Fachtagung und praktische Demonstrationen zum Wurzelschutz
Die zweitägige Fortbildung begann am 29. Juni auf Schloss Reinbek. Das Hamburger Institut für Baumpflege (IfB) informierte die Baumpfleger über aktuelle Entwicklungen. Prof. Dr. Dirk Dujesiefken eröffnete die Tagung mit einem Vortrag zum überarbeiteten Regelwerk ZTV-Baumpflege. Dipl.-Biologe Thomas Kowol referierte über das Spannungsfeld Artenschutz und Baumpflege, insbesondere über den Umgang mit geschützten Tierarten in behandlungsbedürftigen Bäumen.
Dipl.-Ingenieurin Petra Jaskula sprach über das Eschentriebsterben und Stammfußnekrosen. Dr. Host Stobbe, Leiter des IfB, informierte über das Rosskastaniensterben. Der Abschlussvortrag des ersten Tages widmete sich dem Baumschutz auf Baustellen. Dipl.-Holzwirt Dennis Wilstermann leitete damit zur praktischen Schulung am folgenden Tag über, die auf dem Betriebsgelände der Hagen Baumpflege in Elmenhorst/Sahms stattfand.
Wurzelschutz in der Praxis: Von Saugbaggern bis Wurzelvorhängen
Am 30. Juni demonstrierten drei Mitgliedsunternehmen der QBB in einer mehrstündigen Praxis-Fortbildung Strategien und Maßnahmen zum Schutz von Wurzelwerken bei Tief- und Hochbauarbeiten. Frank Chr. Hagen stellte hierfür sein Betriebsgelände, Mitarbeiter und Maschinen zur Verfügung. Er wurde von den Firmen Baumpflege Bollmann und Osbahr unterstützt.
An fünf Stationen wurden die Schulungsteilnehmer in komplexen Baumschutzmaßnahmen unterwiesen. Dabei kam unter anderem ein Saugbagger zum Einsatz, der mit einem ferngesteuerten Saugarm Suchgräben ausheben und lose Erde zwischen den Wurzeln absaugen kann.
Mithilfe des Saugbaggers können wir die Wurzeln von Bäumen freilegen, ohne dass sie beschädigt werden. Dies ist hilfreich, wenn wir Lage und Zustand von Wurzeln beurteilen möchten, aber auch, wenn Leitungen im Wurzelbereich verlegt werden müssen.
Die Fachleute zeigten auch den Bau eines Wurzelvorhangs. Dieser verhindert das Austrocknen oder Absterben von Wurzeln nach Abgrabungen. Hierfür wird ein Graben in einem tolerierbaren Abstand zur zukünftigen Baugrube von Hand ausgehoben und die sich dort befindlichen Wurzeln schonend durchtrennt. Anschließend wird ein Vorhang aus Holzpfählen und Jute errichtet, der die übrigen Wurzeln schützt. Ein zwischen Wurzeln und Vorhang eingefülltes Substrat versorgt den Baum, bewahrt abgetrennte Wurzelteile vor Austrocknung und fördert die Wurzelneubildung.
Weitere Stationen demonstrierten Maßnahmen zum Stammschutz und die Tiefenbelüftung des Bodens mit Druckluftlanzen. Letztere wird bei Bodenverdichtung im Bereich von Baumwurzeln infolge von Baumaßnahmen notwendig.
Wir lockern dann den Boden wieder auf, damit der Baum unterirdisch weiterhin atmen und Wasser speichern kann.
Der Schutz von Baumwurzeln bei Baumaßnahmen ist in Regelwerken wie der ZTV Baumpflege, DIN 18920 und RAS-LP 4 thematisiert. Hans Rhiem betonte, dass die Umsetzung dieser Rechtsgrundlagen eine verwaltungstechnische Entscheidung sei und in der Verantwortung der Städte und Gemeinden liege. Diese müssten die Rahmenbedingungen für einen effektiven Wurzelschutz auf Baustellen schaffen.
Verwaltungen können dabei auf die Erfahrungen und Beratung von Sachverständigen und qualifizierten Baumpflegeunternehmen zurückgreifen. Die QBB bietet Unterstützung und stellt auf ihrer Website ausführliches Material und Handlungsempfehlungen zum Wurzelschutz zur Verfügung.
Mitgliederversammlung der QBB
Die QBB-Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag bildete den Abschluss der Fortbildung. Bei den Verbandswahlen wurden der 2. Vorsitzende Hans-Hermann Stöteler und der Schatzmeister Günter Reuter in ihren Ämtern bestätigt. Hans Rhiem berichtete über die hohe Nachfrage nach den Handlungsempfehlungen zum Wurzelschutz von Straßenbäumen auf der Verbandshomepage. Seit Juni 2017 verzeichneten diese monatlich zwischen 60 und 100 Downloads, was die Relevanz des Themas und den Erfolg der Aufklärungsarbeit unterstreiche.


