Projekt und Wettbewerb zur Innenstadtentwicklung in Karlsruhe
Die Stadt Karlsruhe, gegründet 1715, ist mit über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Baden-Württembergs. Ihr barocker Fächergrundriss, der von einem zentralen Schloss ausgeht, prägt das Stadtbild. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die fast sieben Meter hohe Pyramide auf dem Marktplatz, die die Ruhestätte des Stadtgründers Karl Wilhelm von Baden-Durlach beherbergt.
Vor etwa 15 Jahren initiierte die Stadt Karlsruhe ein Projekt zur Neugestaltung ihrer Innenstadt mit dem Ziel, die Aufenthaltsqualität zu steigern und eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung zu fördern. Dies mündete in das Projekt „Marktplatz, Innenstadt und Kombilösung für Karlsruhe“. Ein zentrales Anliegen war die Schaffung einer schienenfreien Fußgängerzone zwischen Europa- und Kronenplatz, begleitet von einem Stadtbahntunnel und einer Neuordnung des Verkehrsnetzes. Die Attraktivität der primären Einkaufsstraße und die Fußgängerfreundlichkeit standen dabei im Vordergrund, ebenso wie die Entwicklung eines touristischen Hotspots auf dem neuen Marktplatz.
Im Jahr 2009 gewann der Entwurf des Büros Mettler Landschaftsarchitektur den Wettbewerb zur Neugestaltung der Karlsruher Innenstadt. Besonders hervorgehoben wurden die geplanten einheitlichen Plattenbeläge aus hellem Granit, die eine durchgängige Verbindung zwischen Kaiserstraße, Marktplatz und Karl-Friedrich-Straße schaffen sollten.
Die Kombilösung für Karlsruhe: Infrastruktur und Bauzeit
Die an der Kaiserstraße verkehrenden Bahnen führten zu Hauptverkehrszeiten im Minutentakt zu einer Überlastung der Infrastruktur und verlängerten Wartezeiten. Die sogenannte Kombilösung sollte diese Probleme beheben und einen schienenfreien Raum in der Innenstadt schaffen, um eine nachhaltige Aufwertung zu ermöglichen.
Die Bauarbeiten begannen Anfang 2010. Zu den Teilprojekten gehörten der Bau eines Stadtbahntunnels mit sieben unterirdischen Haltestellen unter der Kaiserstraße sowie eines unterirdischen Gleisdreiecks. Hierfür wurde eine spezielle Tunnelbohrmaschine konstruiert, da der Tunnel flach unter der Erdoberfläche verläuft. Zusätzlich wurden sechs oberirdische Haltestellen neu geschaffen, umgebaut oder verlegt.
Weitere Rampen und Tunnelröhren waren für die Realisierung des Projekts notwendig. In der Kriegsstraße wurde ein Autotunnel im östlichen Teil errichtet, und auch hier entstanden zusätzliche oberirdische Haltestellen. Unterführungen und Brücken wurden zu ebenerdigen Überquerungen umgestaltet. Nach knapp zwölf Jahren Bauzeit, rund fünf Jahre später als ursprünglich geplant, wurde der Stadtbahntunnel am 11. Dezember 2021 eröffnet. Im Rahmen der Kombilösung wurden 1.200 Kilometer Kabel neu verlegt.
Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro, anstelle der ursprünglich kalkulierten 500 Millionen Euro. 80 Prozent dieser Summe wurden durch Bund und Land gefördert.
Baumkonzept und Marktplatzgestaltung: Grüne Akzente und Wasserspiele
Das Baumkonzept von Mettler Landschaftsarchitektur sieht den schrittweisen Ersatz der bestehenden Platanen in der Kaiserstraße vor. Eine Allee mit etwa 90 Neupflanzungen ist geplant, wobei der Einsatz von Zürgelbäumen als „Zukunftsbäume“ sowie die Pflanzung einer Artenvielfalt diskutiert werden. Auch der Platz am Durlacher Tor, etwa einen Kilometer entfernt, erhält weitere Baumpflanzungen zur Begrünung der Innenstadt.
Auf dem Marktplatz selbst musste aufgrund fehlender Tiefe für Pflanzenwurzeln weitgehend auf Bäume und weitere Bepflanzung verzichtet werden. Bestehende Pflanzkübel wurden durch neue, vom Landschaftsarchitekturbüro entworfene ersetzt und aufgestockt. Statt Bäumen lenkt ein Fontänenfeld mit 31 Düsen direkt vor der Pyramide den Blick auf sich. Dieses Wasserspiel soll an warmen Sommertagen auf der belgrano® Natursteinfläche für Erfrischung sorgen.
Alte Brunnen in der Kaiserstraße bleiben an ihren bisherigen Standorten erhalten. Das Stadtmobiliar für den innerstädtischen Platz wurde in Form von Metallstühlen konzipiert, um im Brandfall im Stadtbahntunnel die Entlüftung zu gewährleisten. Ausgewählte Sitzelemente dienen gleichzeitig als Schutz für die Lüftungsklappen der unterirdischen Bahnhaltestelle. Brüstungen auf dem Marktplatz erhielten eine Natursteinverkleidung. Eine gestalterisch unterstützende Ausleuchtung des Platzes durch Mastleuchten mit warm-weißer Illumination trägt dazu bei, die Aufenthaltsqualität auch in den Abendstunden zu steigern.
Natursteinbelag auf dem Marktplatz: Ästhetik und Nachhaltigkeit
Der Marktplatz in Karlsruhe wurde bereits im Oktober 2020 fertiggestellt und weist einen hellen Plattenbelag aus europäischem belgrano® Naturstein der BESCO Berliner Steincontor GmbH auf. Der im Passeverband verlegte Granit schafft ein einheitliches Bild innerhalb der Innenstadt. Er wird ergänzt durch ein zentrales Zierband aus kleinteiligen belgrano® Granit-, Diorit- und Gabbro-Pflastersteinen. Durch unterschiedliche Farben, Größen und Beschaffenheiten sowie passende Blindenleitsysteme soll die Aufenthaltsqualität gesteigert werden.
Allein auf dem Marktplatz wurden 127 LKW-Ladungen Naturstein verbaut. Neun Gesteinsarten und sechs unterschiedliche Formate prägen das Erscheinungsbild des Platzes. Die verbauten Steine wurden klimaneutral geliefert, wobei alle auf Transportwegen entstandenen CO2-Emissionen von BESCO in Kooperation mit der Non-Profit-Organisation myClimate kompensiert wurden.
Nachhaltiges Ergebnis mit einladendem Ambiente
Obwohl die Kombilösung das Dreifache des ursprünglich geplanten Budgets erforderte, konnte der Marktplatz schienenfrei gestaltet werden. Ein ansprechender Belag aus hochwertigem belgrano® Naturstein, praktische Sitzmöglichkeiten, ein Wasserspiel und eine angenehme Beleuchtung tragen dazu bei, den Wunsch der Stadt nach einem touristischen Hotspot zu erfüllen. Da einige Baumaßnahmen im Umfeld des Marktplatzes noch nicht abgeschlossen sind, bleibt die zukünftige Frequentierung abzuwarten.
Die Auseinandersetzung mit dem Material, der den essentiellen Teil des Entwurfs darstellt, war eine Herausforderung. Das Ergebnis zeigt, dass sorgfältig geplanter Natursteinbelag eine freundliche und lebendige Atmosphäre erzeugen kann.


