Heudrusch-Ansaat einen langen Vorlauf, da die ausgewählte Wiese bis zu sieben Mal im Jahr gemäht werden muss, um alle Pflanzenarten zu erfassen.
Stefan Schmidt präsentierte erste Zwischenergebnisse von Untersuchungen aus Wien zu geeigneten Pflanzenarten für schattig gelegene Extensivbegrünungen. Im ersten Untersuchungsjahr bewährten sich unter anderem Carex remota, Duchesnea indica, Potentila arenaria, Prunella grandiflora, Phedimus stoloniferus, Teucrium chamaedrys und Veronica teucrium.
Dr. Cornelia Oschmann von der Humboldt-Universität Berlin erläuterte die Funktionsweise von Superabsorbern (Super Absorbent Polymers, SAP). Diese Na- oder K-Salze weitmaschig vernetzter Polyacrylsäuren können das 500-fache ihres Eigengewichts an reinem Wasser absorbieren. Sie quellen auf und bilden ein Gel, das Wasser in pflanzenverfügbarer Form bindet. Ihre Versuche mit Blähschiefer zeigten eine deutlich verbesserte Wasserversorgung der Stauden auf Parzellen mit 3 g SAP/l, was zu gesünderen und vitaleren Pflanzen führte. Die Superabsorber dämpften die Auswirkungen niederschlagsarmer Perioden und die erhöhte Wasserspeicherkapazität des Substrats reduzierte die Abflussmenge bei starken Regenfällen.
Stadtklima, Richtlinien und CE-Kennzeichnung
Der Schweizer Dr. Stephan Brenneisen präsentierte Ergebnisse seiner Dissertation zum Stadtklimamodell mit Dachbegrünungen. Er zeigte die potenziellen Auswirkungen einer nachträglichen Begrünung von 70% der unbegrünten Dächer auf das Stadtklima. Gleichzeitig warnte er davor, die positiven Wirkungen begrünter Dächer hinsichtlich der Klimaverbesserung in Städten zu überschätzen, da bauliche Faktoren wie Windschneisen eine größere Rolle spielen können.
Prof. Gilbert Lösken, Leiter des Regelwerksausschusses des FLL-Arbeitskreises „Dachbegrünung“, stellte die wichtigsten Neuerungen der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie 2008 vor. Dazu gehören ein angepasster Geltungsbereich mit Verweis auf Sonderbauweisen, die Aufteilung der Substrate in Extensiv, Intensiv und Einschichtig sowie Obergrenzen für Wasserdurchlässigkeit und maximale Wasserkapazität. Weitere Punkte waren der Abnahmezeitpunkt, Prüfungen mit Hinweisen zur Probennahme und Gültigkeitsdauer von Prüfberichten sowie die Anerkennung der Gleichwertigkeit von FLL-Wurzelprüfung und DIN EN 13948.
Helmut Zanzinger vom SKZ, einem zertifizierten Prüfinstitut aus Würzburg, beleuchtete das Thema „CE-Kennzeichnung bei Dränageelementen in der Dachbegrünung“. Trotz seiner umfassenden Darstellung der Argumente für und gegen eine Zuordnung zu normrelevanten Kategorien konnte er weder ein klares „Ja“ noch ein „Nein“ aussprechen. Er resümierte, dass sich die Branche derzeit in einer ungeklärten Grauzone befinde und die Fachleute aus der Gründachbranche sich aktiv einbringen müssten, da die entsprechende Norm überarbeitet wird.
Internationale Perspektiven und Marketing
Jörg Breuning, der gemeinsam mit Peter Philippi die Firma Greenroof Services in den USA gegründet hat, gab einen anschaulichen Einblick in Gründach-Systeme und Marketingaktionen des amerikanischen Marktes. Dabei wurden auch für europäische Verhältnisse ungewöhnliche Begrünungsmethoden, wie Pflanzschalen aus Metall und Substratsäcke, vorgestellt.
Kyoko Blum-Onkai berichtete über den japanischen Dachbegrünungsmarkt. In Tokio ist die Dachbegrünung seit einigen Jahren staatlich vorgeschrieben, was der Dachbegrünung in Japan erst zu größerer Bedeutung verholfen hat. Die meisten begrünten Dächer finden sich in den Städten Tokio, Kanagawa, Aichi und Osaka. Allein in Tokio wurden bisher 55 Hektar Dachfläche begrünt.
Abschließend gab Prof. Dr. Manfred Köhler, FBB-Mitglied und Chairman des „World Greenroof Infrastructure network (WGRIN)“, einen Überblick zur Bauwerksbegrünung weltweit. Er betonte, dass Deutschland zwar in Technik und begrünter Fläche führend ist, die Amerikaner jedoch immer wieder zeigen, wie Gründächer werbewirksam vermarktet werden können.
Der Tagungsband mit den Kurzfassungen der Vorträge wird kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt.
